Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 1-2 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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, . IL •. -[ Die erste Pessachnacht zeigte gleich irr der Stunde unse rer Volkswerdung, daß wir ein Volk sind eigener Form, eigener Prägung: ein religiös-nationales Volk. Sie zeigte gleich unser Verflochtensein mit dem religiösen Ideal, das später willensmäßig und schicksalsmäßig unseren geschichtlichen Weg bestimmte. Die Erlösungsfeier gestalr tete sich uns zu einem religiösen Erleben. Die Freiheit manifestierte sich uns in der Gebundenheit an Gott und sein Gesetz. Unsere Volkswerdung führte gleich mitten in den Bereich des Religiösen hinein. Wir wurden gleichsam — die religiös gebotenen Vorbereitungen der Pessachfeier hatten bereits am 10. Nissan begonnen — in das Religiöse hineingeboren. Und das Religiöse war uns nicht gedankliche Abstraktion, nicht Gefühlsschwärmerei, nicht nationale Ekstase und nicht mystische Verzückung. Das Religiöse war uns von allem Anfang an religiöses Tun, religiöses Gesetz. Jüdische Religiosität muß, wenn sie diesen Namen verdienen soll, zur Mizwa hinleiten, zum Gesetz, das das Leben formt und gestaltet. Die Gebote der Pessachnacht waren an das Haus gebunden. Das Pessachopfer sollte vorbereitet werden für das Haus, oder wie es in der zweiten Formulierung heißt: für die Familien. „ . . Ihr aber geht nicht hinaus, keiner aus der Tür seines Hauses bis an den Morgen" (Ex. 12,22). Dies gab dem jüdischen Hause die Weihe und Heiligung und dem Judentum den Felsengrund, auf dem es sicher ruht von Mizrajim her bis auf den heutigen Tag. Wie in den Tagen vor uns, und insbesondere den leidvollen Tagen vor uns. können auch wir in erster Reihe von unseren Häusern her religiöse Erstarkung und seelische Erneuerung erhalten. Von Häusern her, in denen das Wissen um das Judentum und seine Geschichte hingebende Pflege findet, und in denen die Thora mit ihren religiös-nationalen Werten und mit ihren den jüdischen Menschen heiligenden Mizwoth als lebengestaltendes Prinzip herrscht. „Ihr aber geht nicht hinaus, keiner aus der Tür seines Hauses bis an den Morgen." Woran wir willensmäßig hätten festhalten sollen, wird jetzt schicksalhaft zur Forderung: Wir müssen bei uns bleiben. Unsere Häuser müssen uns alles sein. Und sie können uns alles sein. Ihre Segnungen bieten tausendfältigen Ersatz für die öden Zerstreuungen und seelenlosen Vergnügungen, die wir, zuweilen unter Preisgabe des jüdischen Gesetzes, zuweilen unter Preisgabe selbst der jüdischen Würde, anderswo suchten. Das Pessachfest hält uns einen Lehrgang darüber, was die vom Judentum durchseelten Häuser an edlen Gemütswerten bieten können. Dieser Lehrgang sind die Sederabende. III. Was aber die Sederabende zu Sederabenden macht, sind die fragenden Söhne und die antwortenden Väter. Ist es nicht tief bezeichnend, daß die Thora gleich in der Stunde unserer Volkswerdung die Pflicht der jüdischen Belehrung und Unterweisung den 5