Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 4-5 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3133276-3139378-3139381--1122-3140643- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ausbau des jüdischen Schulwerks zur Erziehung religiös-gefestigter aufrechter Juden, die mit der jüdischen Gemeinschaft eng verbunden sind, sie hält eine Umgestaltung aller Vertretungskörperschaften der Juden in Deutschland für erforderlich, um den Zionisten ein gleiches Maß an Einfluß und Verantwortung zu geben. Schwerfällig genug war allerdings die Durchführung dieses Programms und manchmal wollten wir auch hier schon an den Unstern des Jahres 5696 glauben. Aber wenigstens der Schluß des Jahres führte uns einige Schritte weiter. In diesen letzten Wochen wurde endlich die Erweiterung des Präsidialausschusses durch 4 Zionisten und einen Vertreter der Konservativen sowie die Beteiligung der Zionisten an der Geschäftsführung bekanntgegeben. Hoffen wir, daß in den Gemeinden, in denen die Verhandlungen noch immer in der Schwebe sind, das Vorbild der Reichsvertretung zur Beschleunigung der Neubildung beiträgt. In Berlin kam der Anstoß von außen her. Die Aufsichtsbehörde forderte eine Verminderung des Vorstandes, und man kam zu einer provisorischen Einigung, die den Zionisten zwar noch nicht völlige zahlenmäßige Parität, aber doch eine wesentliche Verbesserung ihrer Stellung im Gemeindevorstand brachte. Wir erwarten, daß die Neubildung der Repräsentantenversammlung und des Vorstandes den berechtigten Forderungen der Zionisten endlich voll Rechnung tragen wird. Es wird umso leichter sein, den zionistischen Anspruch durchzusetzen, wenn wir durch die Auswahl unserer Vertreter zum Ausdruck bringen, daß nationale Gemeindearbeit den religiösen Kräften der Renaissance und den Werten der Tradition eng verbunden ist. Auch die Sammlungen der Fonds machten in Deutschland, trotz der Ungunst der Zeit, trotz der absteigenden wirtschaftlichen Entwicklung der Juden in Deutschland, anerkennenswerte Fortschritte, und wenn auch der Rückblick Keren Hajessod anläßlich seines fünfzehnjährigen Bestehens erkennen ließ, wie wenig die ersten Jahre die hochgespannten Erwartungen erfüllten, die letzte Zeit zeigt einen beachtlichen Aufstieg der Leistungen, dem wir unsere Anerkennung nicht versagen wollen. Auch hierin erblicken wir ein Symptom für die 'Gesundung des jüdischen Gemeinschaftswillens. Dieser Gemeinschaftswille fand seinen Ausdruck auch in dem jüdischen Weltkongreß, der im August d. J. in der Schweiz zusammentrat, ein an sich gesunder Gedanke, für dessen Verwirklichung u. E. aber die Zeit noch nicht gekommen ist. In vielen Ländern konnten wir eine Intensivierung des hebräischen Schulwerks, eine Bereicherung des jüdischen Lebens feststellen. Besonders erfreulich scheint die Entwicklung jetzt in einigen Ländern von Übersee sich anzubahnen. Auch in Deutschland bemüht man sich um eine Intensivierung der jüdischen Disziplinen im Schulwerk, und die jüdischen Kulturbünde haben endlich verstanden, daß sie nicht nur zur Beschäftigung stellungsloser Künstler ihre Tätigkeit ausüben, sondern eine jüdische Kulturarbeit zu leisten haben. 3