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Zion · 1937-05-01 · 2 (5.1937) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
9 (1937)
Issue
2 (5.1937)
Date
1937-05-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Anstatt nun die brauchbaren, wertvollen neuen Mittel zu einer gesunden, sachgemäßen, positiven, dem Texte gerechtwerdenden Interpretation zu verwenden, wodurch wirklich neues Licht viele dunkle Stellen erhellen konnte und ein besseres Verständnis der einzelnen Teile der Heiligen Schrift ermöglicht hätte, verwendete man sie größtenteils zur Errichtung von Hypothesenpyramiden. Man begann, statt objektive, verschiedenartige subjektive Exegese zu treiben, der man das Mäntelchen neuzeitlicher wissenschaftlicher Methodik umhängte. Dies war um so leichter, als ja Semmler die Annahme einer übernatürlichen Inspiration der Bibel verwarf und die Forderung aufstellte, die biblischen Bücher ab Menschenwerk zeitgeschichtlich zu verstehen.*) Immer stärker wurde der Ruf: Los von der Inspiration! So hören wir den deutschen Gelehrten Hans Vollmer ausrufen: „Die Grundvoraussetzung für unser heutiges Schriftverständnis ist die Befreiung von dem Inspirationsdogma!"**) — So konnte zuerst die literarkritische Forschung entstehen, auf dieser Grundlage die neuen Wege der modernen Bibelexegese ausgebaut werden, auf denen ein wildes Wettrennen der kühnsten Hypothesensportler der Gelehrtenwelt einsetzte, wie es die Wissenschaft bei anderen Disziplinen kaum je gesehen hat. Sehen wir ab von der allzubekannten Methode der Textkritik, deren Vertreter kein Maß und keine Grenzen kennen, jener Methode, die zum Tummelplatz aller Dilettanten und Ame-Haarez geworden ist, und die uns auch mit den lächerlichsten und unsinnigsten Korrekturen und Emendationen beglückt; wenden wir uns vielmehr zuerst der Literark r i t i k zu, deren Wortführer hauptsächlich protestantische Gelehrte sind (die ihnen nacheifernden Juden sind erst in den letzten 5 Dezenien auf der Bildfläche erschienen), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Heilige Schrift, wie auoh andere uralte oder auch moderne literarische Erzeugnisse von ihrer Zeit aus, d. h. geschichtlich zu erklären und zu verstehen. Zuerst wurde die Frage aufgeworfen, ob die in den Überschriften der biblischen Bücher niedergelegte Uberlieferung über die Zeit ihrer Entstehung und über ihre Verfasser durchaus zuverlässig seien. Die Antwort ist negativ ausgefallen. Der Pentateuch sei nicht von Moses ganz niedergeschrieben, das Jesajabuch gehöre verschiedenen Autoren, große Teile der historischen Bücher seien nichts als Erdichtung, Gesetzbücher und selbst poetische Partien stammten von verschiedenen Quellen, seien Kompilationen und Entlehnungen. So entstand zuerst die von A s t r u c aufgestellte Hypothese von der Quellenscheidung, die später von der Wellhausen sehen Urkundenhypothese ergänzt und zum Teil wieder verdrängt wurde. Man bemühte sich zu beweisen, daß vieles unecht, vieles glossiert, vieles umgearbeitet und vieles verschiedenen fremden Literaturen entlehnt sei. Man behauptete: „Eine Eigentümlichkeit in der künstlerischen Veranlagung des alten israelitischen Volkes, die Vorliebe für kleine und kleinste Einzelheiten und die Unifähigkeit zu großen literarischen Entwürfen hat in Zeiten, die Literatur von Umfang beanspruchten, dazu geführt, daß Sammlungen von Liedern, Weisheitssprüchen, Prophetenworten, kurzen Erzählungen verschiedenster Art entstanden, daß knapp und wortkarg redende Werke Erweiterungen erfuhren, vor allem aber, daß Stoffe gleicher Art nebeneinandergestellt, hie und da auch kunstvoll ineinandergeschoben und miteinander verflochten und so zu größeren Einheiten ver- *) A. a. O. •*) A. a. o. S. 51. 11

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