Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 1-2 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Situation verbietet. Oberstes Ziel einer wahrhaft staatsmännischen Politik muß vielmehr sein, durch sachliche Arbeit an der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage wie des Verhältnisses der einzelnen Faktoren der palästinensischen Landespolitik zueinander den Weg zur Ueberwindung des augenblicklichen Zustandes zu finden. Es mag sein, daß die palästinensische Krise in manchen Kreisen, die dem Erez-Israel-Aufbau auch heute noch mit versteckter, verstockter Ablehnung gegenüberstehen, als „wertvolles" Argument aufgegriffen wird und so versucht wird, dem Zionismus in propagandistischer Hinsicht Schwierigkeiten zu bereiten. Adolf Böhm, einer der gründlichsten Kenner der zionistischen Bewegung, weist in der Einleitung zur zweiten Auflage seiner „Geschichte der zionistischen Bewegung" darauf hin, daß bei der Betrachtung des Zionismus „die Gefahr ersteht, alles, was durch ihn direkt oder indirekt bewirkt wurde, als seine Verwirklichung anzusehen. Dies ist geeignet, die Kenntnis seines Wesens zu verdunkeln. So wird z. B. heute der „Palästina-Aufbau" mit Zionismus identifiziert, obzwar vieles, was sich dabei abspielt, nichts mit Zionismus zu tun hat, sondern vielfach widerzionistischen Charakter trägt." Wir glauben, daß gerade die heutige Situation viel zur Läuterung des Charakters der zionistischen Bewegung in ideologischer Hinsicht beitragen kann. Erst die konkrete Aufgabe des Palästina-Aufbaus und die geistige wie seelische Hinwendung zum jüdischen Volk, seiner Kultur und seiner Sprache geben uns die beiden Pole zionistischer Anschauung und Aufgabe. Nach einer Zeit des Massenzustroms zur zionistischen Organisation ist es wichtig, den Charakter der Organisation als eines Zusammenschlusses des Volkes, nicht nur weil es „auf dem Weg", sondern weil es Bewegung ist, herauszustellen. Es ist nicht immer gut, wenn der Weg der Organisation und die Linie des geringsten Widerstandes identisch sind. Die Verwirklichung zionistischer Ideale heißt einen Weg wählen, von dem man weiß, daß es weder der kurze noch der leichte, wohl aber der einzige ist. Auch das heutige Erez-Israel, ja, gerade es, bestätigt die Richtigkeit einer Reihe von alten zionistischen Forderungen. Zu sehr ist in diesen Tagen, wo es galt, ein „Nachtasyl" zu finden, der Gedanke der nationalen Wiedergeburt wie der Heimstätte für das jüdische Volk vernachlässigt worden. „Eroberung des Landes" meinte Berufsumschichtung, landwirtschaftliche Kolonisation, normale Struktur des jüdischen Wirtschaftskörpers, Entfernung vom Luftmenschentum, nicht aber Bodenspekulation, ausschließliche Stadtberufe, Uebertragung der ökonomischen Galuterscheinungen nach Erez-Israel. Wieder zeigt sich, daß die zionistische Bewegung nicht aus der Saturiertheit des schon Geschaffenen und Erreichten sprechen darf, sondern nach wie vor in einer Zeit steht, wo es des kämpferischen, vor allem des chaluzischen Einsatzes aller Kräfte 10