Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 1 (4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Alte und neue Wege der Bibelexegese. Von Doz. Rabb. Dr. Samuel Grünberg. Wer von der hohen Warte der Wissenschaft aus einen ernsten Forscherblick auf die Wege der Bibelexegese und ihre Beschaffenheit wirft, v/ird oft von einem Gefühl der Unsicherheit und der Bangigkeit ergriffen; denn kaum ist zu erkennen, wo da ein Anfang ist und wo eine Abgrenzung möglich, oder wohin der eine und andere Weg führt. Zahllos und kompliziert, schlängelnd und sich kreuzend, parallel verlaufend und oft sich ineinander verlierend, erscheinen die Wege der Bibelerklärung von Anbeginn an. Es erfordert eine besondere Blickschärfe und äußerste Bedachtsamkeit, um gewisse Hauptlinien markieren und einzelne Wege in ihrem Laufe verfolgen zu können. Vor allem müssen wir, wenn wir von Bibelexegese sprechen, zwischen Regeln und Methoden derselben unterscheiden. Die ersten stellen die Mittel, die anderen die Wege der Exegese dar. Bei der unermeßlichen Fülle des Materials werden wir uns damit begnügen müssen, nur einige der wichtigsten Bühnen, welche die verschiedenen Ausleger der Heiligen Schrift in alter und neuester Zeit eingeschlagen haben, in Augenschein zu nehmen, um ihre Beschaffenheit und ihre Richtung, ihre Vorzüge und ihre Fehler näheren darzulegen; wenn dies auch nur skizzenhaft geschehen kann, so soll es dennoch so erschöpfend sein, daß wir uns ein Urteil über ihre Brauchbarkeit bzw. ganze oder teilweise Unbrauchbarkeit bilden können. Ist es notwendig, daß ich erst auf die Bedeutung der Bibelexegese hinweisen, sie hervorheben oder bezeugen muß? Ich glaube nicht; denn auch heute noch, nach Tausenden von Jahren, ist und bleibt die Bibel die Lebensquelle des Judentums und des jüdischen Menschen. Alle literarischen Erzeugnisse des jüdischen Volkes sind nichts anderes als Ausfluß der Bibel und ihrer Exegese. Aber auch die gesamte übrige Kulturwelt hat sich unsere Bibel zu eigen gemacht, und so ist es erklärlich, daß sich die besten Köpfe der nicht jüdischen Völker ebenfalls um die Deutung, um die Interpretation dieses einzigartigen göttlichen Werkes bemühen. Denn die Heilige Schrift, einzigartig in ihrer Sprache, einzigartig in ihrer Komposition und einzigartig in ihrer Mannigfaltigkeit nach Form und Inhalt, kann nicht wie jedes andere Geschichtswerk, jede andere Gedichtsammlung oder wie jeder Gesetzeskodex ohne Kommentar gelesen bzw. richtig verstanden werden. Die Bibel in ihrer religiös-kulturellen Auswirkung ist ohne Exegese einfach undenkbar. Aber mit dem Geist der Exegese steht und fällt die Herrlichkeit und der Einfluß der Bibel, befestigt sich 9