Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 1-2 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Wirtschaftskrise und chaluzische Bewährung. Von Dipl. Agr. Rudi Herz. Es liegt im Wesen einer chaluzischen Bewegung, daß sie ständig ihre besten Kräfte nach Erez Israel abgibt und daß ständig neue Menschen aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung in ihre Reihen treten, um ihre geistige und körperliche Vorbereitung für ein Arbeiterleben im Lande durchzumachen. So ist es zu verstehen, daß das zionistische Gedächtnis der meisten in Hachscharah befindlichen Chawerim nicht sehr weit zurückreicht und daß sie die Situation des Aufbaus erst seit einigen Jahren aus eigenem Erleben mitverfolgen. Die etwas weiter zurückliegenden Zeiten gehören für sie bereits der Geschichte an. Der Aufbau des Landes, so wie er in den letzten Jahren vor sich gegangen ist, bot das Bild einer ständigen, stürmischen Vorwärtsentwicklung. Die Schiffe nach Erez Israel waren voll von Olim. Kapitalisten, Mittelständler und Arbeiter strömten zu Tausenden ins Land und konnten sich leicht einordnen. Städte wuchsen in phantastischem Tempo aus dem Boden, Industrien wurden gegründet, die alten Kolonien entwickelten sich rapide, neue wuchsen aus dem Boden, und ganze Gegenden sind neu kolonisiert worden. Der Traum der Rückkehr des jüdischen Volkes aus allen Ecken der Welt in seine Heimat begann sich vor unseren Augen zu verwirklichen, und ohne Zweifel war es diese Realität, die auf die Massen des Volkes einen stärkeren Eindruck ausübte als die zähe und planmäßige zionistische Propaganda und Erziehung in den früheren Jahren, und vielfach ist der Typ des kämpferischen Zionisten, der aus der Verneinung der Galutexistenz des Volkes die große Idee der Errichtung des jüdischen Staates trotz aller Widerstände verwirklichen wollte, einem Typ mehr und mehr gewichen, der nach Erez Israel ging aus der Bejahung der sich vor unseren Augen abspielenden Verwirklichung. Seit einigen Monaten hat sich das Bild etwas geändert. Die politischen Komplikationen im vorderen Orient waren nicht ohne Wirkung auf Erez Israel, das heute geographisch und politisch im Zentrum der großen Bewegungen dort steht. Die erste Rückwirkung auf Erez Israel war eine Bankkrise, die aber nach kurzer Zeit bereits überwunden werden konnte, deren Folge jedoch war, daß die Banken in ihrer Kreditgebarung sehr viel vorsichtiger wurden, als dies bisher üblich war. Dadurch kamen viele Bauunternehmen, die zum großen Teil durch Bankkredite finanziert wurden, in Schwierigkeiten. Hinzu kam, daß die Mandatsregierung sich veranlaßt glaubte, der immer energischer auftretenden nationalen Bewegung unter den Arabern Konzessionen machen zu müssen. Sowohl in ihrer Entschlossenheit, die Pläne zur Bildung des Legislative Council gegen den Widerstand aller jüdischen Instanzen durchzuführen, als auch die Beschränkung 14