Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 7-8 (8.1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 45 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7*8 ZION Seite 45 meinsame geistige Haltung erwachse, wurden in den oben erwähnten Reden wirkungsvoll widerlegt. Eine besondere Rolle spielte auf dieser Konferenz die sogenannte Initiativgruppe. Es handelt sich bei dieser Gruppe um Menschen, die dem Revisionismus nahestehen und einen entscheidenden Kampf gegen die bisherige Exekutive forderten und verlangten, sich von jeder Mitarbeit zurückzuziehen, solange nicht eine ganze Reihe misrachistischer Forderungen absolut gesichert seien. Der nahe bevorstehende Kongreß der „Neuen Zionistischen Organisation" in Wien machte es ihnen möglich, ständig mit dem Austritt aus der Zionistischen Organisation und dem Anschluß an die N. Z. O. zu drohen. Durch ihre rigorose Kampfesweise und durch ihr energisches Auftreten ist diese Gruppe für den Ausgang der Krakauer Konferenz entscheidend mitverantwortlich zu machen. Die Einheit des Misrachi war das Ziel, um dessentwillen man vieles zu opfern bereit war. Wollte man auf der einen Seite die Anhänger des Misrachi Hawatik nicht verärgern, was dazu hätte führen können, daß dieser eine selbständige Organisation aufbaut, so wollte man auf der anderen Seite auch nicht die Mitglieder der Initiativgruppe abstoßen. So kam es dazu, daß der Schekelparagraph fallen konnte und daß in die Verfassung die revisionistische Formulierung eindringen konnte, der Misrachi erstrebt „den Judenstaat". Der Initiativgruppe ist es gleichfalls in einem erheblichen Ausmaße zuzuschreiben, daß eine Reihe ultimativer Forderungen auf der Tagung angenommen wurden, von deren vorheriger Erfüllung der Misrachi seine Mitarbeit an dem Zionistischen Kongreß abhängig machen sollte. Fast alle Redner der Debatte waren sich einig in der Kritik der bisherigen Arbeit des Merkas und in der Forderung nach einer neuen Zusammensetzung der Leitung. Sogar die polnische Landsmannschaft kam nach Krakau mit einem bindenden Beschluß, dem alten Merkas das Vertrauen zu verweigern. Dennoch schien es, insbesondere in den letzten langen Sitzungen des Permanenzausschusses, als ob wiederum die Herren Fischmann, Farbstein und Berlin in den Merkas einziehen sollten. Erst im letzten Moment ist es gelungen, das zu verhindern. Damit sind wir bei einem der wichtigsten Ergebnisse der Krakauer Tagung angelangt. 4. Die Ergebnisse. Das wichtigste Ergebnis der Krakauer Tagung scheint uns die Tatsache zu sein, daß ein neuer Merkas gewählt wurde. Es gehören ihm an: Raw Gold, Dr. Feldmann, Prof. Pick und drei Vertreter der Jugend: Mosche Schapiro, Raw Neufeld und Genachowski. Raw Fischmann wurde zum Vorsitzenden des Keren Erez Israel schel Hamisrachi und gleichzeitig zum Leiter eines neu zu errichtenden Tarbutressorts ernannt. Diese Zusammensetzung bringt die vollzogene Annäherung sämtlicher Gruppen im Misrachi klar zum Ausdruck. Die Einheit des Misrachi scheint in Krakau gestärkt worden zu sein. Man wird abwarten müssen, welche Leistungen dieser Merkas vollbringen wird. Er hat das Vertrauen der gesamten Konferenz gefunden. Mit dem Vertrauen allein ist es jedoch nicht getan. Auch der beste Merkas wird nur arbeiten können, wenn ihm die finanziellen Voraussetzungen dazu zur Verfügung gestellt werden. Jedenfalls hat er eine große Chance. Er besteht aus unbelasteten Menschen, denen man nicht von vornherein mit Mißtrauen begegnen muß. Es wäre im Interesse des Misrachi und der religiösen Idee innerhalb der Zionistischen Organisation zu wünschen, daß es ihm gelingen wird, die Chance zu nutzen. Die Anerkennung des Misrachi Hawatik als eigene Fraktion kommt in der Entsendung von Prof. Pick in den Merkas zum Ausdruck. Diese Anerkennung scheint uns etwas zu teuer erkauft. Sie ist geknüpft an die Bedingung, sich in politischen und organisatorischen Fragen der Disziplin des Misrachi bedingungslos zu unterwerfen. Weiterhin wurde dem Misrachi Hawatik nur konzediert die Landsmannschaften Schweiz, England und, falls der deutsche Misrachi sich bereit erklären sollte, Deutschland organisatorisch zusammenzufassen. Damit ist ihm vorläufig eine weitere Ausdehnung zumindest sehr erschwert. Es ist selbstverständlich, daß der Misrachi Hawatik — und in einer besonderen Erklärung von Raw Ostrowski kam das zum Ausdruck — von seinen Mitgliedern die Verpflichtung zur Schekelzahlung verlangt. Auch gegen die Uebernahme der Forderung nach dem Judenstaat wandte er sich, ohne allerdings damit durchzudringen. Damit sind wir bei einem weiteren und wichtigen Ergebnis der Krakauer Konferenz angelangt. Man kann also, ähnlich wie bei der N.Z. 0„ Mitglied des Misrachi werden durch Abgeben einer Erklärung, daß man als gesetzestreuer Jude lebt und dem Misrachi anzugehören wünscht. Dieser Beschluß hat über seinen spezifisch zionistischen Gehalt noch eine für den Charakter des Misrachi bedeutsame Folge. War es bisher nach dem Antwerpener Statut durchaus möglich, dem Mis-