Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 4-5 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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der wiederholt werden. Die Bemühungen um diese ewige Wahrheit dürfen nicht aufhören, bis sie fest begründet steht, bis alle sie erkennen, bis sie zum Erbbesitz für das jüdische Volk geworden ist. Dann werden wir sicher unseren Weg der Mitarbeit an allen Zweigen der gesamtzionistischen Tätigkeit gehen können. Die Seele unseres Volkes ist mit der ganzen Thora verknüpft in besonderem Maße mit ihren GrundforderungenErziehung der Jugend im 'Geiste der jüdischen Religion, Wahrung des Schabbat und seiner Heiligkeit, die Speisegesetze, die die Natur des Juden in ihrer Eigenart erhalten, und die Reinheit der Familie, die ihre Glieder hineinstellt in einen jüdischen Kreis, der erfüllt ist von dem iGrundsatz: „Israel ist heilig dem Ewigen." Diese Grundforderungen müssen zu dem Programm gehören, das der Zionismus mit Nachdruck vertritt, dann wird er ein wahrer Zionismus sein, ein misrachistischer Zionismus. Kultur und Kulturbund. Von Emil Bernhard Cohn. Die Kulturbünde haben getagt und haben sich ausgiebig über Kultur unterhalten, und daß wir noch keine hätten und warum wir noch keine haben. Es ist richtig, daß aus Nation, Land und Sprache allein Kultur erwachsen kann, und daß der jüdische Stoff noch nicht das jüdische Stück macht, und daß das jüdische Theater zur Zeit nur eine nationalpädagogische Aufgabe hat. Ich unterschreibe das alles, glaube aber doch, daß damit am Entscheidenden vorbeigegriffen ist, und will hier zu erklären versuchen, warum ich das glaube. Es wäre doch ein falscher Standpunkt, vom Kulturbund jüdische Kultur zu erwarten, oder gar zu verlangen. Er heißt Kulturbund, weil einmal Theater und Musik zu den kulturellen d. h. geistigen Dingen gehören und man eben für Theater, Konzerte, Vorträge, Rezitationen nur diesen Sprachbegriff hat. Man schuf den Kulturbund, um diese Bedürfnisse der in die Isolierung geratenen Juden zu befriedigen. Fertig! Man soll also daher den Kulturbund nicht größenwahnsinnig machen: Er wird und kann niemals jüdischer Kulturträger werden. Er kann uns Juden in eben dieser unserer Isolierung schöne, belehrende, unter Umständen und bei ernstem, kräftigen Willen sogar erhebende Stunden bereiten, die uns das schwere Leben erträglicher machen, er soll auch in schwerer Zeit durch Inhalt und Form seiner Darbietungen und durch die jüdische Haltung seiner Stoffe den leicht an sich selber Irrewerdenden moralischen Rückhalt geben, — Kulturschöpfung ist weder seine Aufgabe noch seine Möglichkeit. Auf positive Weise kann man die Kulturfrage nur auf zweierlieji Art betrachten: Religiös oder national, wobei das eine das andere nicht auszuschließen braucht. Der verweltlichte Zionist der flachen Mitte meint, in Erez Israel eine neue jüdische Kultur schaffen zu können. Er kehrt dem Alten den Rücken und will das Neue. Er kämpfte und kämpft für Hebräisierung des Landes und womöglich der ganzen jüdischen Weilt, weil er ganz richtig erkannt hat, daß die Sprache einer der stärksten Kulturträger ist. Der Religiöse, und das ist der mehr oder weniger Traditionelle — auch der liberale Jude ist ja nichts als ein zehn-, oder zwanzig- oder dreißig-prozentiger Traditioneller — der Religiöse anerkennt das Gesicht des Volkes, wie es gewachsen und geworden ist. Wofern er wahrhaft religiös ist, will er nichts Neues, sondern Erneuerung. Und da steckt das Geheimnis: Kultur läßt sich nicht machen, selbst in Palästina nicht. 6