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Zion · 1936-06-01 · 1-2 (6.1936) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
8 (1936)
Issue
1-2 (6.1936)
Date
1936-06-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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Augenblickserfolg tut uns not. Das ist doch das Betrübende an dem jüdischen Bildungswesen in Deutschland, daß es mehr vom Bildungsbetrieb als von einem wahrhaften Bildungs trieb ausgeht. Wie wird die jüdische Masse von diesen Dingen berührt, in ihren geistigen Interessen gelenkt und beeinflußt? Von diesem Blickpunkt aus beurteilt, bleiben all die Feiern und Bücher Besitztum eines kleinen Kreises und finden nicht den Weg zu einer weiteren Zahl jüdischer Menschen. Sie zeugen Papier und nicht Leben. Welche Berührungspunkte zu unserer Situation bietet allein schon der Lebensweg des Rambam, auf seinem Wege von Cordova bis Aegypten und dann, nach seinem Tode, nach Erez Israel. Welch lebendige Darstellung dessen, was wir heute erleben, wie die Wanderung zur eigentlichen Wohnung des Juden wird. Der Rambam in seiner philosophischen Problematik und gleichzeitigen Verwurzelung im jüdischen Tatleben, seine Polemik gegen die Degradierung und Schmähung des Judentums von außen wie gegen Schwäche und Verzagtheit von innen (Iggeret Teman) — wie sehr hätte dies so manche Saite unseres Inneren zum Klingen gebracht und wie sehr blieb diese lebendige Anrede — ungesagt! Maimonides, der Philosoph in seiner Verknüpfung mit der Umwelt, der Rambam, für uns der Meister der Halacha, der npmn v der „starken Hand', die uns rührt, hat nicht den Zugang zum Herzen der deutschjüdischen Menschen gefunden, und es bleibt hier eine gleicherweise interessante wie wichtige Aufgabe, die Wurzeln dieses Aneinander- Vorbei-Redens zu finden. Der Entscheid unserer Weisen: Groß ist das Lernen, weil es zur Tat führt, hat seine Gültigkeit. Aber die Vorfrage, gleichsam volkspädagogischen Charakters, ist noch nicht geklärt, wie der Lerneifer und die Lernstimmung, die unsere Gemeinschaft stets auszeichneten, den weiten Kreisen des deutschen Judentums übermittelt werden können. Auch das hundertfünfzigste Todesjahr Moses Mendelssohns und das fünfzigste Jahr seit dem Tode von Leopold Zunz gehen im Grunde vorüber, ohne eine lebendige Kenntnis- und Stellungnahme einzuleiten. Pflichtgemäß bringen jüdische Zeitungen Worte des Gedenkens und der Würdigung, aber der Weg zur direkten Ansprache an den einzelnen wird nicht beschritten. — In Einzelheiten kann dieser Weg heute von niemanden beschrieben werden, stehen wir doch alle in einer Zeit großer Aufgaben und schwacher Kräfte, tastender Versuche und geringer Erfahrungen. Vielleicht wird der Weg zum Einzelnen gefunden werden in Versammlungen, die mehr der aufbauenden Bildungsarbeit als der Propaganda gewidmet sind; also ein weites Gebiet, eigentlich das Gebiet für die Arbeit bewußt jüdischer Organisationen. Das Problem und die Aufgabe der jüdischen Volksbildung harrt noch seiner Lösung! Mezudat Josef. 13

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