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Zion · 1937-04-01 · 1 (4.1937) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
9 (1937)
Issue
1 (4.1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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nicht, unser Gepäck genau zu durchsuchen. Er findet weder Verzollbares noch Schießgewehr. Was also gibts, daß er jetzt erschreckt in den ihm von meiner liebenswürdigen Nachbarin dargereichten Handkoffer starrt? Eine angeknabberte Semmel! „Pessach — und Chomez?!" Und der Schoter sagt der Sünderin, ihres Zeichens Dozentin an der Universität Jeruschalajim, bei aller Höflichkeit, in Iwrith natürlich, tüchtig Mussar. Sie ist beschämt — vernichtet. Mit bebenden Fingern greift sie den schnöden Semmelrest, kehrt die zehn Schritte zur Grenze zurück und legt den Chomez „chuz laarez" auf den Brückenrand, d€n Vögeln zum Fräße. Der Schoter ist zufrieden: „Frei passiert!" Und hinterher schallt sein fröhliches „Schalom alejchem!" Das jüdische Jeruschulajim wächst. Und wenn die gepfefferten Bodenpreise das Wachsen in die Breite hemmen, dann wächst es halt 5, 6 und 7 Stockwerke — in die H ö h e. Freilich, die Ästhetik kommt dabei zu Schaden, vielleicht auch die Gesundheit der Bewohner, nur die Satzungen unseres Glaubens finden unverändert Berücksichtigung. Wie das? Da stehe ich in der King Georgstreet vor einem funkelnagelneuen Riesenkasten, an dessen Toren große Plakate: „M'chirath Diroth" Mieter locken. Ich weiß Einiges von den Architekturstilen der Völker und Zeiten, weiß, daß man stets die Balkone mehr oder minder symetrisch untereinander anordnet, und hierzulande wäre die Erhaltung dieser uralten Tradition zum Schutz gegen Sonnenpein und Regenschauer besonders angebracht. Warum aber sind die Balkone dieses Neubaus über alle Stockwerke hin, ein jeder freistehend, angeordnet? Der Kablan, d. h. Bauunternehmer, scheint mein Erstaunen bemerkt zu haben, er tritt auf mich zu und fragt nach der Ursache meiner Verwunderung. Ich sage es ihm. Da lacht er verschmitzt: „Tja, auf jeden Balkon sieht der Gottoberste herab. Der Architekt ist ein gar frommer Mann. Kennt Ihr nicht den Talmudtraktat „Sukkah" und was der „Schulchan Aruch" dazu lehrt? Die Sterne des Himmels sollen durch das Dachreisig Deiner Denkhütte leuchten ..." Da hätten wir nun die erste Keimzelle zu einem eigenen jüdischpalästinensischen Baustil. Mitgeteilt von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem. 15

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