Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 1-2 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Midrasch, ja die Namenserklärungen der heiligen Schrift selbst (es sind deren mehr als hundert) als bloße homiletische Wortspielerei wertete.6) Es mußten erst die neuesten Forschungsarbeiten auf dem Gebiete der semitischen Archäologie kommen, die den realen Wert vieler etymologischer Midraschim ( mosr 'tmo ) bestätigen wollen. Selbst die von dem bekannten Historiker und Bibelforscher Ewald7) gehegte Hoffnung, daß die hebräischen Namen auch als Quelle reiner geschichtlicher Erkenntnis immer mehr und mehr Beachtung finden werden, geht in letzterer Zeit mit großen Schritten ihrer Verwirklichung entgegen. Man erkennt heute in Fachkreisen, daß bedeutende Ereignisse der jüdischen Geschichte, das Zusammentreffen Israels mit anderen Völkern und dessen Kämpfe mit fremden Kulturen in den alten biblischen Namen zu gutem Teil für das Forscherauge sichtbar werden. Verständnis für die Bedeutung und die Bildung der hebräischen Eigennamen brachten in der nichtjüdischen Welt der früheren Zeit bereits Hieronymus, Origenes und der Kirchenvater Augustinus8) auf, am Anfang des 16. Jahrhunderts der Kardinal Ximenes, der ein hebräisches Eigennamen-Lexikon verfaßte, und im 17. Jahrhundert Mathaei Hiller, der Verfasser eines sehr beachtenswerten Werkes, namens Ohomasticum sacrum. Es folgen dann verdienstvolle Arbeiten von Ewald, Gesenius, Nöldeke, Geiger, Schräder, Nestle, Hornel und in der neuesten Zeit Jeremias, Benzinger, Haupt, Early, Gray, Delitsch, M. Miller u. a. m. In der hebräischen Literatur: Z. Lauterbach. Bar Tuvja, Schulmann, Bernfeld, Jawitz, Herschberg, Reicher u. a. m. Im Rahmen unserer Betrachtung können wir unser Augenmerk nur einem relativ kleinen Teile der biblischen Eigennamen zuwenden, um an ihnen unsere in der Themastellung ausgedrückte Behauptung zu demonstrieren. Wir treten ein in die Halle eines Museums für Altertümer, in dem viele kleine, kunstvolle Bildchen und Gegenstände sich aneinander reihen, die auf den sachkundigen und interessierten Besucher den stärksten Eindruck ausüben. Längst dahingeschwundene Generationen erstehen vor unserem geistigen Auge zu neuem Leben, und wir gewahren so vieles von dem, was sie einst bewegt, erfüllt und beherrscht hat. Werfen wir einen Blick auf die ungemein große Zahl der hebräischen Personennamen (ca. 2000), so frappiert uns die 8) Vgl. E. Schräder, Die Keilinschriften und das alte Testament; Hommel, Altisraelitische Ueberlieferungen; A. Sarsowsky, Die ethischreligiöse Bedeutung der alttestamentarischen Namen nach Talmud, Targum und Midrasch. 7) Vgl. Nestle, a. a. O. S. 3; ferner, Jawitz, Toldot Israel. III. Beilage: nn»pnm mo'Bnn S. 19; A. S. Herschberg: o'nsyn coisn nsyn motf movipn nunpna Hatekufah, Bd. 22, S. 256 ff.VnT; Artikel „Ohole Schern" in der Monatsschrift m'n ruia. 8) Er meinte: Nomina hebraea est dubitandum habere non parvam vim atque adjutorium ad solvenda scripturarum, si quis ea possit interpretari: De doctr. Christ. II. 16. 19