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Zion · 1937-07-01 · 3 (7.1937) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
9 (1937)
Issue
3 (7.1937)
Date
1937-07-01
Page
Seite 4 (sequence 5)
Language
German
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des jüdischen Volkes können die bisherigen Wanderungsbewegungen, auch die der jüngsten Vergangenheit angehörende Massenauswanderung nach Amerika, kein geeignetes Material bilden. Der grundlegende Unterschied zu allen vorangegangenen jüdischen Wanderungen liegt daxin, daß zum ersten Mal ein Teil der Judenheit, der vom Proezß der Assimilation voll erfaßt war, zur Wanderung genötigt ist. Es handelt sich um die erste postassimilatorische Wanderung -der jüdischen Geschichte. Noch nie hat eine jüdische Gruppe mit so geringer jüdischer Substanz wie die deutsche Judenheit den Weg in die Welt langetreten. — Auch die Flucht der Marannen kann nicht zum Vergleich herangezogen werden, .da diese durch ihren Willen ersetzten, was ihnen etwa an jüdischem Stoff fehlte. Der Weg dieser Juden führt in vielen Fällen in Länder, die bisher nur unibedeutende Judensiedlungen mit einem wenig entwickelten jüdischen Leben aufzuweisen haben und von den Zentren jüdischen Lebens auch räumlich weit entfernt sind. Da es sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, um Einzelwanderung handeln wird, dürfte die für ein geschlossenes jüdisches Leben erforderliche Dichte der jüdischen Siedlung nicht erreicht werden. Es besteht die Gefahr einer weiteren Atomisierung. Die Auswanderung unterbricht die Kontinuität des jüdischen Lebens. Das bedeutet bei einer Erscheinung, die so stark an Tradition gebunden ist Wie das Judentum, in jedem Falle eine Gefahr; es kann in den vielen Fällen, in denen das Judentum nicht persönlicher geistiger Besitz sondern nur lose Bindung an eine aus der Vergangenheit übernommene Institution oder lediglich pietätvolle Reminiszens ist, zerstörend wirken. Die Aufgabe der wirtschaftlichen Einordnung in die neuen Verhältnisse erfordert die äußerste Anspannung aller Kräfte. Es bleibt wenig Raum für die Pflege des jüdischen Gemeinschaftslebens. Der Versuch einer möglichst glatten Einordnung kann leicht zur Bemühung um «eine neue Assimilation führen. Immerhin ist die Ursache der Auswanderung, mögen ihre Träger dem Judentum noch so fremd sein, unverkennbar eine jüdische. Dieser Anlaß der Auswanderung wird letzten Endes auch seinen Eindruck auf die Auswandernden nicht verfehlen. Die Vertiefung jüdischen Lebens an Deutschland, die durch die äußeren Ereignisse jedenfalls in (gewissem Maße ausgelöst wurde, kann auch auf die Juden, die in die Gola auswandern, nicht ohne Einfluß bleiben. Die Förderung der Auswanderung durch jüdische Gemeinschaftshilfe innerhalb und außerhalb Deutschlands, die gegenseitige Unterstützung der Einwanderer können zur Verstärkung des jüdischen Gefühles beitragen. Jedoch dürften diese mehr subjektiven positiven Momente die negativen Wirkungen der oben erwähnten objektiven Umstände nur abschwächen aber keineswegs aufheben, sodaß von einer solchen Wanderung im Ergebnis ein schwerer Verlust an jüdischer Substanz erwartet werden muß. Die gesetzestreuen Juden Deutschlands dürften zu einem geringeren Prozentsatz, als es ihrem Anteil entspricht, an der Auswanderung in das .iichtpalästinensische Ausland teilnehmen, wenn man von der Rückwanderung nach Osteuropa absieht, einmal weil bei ihnen die natürliche Palästinaverbundenheit erheblich stärker ist als bei den religiös-indifferenten Juden, dann auch weil die Besorgnis, bei der Einordnung in eine nichtjüdische Wirtschaft Schwierigkeiten bei der Beobachtung des Religionsgesetzes zu begegnen, viele zurückhalten wird. Trotzdem kann es nicht bezweifelt werden, daß auch nicht wenige gesetzestreue Juden in die Länder außerhalb Palästinas ausgewandert sind und weiter auswandern werden. Eine zionistische Stellungnahme zur Wanderungsfrage kann sich nicht auf die Feststellung beschränken, daß die Wirkungen der Wanderung für den nationalen Bestand des jüdischen Volkes schädlich sind, sondern sie muß Wege suchen, um diese negativen Wirkungen, soweit wie irgend mög- 4

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