Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 4-5 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Antisemitismus wuchs von Woche zu Woche. Pogrome in Polen, der Radomsker Prozeß und seine krassen Fehlurteile erinnerten an die trübsten Tage des zaristischen Rußlands. Das langumkämpfte Schächtverbot in Polen wurde, wenn auch in wesentlich gemilderter Form, schließlich angenommen und bedroht vor allem den Etat und die wirtschaftliche Basis der polnischen Kehilloth. Und kaum schien Erez Israel nach dem Sieg Italiens und der Pazifierung des Mittelmeeres sich langsam zu erholen, das Leben sich zu normalisieren, die unterbrochene Bautätigkeit wieder aufzuleben, da brachen die Unruhen aus, mit Streik und Terror, Brandstiftung und Mord, die nun schon 5 Monate währen, ohne daß die englische Regierung ihrer Herr wurde. Es erübrigt sich an dieser Stelle jedes weitere Wort zu dieser Katastrophe, aber erschütternd auf die jüdische Öffentlichkeit wirkte die Nachricht der letzten Augustwoche (deren Inhalt glücklicherweise durch englischen Kabinettsbeschluß revidiert wurde) die palästinensische Regierung wäre geneigt, dem Terror der Araber zu weichen, eine Prämie auf Aufruhr zu setzen und die Pforten Palästinas der jüdischen Einwanderung zu sperren. Unter dem Eindruck dieser niederschmetternden Nachrichten stand die letzte A. C.-Sitzung in Zürich, in der als bezeichnender Ausdruck der schweren Depression das Wort geprägt wurde: „Die Tragödie des jüdischen Volkes hat ihren Höhepunkt erreicht". Und dennnoch Optimismus! Und dennoch, Nachum S o k o 1 o w hatte Recht, wenn er jeder Situation einen Lichtblick abgewann. Es gibt chronische Leiden, die nach einer heftigen lebensbedrohenden Akutisierung zur Heilung übergehen; im Organismus sind plötzlich Abwehrkräfte entstanden, die vorher schlummerten. Es gibt Zustände schwerer psychischer Depression, an denen ein Mensch restlos zu zerbrechen scheint; da kommt eine jähe Katastrophe, die ihn zwingt, sich dem Leben und seiner rauhen Wirklichkeit zu stellen, mit ihr zu ringen und — was keiner erwartet hatte, geschieht, der Lebenswille erwacht und überwindet den toten Punkt der Depression. Die Katastrophen des vergangenen Jahres haben das jüdische Volk erneut seinem Schicksal konfrontiert. Wir dürfen fragen, hat die Offenbarung der Galuthkrise die jüdischen Abwehrkräfte aktiviert, den jüdischen Lebenswillen gestärkt und eine Heilung wenigstens vorbereitet? Wir glauben, einige hoffnungsvolle Symptome verzeichnen zu können. Die programmatische Erklärung der Reichsvertretung im vergangenen Jahr war mehr als eine Geste. In ihrer Erklärung macht sich die Reichsvertretung die zionistischen Forderungen für die Arbeit in Deutschland im wesentlichen zu eigen: sie tritt dem Keren Hajessod "bei und erwartet von den Gemeinden das gleiche, sie fordert den 2