Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 1-2 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Eltern in die Seele rief? Und ist es nicht noch bezeichnender, daß sie die fragenden Söhne und die antwortenden Väter in den Mittelpunkt der ersten religiös-nationalen Feier stellte? Die Thora setzt sich ein für die Autorität des antwortenden Vaters. Sie fordert aber auch Freiheit für den fragenden Sohn. Dabei denkt sie an Söhne verschiedener Sinnesart und Willensrichtung. Alle sollen fragen. Besser selbst die Frage, die einen Roscho zu Worte kommen läßt, als eine Frage, die heuchlerisch oder trotzig zurückgedrängt wird in die verschlossene Brust. Wer noch das Bedürfnis hat, zu fragen und sich über jüdische Dinge auszusprechen, ist dem Judentum noch nicht verloren. Gleich in der Stunde unserer Volkswerdung wurden wir darauf hingewiesen, die Verständigung zwischen den Generationen zu suchen und zu fördern. Die Pessachfeier sagt aber auch deutlich genug, daß die den Kindern zu gebende Belehrung gleicherweise eine theoretische wie praktische sein soll. Die gedankenlose Hinweisung zu den Mizwot ist nicht geeignet, das Herz zu erwärmen und den Willen zu lenken. Noch weniger Eindruck werden Worte machen, die nicht verlebendigt werden durch das Tun. Die religiöse Belehrung soll das religiöse Tun begleiten, dieses erklärend und durchleuchtend. „Sprich zu Deinem Kinde, „wenn ro» und wo vor dir liegen." Die geistige und seelische Verwurzelung der jungen jüdischen Menschen in der strahlenden Welt des Judentums, des geschichtÜch überlieferten Judentums, ist heute notwendiger denn früher, sollen sie auch draußen in der Fremde vor Haltlosigkeit und Wankelmütigkeit bewahrt werden, und soll ihnen die Kraft eignen, auch in leidvollen Tagen, und da erst recht, das Judentum mit Freude und Stolz zu bejahen und seine religiös-nationalen Forderungen zu erfüllen. Wer zur Zeit der Darbringung des Pessachopfers auf „fernem Wege" war, konnte nach der Bestimmung des Thoragesetzes die versäumte Pflicht der Beteiligung am Pessachopfer einen Monat später — Pessach scheni — nachholen. Die Ferne des Weges ist nach der talmudischen Halacha nur relativ gemeint. Auf „fernem Wege" war, wer am Erew Pessach nicht rechtzeitig im Beth Hamikdasch sein konnte. — Viele von uns sind auf „fernem Wege". Gar manche selbst von denen, die schon heimgefunden haben nach Erez Israel, sind noch fern vom Beth Hamikdasch. Möchte das kommende Pessachfest dazu beitragen, daß manche von den Fernen ihre Schritte zum Beth Hamikdasch hinlenken. Möchte es die Verständigung zwischen den Generationen wachsen lassen. Zwischen „dem Herzen der Väter und dem Herzen der Kinder". Wir aber vom Misrachi sollen in unserer Arbeit für Erez Israel und in Erez Israel, die wir in enger Gemeinschaft mit den durch das gleiche zionistische Ideal mit uns verbundenen jüdischen Brüdern leisten, unsere Bemühungen nach wie vor darauf richten, das n*a cnpon in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu stellen und in das Blickfeld auch der noch Fernen zu rücken. 6