Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 1 (4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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des Tempels betreten. Die Tore werden wieder geschlossen, und ein Schofarton verkündet, daß mit dem Schlachten der Tiere begonnen werden könne. Von der Schlachtstätte bis zum Altar stehen Priester in langen Reihen und reichen das in goldenen und silbernen Gefäßen aufgefangene Blut der Opfertiere einander zu, das am Altar ausgeschüttet wird, und während dieser Opferhandlungen singen die Leviten das Hallel. Dann kommt die zweite, zuletzt die dritte Gruppe an die Reihe. Die Tatsache, daß, trotz der hohen Zahl, die Festteilnehmer nicht mehr als in drei Gruppen geteilt wurden, findet zwar im Talmud durch einen Bibelvers ihre Begründung, sie gestattet aber auch den anderweitig belegten Schluß, daß eine große Anzahl jüdischer Männer dem Gebot, am Pessach, Schewuoth und Sukkoth im Heiligtum Gottes zu erscheinen, nicht nachgekommen ist. Die Gründe, durch die der eine oder andere sich veranlaßt sah, die Wallfahrt zu unterlassen, waren mannigfacher Art. Hierbei spielen die Kosten, die eine solche Reise verursachten, eine nicht geringe Rolle, obwohl die Beherbergung in Jerusalem nicht berechnet wurde, weil den Hauseigentümern verboten war, von ihren Gästen ein Entgelt entgegenzunehmen. Das Pessachlamm wurde auf beweglichen Öfen, die die Tempelverwaltung zur Verfügung stellte, ganz und ungeteilt gebraten, und zwar, um das Wunder der Erlösung allen Vorüberziehenden zu künden, auf der Straße vor den Häusern. Falls die Öfen nicht ausreichten, wurde der Widder auf dem Ast eines Granatapfelbaumes überm Feuer geröstet. Während des Bratens wurde das Fleisch mehrmals mit Fruchtsaft beträufelt, d. h. „gesalbt". War so das Lamm bereitet, konnte mit dem Seder begonnen werden. Was unter dem Namen „Charoseth" sonst auf den Tisch kam, war am Pessach verboten, weil es neben geschabtem Obst auch Essig und Mehl enthielt. Der Obstmus, den wir heute „Charoseth" nennen, ist also mehr oder weniger bloßer Ersatz (Ps'achim 86 a). Der Knochen, das heutige Sinnbild des Pessachopfers, und das Ei als Erinnerungszeichen an das Festopfer, fehlten logischerweise auf dem Sedertische unserer Väter, solange der Opferdienst bestand. Dieser Tisch war eigentlich nur ein Tischchen zu nennen. In der Zeit nämlich, die den zweiten Tempel mit seinem Opferdienst sah, und die wir bei Schilderung der Sederbräuche hauptsächlich berücksichtigen, kamen unsere Väter mit Griechen und Römern in nähere Berührung und übernahmen gern, zumindest für den Seder, griechischrömische Tafelsitten. Sie speisten, auf Polstern hingelagert, von kleinen Tischen und in der Mitte des Zimmers stand der des „Haggadasager", wie der Talmud den Festordner nennt, und dieser war der eigentliche Sedertisch. Er wurde erst nach dem Kiddusch ins Zimmer gebracht, und man stellte Lattich oder ein anderes rohes Gemüse nebst Salz- oder Essigwasser darauf. Der Festordner wusch sich die Hände, tauchte das Kraut in das Wasser, aß davon nach einer Bene- 17