Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 2 (5.1937)
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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bereichert hat. Erst die neue und neueste Zeit beschenkte uns mit einer ganzen Reih« von wertvollen Hilfswissenschaften, die einer positiven Bibelexegese glänzende Dienste zu leisten vermögen. Eine Fülle archäologischen, philologischen, historischen Materials, das für das Verständnis der Bibel von /ungemein großer Bedeutung ist, wurde entdeckt. Der Blick wurde geweitet und neue wissenschaftliche Darstellungsmethoden sind dadurch in deT Bibelexegese entstanden. Dieser neuen Zeit war es somit besohieden, die Bibelwissensc'haft zu einer ungeahnten Blüte zu bringen. Immer umfangreicher, immer zahlloser wurden die Arbeiten auf dem Gebiete der Bibelerklärung, aber leider hauptsächlich von nichtjüdischer Seite. Von welchem Geiste diese Arbeiten meistens beseelt waren, soll später gezeigt werden. Wir wollen nunmehr die Entwicklung der Dinge in der neuen Epoche verfolgen und hierbei einige der neuen Wege der modernen Bibelexegese aufweisen. Wir werden sehen, daß die neuen Mittel Verwendung fanden und inwieweit die neuen Wege geeignet sind, uns zu lichten Höhen zu führen, bezw. ob sie nicht ganz oder teilweise sich als Irrwege erweisen, werden prüfen, ob ihre kunstvoll konstruierten und laut gepriesenen Brücken auch wirklich tragfähig sind, d. h. ob sie bei einer Probebelastung zusammenzubrechen drohen und für unvorsichtige Befahrer die größte Gefahr bedeuten. Im jüdischen Lager waren es Moses Mendelsohn und seine Freunde bezw. seine Epigonen, die sogenannten Biuristen, die — wie im Literaturblatt des Orients von 1848 (Seite 323) gesagt wird — „eine neue Epoche der jüdischen Bibelexegese begründeten". Zweck der neuen Schrifterklärung wurde die Erforschung des grammatisch - historischen Sinnes. Jedes der 24 Bücher erhielt eine wissenschaftliche Einleitung, und man verwendete das meiste der alten Kommentare. Man war dabei bestrebt, die Einseitigkeit der alten Methoden zu überwinden. In Wirklichkeit waren sie jedoch „angeweht von dem Hauche eines vorurteilenden Rationalismus und trugen oft Begriffe der Philosophie, welche derzeit herrschte, in die Schrift . . ."*) Der „Biur", wie dieser neue, epochemachende Kommentar genannt wurde, wurde stark überschätzt. Das wenig Neue, das er bot, war mehr eine Entlehnung aus der nichtjüdischen Exegeseschule, die um die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts in protestantischen Kreisen aufkam. Sogenannte Einleitungswissenschaften zum besseren Verständnis der Bibel und ihrer Auslegung erstrebten die christlich-theologischen Kreise schon seit früher Zeit, Textuntersuchungen bezw. Textkritik machte sich zu verschiedenen Zeiten bemerkbar. Zu systematischen, neuen Methoden kam man erst in der genannten Zeit, einerseits durch die Arbeit des Vaters der modernen Bibelwissenschaft Jean Astruc, dessen Schrift: „Conjectures sur les memoires originaux, dont il paroit que Mojse s'est servi pour composer le livre de la Genese" im Jahre 1753 in Brüssel anonym erschienen ist; es war die epochemachende Theorie von der Quellenscheidung, die zur Begründung der historisch-literarkritiischen Methode der Bibelexegese führte, andererseits durch die vom Vater der neueren Theologie*) J. S. S e m m - ler (1771—74) in Halle, wo er Professor war, erschienenen „Abhandlungen von freier Untersuchung des Kanons", denen die späteren Arbeiten der Bibelwissenschaftler folgten. *) A. a. O. *) Vgl. Die Religion in Geschichte und Gegenwart, herausgegeben von H. Gunkel und L. Zschamack, Bd. I Col. 445/46. 10