Mannheim
Compact Memory

Zion · 1935-08-01 · 7-8 (8.1935) · p. Seite 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
7-8 (8.1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 46 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133276-3139374-3139377--1047-3140566
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 46 Z I O N Nr/7-8 rachi anzugehören, ohne sonst im Leben die Grundsätze des gesetzestreuen Judentums zu verwirklichen, so ist nach der neuen Formulierung die gesetzestreue Lebensführung eine Voraussetzung zur Zugehörigkeit zur misrachistischen Organisation. Wir halten es für außerordentlich bedenklich, die Zugehörigkeit zum Misrachi nur abhängig zu machen von einem Bekenntnis und von einer Unterschrift und glauben, daß der Misrachi einen wichtigen Grundgedanken seiner Ideologie mit dem Fallenlassen der Schekelklausel aufgegeben hat. Wir sahen unsere Aufgabe stets im entscheidenden Maße darin, innerhalb der Zionistischen Organisation die Forderungen des gesetzestreuen Judentums durchzusetzen. Das Entreebillet zu dieser Organisation ist der Schekel. Und man beraubt sich seiner Einwirkungsmöglichkeit dadurch, daß man das Mitbestimmungsrecht innerhalb des Misrachi auch solchen Menschen einräumt, die sich nicht zur Zionistischen Organisation bekennen. Aus einer ausdrücklichen Ablehnung des Schekels ist mehr auf eine Gegnerschaft als auf eine Desinteressiertheit des Ablehnenden zu schließen, und man wird nicht mehr mit dem gleichen Recht und mit der gleichen Entschiedenheit wie bisher innerhalb der Zionistischen Organisation seine Forderungen vertreten können, wenn diese Organisation durch Nichtzionisten in einem bestimmten Sinne belastet ist. Zu diesen rein praktischen Erwägungen treten grundsätzliche. Der Schekel ist uns mehr als ein Stück Papier, für das man pro Jahr einen bestimmten Beitrag zu leisten hat. Er hat einen starken, symbolhaften Charakter. Er war die erste Urkunde des organisierten Zionisten, und läßt man einmal den Schekel fallen, so werden bald andere zionistische Einrichtungen und Grundsätze folgen. Wie kam es nun zu diesen Entschlüssen? — Es war stets charakteristisch für den Misrachi, daß er Rücksicht nahm auf Außenstehende. Er orientierte sich bisher häufig an der nichtzionistischen Orthodoxie. Jetzt beginnt er, sich auf die ebenso nichtzionistische N. Z. O. einzustellen. Die Behandlung des Schekels ist das erste Beispiel. Das zweite Beispiel ist die Uebernahme der Forderung nach dem Judenstaat. Die Frage des Endziels ist häufig genug. diskutiert worden, und ebenso häufig ist die Sinnlosigkeit einer leeren Proklamation betont worden, die die Forderung nach dem Judenstaat bedeutet. Und es war unrecht, den Gegnern dieser Formulierung vorzuwerfen, daß sie eine minimalistische Politik betreiben, indem sie auf den Judenstaat zu verzichten bereit sind, und ihnen zu erklären, daß diese Forderung nach einem Palästina auf den beiden Seiten des Jordans eine alte jüdische Forderung ist, die im jüdischen Schrifttum verankert ist. Wir haben uns häufig genug gegen eine Vermischung religiöser und messianischer Forderungen mit realpolitischen, taktischen Fragen gewandt, und insbesondere jetzt, wo der Begriff Judenstaat durch die Uebernahme in das revisionistische Parteiprogramm gestempelt ist, ist es eine außerordentliche Gefahr und von unserem Standpunkt aus absolut abzulehnen, in ein misrachistisches Programm den gleichen Begriff zu übernehmen. Die Einheit des Misrachi wurde gewahrt. Der Misrachi Hawatik existiert und ist anerkannt worden. Die Entwicklung der misrachistischen Weltorganisation scheint uns abhängig von der Entwicklung des Misrachi Hawatik. Nur wenn es gelingen wird, diese Richtung innerhalb des Misrachi zur herrschenden zu machen, wird es gelingen, den Misrachi vor einem restlosen Verfall und einer Verfälschung der misrachistischen Idee zu bewahren. Wir wünschen, daß es dem Misrachi Hawatik und seinen Vorkämpfern gelingen möge, ihren Einfluß in der misrachistischen Weltorganisation zu stärken und ihr ihren Stempel aufzudrücken. Welche Verpflichtung sich aus dieser Erkenntnis für die Unabhängige Misrachi Landesorganisation Deutschlands ergeben, das zu klären wird Aufgabe eines bald einzuberufenden Delegiertentages sein. j. p„ Grundsätzliches zur Arbeitsmethode der Lehrhäuser.*) Von Rabbiner Dr. Alexander Alt mann, Berlin. I. Der alte Weg der Erschließung unserer Quellenliteratur, der Weg des traditionellen „Lernen s", ist gekennzeichnet durch die zentrale Behandlung des Talmuds. Damit ist nicht nur ein bestimmter Stoff in den Mittelpunkt der geistigen Arbeit gestellt, sondern die ganz spezifische Haltung zum Ausdruck gebracht, die den Typus des „talmid chacham" geprägt hat. Schon rein äußerlieh betrachtet, besteht das Charakteristische des Talmudstudiums darin, daß es ein synoptisches Ueberschauen der ganzen jüdischen Geistesgechichte, soweit sie religiös von Bedeutung ist, *) Aus einem Referat des Verfassers in der j,Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung",

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.