Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 4-5 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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steten Aufsicht des Maschgiach zu bewältigen hat. Und unsere Chaweroth? Konnten sie wissen, wie schwer es ist, den Haushalt eines Kibbuz zu führen mit den beschränkten Mitteln, die die Chawerim trotz ihrer schweren Arbeit herbeischaffen, und wie es manches Mal vorkommt, daß nicht alle Chawerim Arbeit haben, wie manches Mal Chawerim erkranken und besonders gepflegt werden müssen, und wie man, auf sich allein gestellt, in allen Zweigen hauswirtschaftlicher Arbeit Erfahrung benötigt, die man sich im Lande nur unter Opfern erwirbt? Und trotz all dieser Schwierigkeiten, vielleicht gerade durch all' das Schwere, hat sich die Chewra gebildet, die Familie der Chawerim und Chaweroth, in der jeder sich verantwortlich fühlt für das Gedeihen der Gemeinschaft. Und jetzt während der Zeit der Unruhen! Vier Monate, in denen die Chawerim allnächtlich Wache halten vom Sonnenuntergang bis morgens, wo in jeder Nacht Schüsse auf unsere kleine Siedlung abgegeben werden, wo man von keinem der Chawerim, der zur Schmira hinausgeht, weiß, ob er nach Stunden wieder gesund und wohlbehalten zurückkehren wird, wo nur für die Hälfte der Chawerim Arbeitsmöglichkeit ist, weil die Pardessim der Umgegend so eingekreist sind von arabischen Pardessim und Kramim, daß man in ihnen auch am Tage nicht arbeiten kann, wo die Chaweroth schon seit Monaten nicht mehr das Machane verlassen dürfen, weil die ganze Gegend zu unsicher ist, wo häufig Lebensmittelknappheit besteht, weil die nächste jüdische Ortschaft 3/4 Stunden entfernt liegt, und der eigene Gemüsegarten noch nicht genug Ertrag gibt, um von ihm zu leben! Lösen sich in solcher Zeit die Bande der Chewra? Nein, gerade jetzt sind wir verschmolzen zu einer Gemeinschaft, in der Alle für Einen und Einer für Alle stehen, jeder versucht, den anderen aufzuheitern und anzuspornen, die Größe und die Schönheit unserer Aufgabe zu erkennen. Auch der letzte Funke Energie wird gesammelt und gespeichert, um Stand zu halten, um unsere kleine Festung zu verteidigen und innerlich stark zu sein. Die Stimmung ist ernst, aber nicht trübselig, jede Gelegenheit zu scherzen und fröhlich zu sein wird mit beiden Händen ergriffen. Da ist ein fremder Esel zugelaufen, mit Jubel wird der Gast empfangen, man reitet auf ihm unter Begleitung der ganzen Chewra durch das Lager, und nicht enden will der Jubel, weil Riwka von ihm abgeworfen und gerade nicht auf dem saubersten Platz unserer kleinen Siedlung zur unfreiwilligen Landung gezwungen wurde- Und wenn man auch dem Ernst der Situation dadurch Rechnung trägt, daß man die Freitagabend-Horra ausfallen läßt (man ist ja auch viel zu müde durch Wachen in der Nacht nach der Arbeit am Tage), so hat man doch nicht verzichtet auf das Singen der Semiroth und der Nigunim nach dem Essen am Freitag abend, und stolz und frei klingen unsere Lieder in die wunderhelle, klare Erez Israel Nacht hinaus und sagen unseren draußen lauernden Feinden, daß unser Mut nicht gebrochen ist, unsere Freude an unserem Land nicht erlischt, 8