Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 1-2 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Gruß an Hermann Struck. Von Rabb. Dr. Harry Levy, Berlin Jüdische Künstler aller Länder und Zungen, Maler und Graphiker aller Nationen haben Hermann Struck am ö. März gefeiert, dem Sechzig jährigen herzliche, anerkennende Worte gewidmet. Das jüdische Palästina hat ihm, dem Menschen, dem jüdischen Führer gehuldigt. Und wir — wir vom deutschen Misrachi, dessen Gründer, dessen Seele und Kopf, dessen Führer und Repräsentant er Jahrzehnte hindurch war, wir kommen ganz bescheiden und etwas beschämt in diesem illustren Zuge der Gratulanten, um ihm zu danken, wortlos und ergriffen die Hand zu reichen, wie Kinder zu ihrem Vater in solcher Stunde, um ihm den stillen Tribut der Liebe zu zollen. Als Hermann Struck noch in Deutschland war, haben wir ihn verehrt, waren stolz und glücklich, ihn unser zu nennen, er war uns Autorität in allen Misrachifragen, der allzeit hilfsbereite Freund und Berater, der überlegene, erfahrene, weltgewandte und in der inneren Sicherheit und Geschlossenheit seines Wesens unbeirrbare Führer. Wir haben zu ihm aufgesehen, ihn bewundert, aber all das trifft noch nicht das Wesen unserer Beziehung: Wir haben ihn geliebt und lieben ihn noch, wenn er auch schon bald ein Jahrzehnt im Lande unserer Sehnsucht weilt, über alle Entfernung hinweg. Unsere junge Generation macht sich kaum einen Begriff davon, wie es in der Frühzeit des deutschen Misrachi aussah, wo Zionismus noch ein rotes Tuch, Orthodoxie überhaupt nicht gesellschaftsfähig war, wo man noch um Verständnis, nicht um Anerkennung, um Toleranz, nicht um Gleichberechtigung kämpfen mußte. Jede Bewegung braucht einen bestimmten Typ von Vertretern, die in ihrer Persönlichkeit mehr als in Theorien und Worten den Gehalt der Idee zur Anschauung bringen. Der deutsche Misrachi hat in seiner Frühzeit zwei typo logisch vollendete Führergestalten besessen, deren Persönlichkeit er einen großen Teil seiner Erfolge verdankt: Den Frankfurter Raw Anton Nehemias Nobel V'» und ^•tanV D"nS o»n ]'a Hermann Struck. Es war die glückliche Zeit, da der deutsche Misrachi in seiner Struktur mehr Bewegung als Organisation sein konnte, mehr religiös als politisch und seine Führer mehr religiöse als politische Persönlichkeiten. Eine religiöse Persönlichkeit aber ist Hermann Struck. Mögen andere ihn als Künstler feiern, als gottbegabten Meister des Stiftes, andere seine politischen und organisatorischen Fähigkeiten rühmen, wieder andere in ihm den Typ des sozialen Helfers sehen, mich beeindruckt am meisten immer wieder die tiefe unaufdringliche, schlichte und starke, nach innen strahlende Religiosität seines 7