Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 4-5 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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O N - AK Berlin, August/Sept. 1936 1.1™™ Nr. 4/5 -Tischri 5697- 8' JahrSan^ 5696. Ein Rückblick. Ein düsteres Jahr. Nachum Sokolow, der Künstler des ziselierten Wortes, der Meister perspektivischer Rückblicke, der in tragischer Stunde dem jüdischen Volke genommen wurde, pflegte bei seinen Kongreßschlußreden — seit Jahrzehnten seine Chasaka — die fast stereotypen Worte zu brauchen: „Nehmt alles nur zusammen, wägt Plus und Minus, Erfüllung und Enttäuschung und sagt schließlich doch, es war ein guter Kongreß". In solchen Stunden umgab den sonst sehr realistischen und skeptischen Politiker die Aura eines optimistischen Philosophen. . Wir möchten gerne seine Schüler sein, aber am Schluß dieses Jahres versagt unser Optimismus völlig. Wir wägen Erfüllung und Enttäuschung und es bleibt — ein düsteres Jahr. Der letzte Rosch Haschana stand unter dem Eindruck der Nürnberger Gesetze, die durch Einführung der Reichsbürgerschaft als Träger politischer Willensbildung, zu der Juden nicht gelangen können, die Emanzipation durch Gesetzesakt annullierten, ein geschichtliches Ereignis, dessen Tragweite erst Historiker späterer Zeiten werten können. Im Verfolg dieser Beschlüsse fiel das Frontkämpferprivileg der Beamten und Notare, auch andere Berufe wurden in Mitleidenschaft gezogen. Der Druck war verschärft, und zu gleicher Zeit stand Palästina — nach Jahren der Prosperity — im Zeichen einer schweren wirtschaftlichen Krise, die ausgelöst durch den abessinischen Krieg, die Unsicherheit im Mittelmeer, die Restriktion der Kredite, in ihrem Verlauf immer mehr zeigte, daß sie struktureller Natur war, ein ernstes Symptom für die unzulängliche agrarische Basis im Lande. Trübe blieben auch die folgenden Monate. Einige Länder erschwerten die Einwanderung, neue Gebiete öffneten sich nicht dem Auswanderungswillen jüdischer Massen in den Ländern gesteigerten Drucks. Denn auch außerhalb der deutschen Grenzpfähle wurde die Lage immer kritischer. Die Pauperisierung der Juden in Polen, Rumänien und den angrenzenden Gebieten schritt rapide vorwärts. 1