Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 1-2 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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erlaubt bleibe. In Wirklichkeit wird ein gewaltiger Eingriff in das ganze System der rituellen Fleischversorgung unternommen. Die Maßnahmen (wie das Verbot, Tiere, die für trefe befunden wurden, weiterzuverkaufen) sind darauf abgestellt, das koschere Fleisch zu verteuern und die Fleischversorgung der pauperisierten jüdischen Bevölkerung zu erschweren. Zahlreiche Existenzen werden getroffen, und die wirtschaftliche Situation der polnischen Juden im Verein mit anderen neuen monopolistischen Maßnahmen auf das tiefste erschüttert. Darüber hinaus sehen die Juden Polens, die eine nationale Minderheit von rund zwölf Prozent der Bevölkerung Polens darstellen, in dieser Maßnahme nicht nur ein weiteres bedeutsames und entscheidendes Glied in der Kette antijüdischer Gesetze, sondern einen Eingriff in die völkerrechtlich und verfassungsgemäß zugestandene national-kulturelle Autonomie der polnischen Judenheit. Ungeachtet innerjüdischer Differenzen haben sich alle Parteien, Gruppen und Persönlichkeiten des polnisch-jüdischen Lebens zusammengetan,, um in geschlossener Einmütigkeit gegen alle diese Pläne zu protestieren. Diese eindrucksvolle Demonstration jüdischer Einigkeit kann wohl kaum ohne Einfluß auf die maßgebenden Stellen bleiben. Wie stark dieser Einfluß allerdings sein wird, welche Wirkungen zum Guten er noch haben kann, wird die nahe Zukunft erweisen müssen. Geht in Polen der Kampf um die Schechita, so wird in Erez Israel um die restlose Durchführung der Kaschruth-Beschlüsse des Kongresses gerungen. Im traurigen Gegensatz zu dem einmütigen Auftreten aller jüdischer Parteien gegen das Schechita- Verbot in Polen bietet sich hier der Anblick einer im Aufbau begriffenen nationalen Gemeinschaft, in der nicht alle ihre Glieder den Wert der jüdischen Tradition, auch in ihrer Bedeutung für die nationale Form, die Grundelemente unseres Seins anerkennen und im Alltag verwirklichen wollen. Noch kann nicht, wie es doch in einer Proklamation der Histadrut als Aufgabe und Ziel hingestellt wurde, jeder Jude in den betreffenden Arbeiterküchen essen. Auch der Schabbat, nach einem Worte von N. A. Nobel, Ruhetag der Schöpfung, und nicht Rasttag der Erschöpfung, hat sich noch nicht durchgesetzt. An anderer Stelle unserer Zeitschrift wird der Leser einen Bericht über diese Fragen palästinensischen. Lebens und unserer Arbeit finden. II. Die Diskussion über den Legislative Council ist einer beinahe unheimlich wirkenden Ruhe gewichen. Vielleicht hat auch hier die geschlossene Bekundung der einheitlichen politischen Ueberzeugung des Jischuws zumindest eine Zurückstellung der Pläne Sir Arthur Wauchopes bewirkt. Vielleicht ist es aber auch die Krise, die ein Experimentieren mit gefährlichen Plänen in eben dieser 9