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Zion · 1937-05-01 · 2 (5.1937) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
9 (1937)
Issue
2 (5.1937)
Date
1937-05-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Die Thora hat ein siebzigfaches Gesicht und niemand vermag ihre Gebote in vollem Umfang zu erfüllen. Jedes Geschlecht geht einen besonderen Weg zur Erfüllung der Thoravorschriften, jede Generation erfaßt eine bestimmte Komponente. Vielleicht -dürfen wir sagen, daß nur die Generationen in ihrer Gesamtheit die Fülle der Thora erschöpfen können. Diese Erkenntnis verpflichtet uns, etwas wesentlich Neues in der Welt der Thora zu finden. Wenn der M i s r a c h i in der vorigen Generation die Bedeutung des nationalen Gedankens und die Notwendigkeit der Rückkehr in unsere Heimat aufzeigen konnte, so hat der Hapoel Hamisrachi die Idee der Arbeit in unsere Lebenssphäre eingeführt. Ich habe gesagt, der Hapoel Hamisrachi ist der jüngste Sproß im überlieferten Judenrum. Er ist noch mehr, er ist der einzige Sproß in diesem Kreise. Diese Bezeichnung kommt ihm zu, weil er seine schöpferische Kraft bewährt hat . Das Wesentliche ist, daß er die Ursache wurde, daß das produktive Leiben, der Segen der Arbeit bei uns Wurzel geschlagen hat, oder besser, noch weiter Wurzel schlägt. Alte Ideale wurden hierdurch entthront. Der Reiche ist nicht der Grundpfeiler unserer Welt, der Reichtum ist kein wichtiges Gut; nicht der Vielverdiener ist klug, er ist nicht die Gestalt, zu der alle ehrfurchtsvoll die Augen erheben. Alles richtet sich nach der Größe der Mühe, der Arbeit und der Energie. Hierin liegt aber keine Mechanisierung unseres Lebens und. keine Nivellierung unserer Menschen. Im Rahmen der Arbeit und des Lohnes gibt es gewaltige Unterschiede, aber wir machen ein Ende mit der äußeren Gleichmacherei und der oberflächlichen Wertung, die bis jetzt geherrscht hat. Das religiöse Judentum hat den göttlichen Namen während der Dauer seines Bestehens in der Welt geheiligt, im wesentlichen vor der nichtjüdischen Welt. Die neue Wendung, die durch das Ideal von Lehre und Arbeit hervorgerufen wird, öffnet das Tor zu einem neuen Gebiet, zur Heiligung des göttlichen Namens vor den Söhnen unseres Volkes, die nicht auf dem Boden der Tradition stehen. Der Aufstieg des Hapoel Hamisrachi wird in vielen Augen als Beweis dienen, daß der Weg des religiösen Arbeiters im Lande fest gegründet ist. Die Lage unseres Volkes bringt es mit sich, — vielleicht gibt es keine andere Möglichkeit, wenn das Geschick der Menge zur Entscheidung steht — daß wir nicht auf materielle Ziele verzichten können. Diejenigen, die im vorigen Jahrhundert erhabene Worte für die Aufgabe und die Bestimmung des Judentums gefunden haben und die Augen vor den Notwendigkeiten der Stunde, vor den Nöten des Lebens und den materiellen Sorgen verschlossen (nicht als einzelne, sondern als Sprecher der Mehrheit des Volkes), haben die nächstliegenden Forderungen außer Acht gelassen. Heute genügt es nicht, eine schöne Ideologie zu predigen; nur wenn ihr eine wertvolle Praxis zur Seite steht, wird diese Ideologie die Herzen erobern. Die Thora Israels wird wieder zur Herrschaft kommen, wenn ihre Träger beweisen, daß sie auch in dieser Zeit wertvoll ist. Die Tätigkeit des Hapoel Hamisrachi hat ein Hindernis aus dem Wege unseres Volkes geräumt. Die Erscheinung des religiösen Arbeiters, besonders des religiösen Landarbeiters, hat viele überrascht. Noch aber stehen wir an der Schwelle. Die Qualität ist gewiß ein entscheidender Faktor, aber auch die Quantität ist wichtig. Solange die Zahl nur; begrenzt ist, werden viele an der Wirklichkeit dieser Überraschung zweifeln und sie für eine Ausnahme halten. Erst wenn wir einen großen Kreis von Arbeitern in allen Bezirken des Lebens umfassen, der einen beachtlichen Bruchteil im religiösen Lager bildet, wird es klar sein, daß eine wahre Entwicklung vor sich geht. Dann erst wird man den Wert des religiösen Arbeiters erkennen 8

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