Mannheim
Compact Memory

Zion · 1936-06-01 · 1-2 (6.1936) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
8 (1936)
Issue
1-2 (6.1936)
Date
1936-06-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3133276-3139378-3139379--1063-3140582
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sere Väter und Mütter schauten unverhüllt die wirkende Vorsehung1 Gottes. Sie hörten gleichsam das dröhnende Schreiten der göttTliehen Allmacht im Phäraonenlande. Die an Leib und Seele Miß-" handelten und nach dem Prophetenwort in ihrem Blute Ersterben-' den, die mitten in Tod und Verderben zu neuem Leben geweckt* und mit der Kraft ausgerüstet wurden, selbstsicher und hoffnungs-* froh in die Zukunft hinauszuschreiten, aus der Enge in die Weite, aus der Hörigkeit zur Freiheit des Gottesvolkstums und aus dem Sklavendasein einem großen und heiligen Ziel entgegen, sie waren" die lebendigen Zeugen der wachen göttlichen Vorsehung und der gerechten göttlichen Vergeltung. Und deren sind wir Zeugen ge-; blieben auf unserem geschichtlichen Gange durch die Jahrtausende.5 „Wie in den Tagen, da du herauszogst aus dem Lande Mizrajim,; will ich es Wunder sehen lassen" (Micha 7,15). Diese prophetische' Verheißung hat sich an uns erfüllt. Waren auch die späteren Wunder unserer Erhaltung mitten in Bedrückung und Verfolgung und mitten in Tod und Verderben nicht so offenbar und sinnfällig wie' in Mizrajim, so sind sie doch offenbar und sinnfällig genug für jeden, der Geschichte zu lesen und zu deuten versteht. Gott habe einmal, so heißt es in einem bildhaften Midrasch (zu Wajil^ra 29,2), den Patriarchen Jakob den steigenden und sinkenden Genius der vier in der alten Welt herrschenden Reiche: Babel, Persien-Medien, Hellas und Rom schauen lassen. Und der Patriarch erbebte beim Anblick der in den Abgrund stürzenden Völkergrößen. „Wird auch meinen Nachkommen ein ähnliches Schicksal bereitet werden?" Da tönte ihm die Beruhigung des jeremianischen Wortes entgegen: „Du fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht der Ewige, und zittere nicht, Israel" (30,10). Wer hatte aber mehr Grund, zu zagen und zu beben? Haben doch schon unsere alten Weisen aus ihrer geschichtlichen Erfahrung heraus den Satz ausgesprochen: So oft ein Weh durch die Welt geht, sind es die Nachkommen Jakobs, die es zu allererst fühlen. Wir sind der Seismograph der Weltgeschichte. Wir verzeichnen zuerst die politischen und sozialen Erschütterungen. Wir werden zuerst in Mitleidenschaft gezogen, wenn geschichtliche Umwälzungen, von schmerzlichen Zuckungen begleitet, nach Gestaltung ringen. Wir haben aber auch in unserem Geschichtsverlauf hundert-, fältig bewiesen, daß wir — eine einzigartige Erscheinung — mit der wunderbaren Kraft der Erneuerung und seelischen Wiedergeburt begnadet sind. Auf jede Erstarrung folgte bei' uns neues Leben, auf jede Verkümmerung neue Blüte, auf jedeSf Dunkel neues Licht und auf jede Gesunkenheit neue Erhebung. Un4 diese Kraft wuchs uns aus der ersten Pessachnacht. „Eine Nacht der Bewachung war das dem Ewigen, sie aus dem Land Mizrajim zu führen. Diese Nacht bleibt dem Ewigen, eine Bewachung ist sie allen Kindern Israels für ihre Geschlechter. (Ex. 12,42). ') 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.