Mannheim
Compact Memory

Zion · 1936-07-01 · 3 (7.1936) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
8 (1936)
Issue
3 (7.1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3133276-3139378-3139380--1110-3140630
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Rabb. Dr. Max Simonsohn — ein zion. Raw. Von Rabbiner Dr. E. Urbach, Breslau. Der von uns so früh dahingegangene Rabbiner Dr. Max Simonsohn war weder Mitglied der zionistischen noch der misrachistischen Organisation und trotzdem hat er, wie nur wenige seiner Berufsgenossen, in seinem Leben und seinem Wirken das Ideal des Zionismus verwirklicht. Er war ein parteibefreiter Rabbiner in dem Sinne, daß er die zionistische Idee nicht als Sache einer Partei oder einer Gruppe im Judentum ansah, sondern sie zum Inhalte seiner Anschauung vom Judentum machte. Diese Idee vertreten und unermüdlich von der Kanzel in Predigten und Ansprachen verbreiten, hieß ihm nicht Parteipolitik treiben und setzte daher die Zugehörigkeit zu einer Partei nicht voraus. Sie bedeutete ihm heiliger Dienst an dem von ihm heißgeliebten Volk und Verwirklichung eines religiösen Gebotes, nämlich, das des Jischuw Haarez, der Besiedlung Erez Israels. Es fällt schwer, Dr. Simonsohn einen Platz in den Reihen der deutschen Zionisten zuzuweisen. Als der Schöpfer des Zionismus, Theodor Herzl, das Programm der Wiedergeburt des jüdischen Volkes unter Schaffung einer öffentlich - rechtlich ■* gesicherten Heimstätte in Palästina verkündete, schlössen sich ihm zwei Gruppen von Juden an, diejenigen intellektuellen Kreise im Westen und Osten Europas, die gleich Herzl die Judenlage untersucht haben, die Feststellung der Existenz der Judenfrage machten und die Heilung in der grundlegenden Änderung der politischen und sozialen Struktur des Volkes durch die Konzentrierung von Massen in einem Lande erblickten. Es war ein rationaler Weg von Menschen, die nur wenig mit dem überlieferten Judentum zu tun hatten oder ihm sogar ablehnend gegenüberstanden. Im gesetzestreuen Lager des Volkes im Osten gab es Kreise, die gleichfalls auf die neuen Ideen positiv reagierten, aber nicht aus logischen Erwägungen, sondern aus ganz anders gelagerten Empfindungen. Es waren Männer, die vollkommen an dem Hergebrachten und Überlieferten festhielten, die in sich den Traum und die Hoffnung einer messianischen Zeit trugen, die sich aber darin von der Mehrheit unterschieden, daß sie an die Verwirklichung dieser Hoffnung dachten und Wege zu ihrer Durchführung suchten. An Suchern und Schwärmern dieser Art fehlte es nie in der jüdischen Geschichte. Sie treten uns als Anhänger vermeintlicher messianischer Bewegungen und zum Teil als abenteuerliche Palästinareisende entgegen. Die meisten dieser Unternehmungen waren zwar fruchtlos, sie hörten aber als Ausdruck des Dranges zur Erlösung nie ganz auf. Wenn man dafür ein Schlagwort gebrauchen will, kann man dieses Streben in- Parallele zum. Begriffe der Selbstemanzipation von Pinsker als Selbstgeulla bezeichnen. Trotz aller bestehenden weltanschaulichen Unterschiede haben sich die im Osten sehnsüchtig Wartenden 12

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.