Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 4-5 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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er, wieder Streit, Isaac nennt den Ort Haß nr-tr.Weiter zieht Isaac — er gräbt immer von neuem und — der Streit hat ein Ende, er ist nach Rechoboth gekommen. Der Sinn dieser Zeilen? Neid und Mißgunst hat Isaac genug zu fühlen bekommen. Aber hier ist ein anderes. Brunnen verstopfen in einem Land, dem Wasser mehr bedeutet als Gold, für das ein Brunnen Lebensspender ist, nicht nur wertvoll für seinen Besitzer — Lebensrettung vielleicht für Mensch und Tier, das ist kein Akt des Konkurrenzneides, kein Kampf um wirtschaftliche Vormachtstellung, das ist sinnlos wütender Urhaß. Noch will Isaac es nicht glauben. Vielleicht sind es nur Händel PW .Nicht mehr stützt er sich auf das Erbteil Abrahams. Neue Brunnen erschließen sich der zähen, mühseligen Arbeit. Aber wieder dasselbe Bild. Jetzt muß er seinem Schicksal ins Auge sehen, dem jüdischen Schicksal, dem sinnlosen Haß O"»-3^); und was tut er? Er bewahrt seine Haltung. Von neuem greift er zum Spaten, noch einmal kämpft er mit dem dürren Boden, bis der Ausdauer doch der Sieg zuteil wird, bis vor dem starken, stetigen Willen, dem Pathos der Arbeit die brodelnden Kräfte des Chaos erstarren. Es ist unsere Situation, unser Schicksal. Ein 16-Millionenvolk, hochbegabt, kulturerschlossen und kulturschaffend wie nur eins im Kreise der Menschheit, irrt heimatlos von Land zu Land. Ein kleines Eckchen Erde ist sein historisch unbestreitbares Eigentum, so unscheinbar, daß keiner daran denkt, es aus seinem tausendjährigen Todesschlaf zu wecken; und nun kommt ein kleiner Rest dieses Volkes, verläßt Europas Zivilisation, um mit Einsatz letzter Kraft im bittersten Kampf mit Sonnenbrand und Sumpf das wüste Land, das Erbteil der Väter zu besiedeln, und ihnen erschließt sich das Zauberland, sie haben die Wünschelrute der Hingabe, die die verschütteten Säfte des Landes finden, wecken, ans Licht heben kann. Da ruft man plötzlich: „Unser ist das Land!" „Lanuhaarez!" Ist es Wirtschaftsneid, sind es politische Händel? Darüber ließe sich diskutieren. Hat nicht der ungeahnte Aufschwung des Landes den einwohnenden Arabern mehr gebracht, als sie je erträumten, Aber man zündet Pflanzungen an, rodet Wälder aus in einem Land, dem Aufforstung nicht weniger bedeutet als Rettung vor dem tötlichen Hauch der Wüste. Das ist sinnlos, Selbstvernichtung, Urhaß, der uns entgegenspringt, es ist unser jüdisches Schicksal, dem wir ins Auge sehen müssen, fest und mit Haltung. Den Gräbern unserer Opfer, den Opfern des Terrors geloben wir: Keine Rache, keine Vergeltung, aber für jedegeschädigtePflanzungzehnneue Siedlungen, für jeden entrodeten Baum hundert neue Bäume, für jeden getöteten Juden hundert neue Chaluzim ins Land: — Das ist unsere Antwort, unsere Haltung. 10