Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 1 (4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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diktion und verteilte den Rest unter die übrigen Tischgenossen. Hierauf wurde das Tischchen aus dem Zimmer getragen. Nach dem Talmud geschah dies, um die Kinder zu veranlassen, nach der Ursache dieses Tuns zu fragen, damit die Erwachsenen ihnen hierauf antworten köonnten: „Heute ist Pessach, da uns Gott aus Aegypten erlöst hat usw.". Damals bedeutete nämlich der Genuß des in Essigwasser getauchten Lattichs keine Abweichung von der gewohnten Speisesitte und wäre deshalb dem jungen Volke nicht weiter aufgefallen. Rohes Gemüse war auch sonst der erste Gang bei dem Mahl der Juden. Die entsprechende Frage in der von Mischnah und Mechilta bewahrten Sederliturgie unserer Väter lautete daher auch nicht wie in unserer Haggada: „In anderen Nächten tauchen wir nicht ein einzige 1 Mal ein", sondern: „In anderen Nächten tauchen wir bloß e i n m a 1 e i n usw.". Um die Kinder zum Fragen zu veranlassen, verteilte man am Rüsttag des Pessach Nüsse und gerösteten Weizen unter sie. Wenn trotzdem die Neugier der Kinder nicht geweckt werden konnte, wartete man nicht, sondern stellte das Tischchen, diesmal mit dem Pessachopfer, den Mazzoth, einem Bitterkraut und dem Charoseth darauf, wieder vor dem Festordner hin, schenkte den zweiten Becher ein, und der jüngste Tischgenosse sprach die Mah-nischtano, deren Text im Wandel der Zeiten manche Änderung erfahren hat. Die Frage, welche sich auf das Pessachopfer bezog und nach Einäscherung des Tempels gegenstandslos wurde, lautete: „In allen anderen Nächten essen wir gebratenes, gesottenes und gekochtes Fleisch, in dieser Nacht nur gebratenes. Die Antwort (wie überhaupt die Sederliturgie unserer Alten) zeigt, gegenüber dem vor dem Mahl gesprochenen Teil unserer heutigen Haggada — die erst in nachtalmudischer Zeit redigiert wurde — keine wesentlichen Abweichungen. Mit dem in einem Segen auslautenden Dank an den Erlöser aus Not und Bedrängnis, hatte auch der antike Seder seinen Höhepunkt erreicht. Nachdem sich alle Festteilnehmer die Hände gewaschen hatten, wurden ihnen die drei Hauptsymbole des Festes: das Fleisch des Pessachopfers, Mazzoth und Moraur gereicht. Diese drei bildeten das Mahl des Sederabends, zu dem noch das Festopfer kam, wenn das Lamm des Pessachopfers nicht reichte. Ob das Fleisch des Festopfers vor dem Pessachlamm gegessen wurde, oder ob man zuerst ein Stück vom Pessachopfer verzehrte, dann das Festopfer, und sshließlich als Afikomon wieder ein Stück vom Pessachopfer, ist ebenso strittig wie die Frage, ob das Mahl erst stattfand, nachdem die Sederliturgie absolviert war, oder, wie Mordechai gegenüber Maimuni behauptet, erst gegessen wurde und dann vom Auszug aus Aegypten gesprochen. Die Sederfeier unserer Alten begann in den späten Nachmittagsstunden und war mit einem hymnischen Ausklang eher vor als nach Mitternacht beendet (Ps'achim 118 a). Die Haggada berichtet allerdings von einem Seder, dessen Teilnehmer noch am sonnenhellen 18