Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 7-8 (8.1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 43 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7*8 ZION Seite 43 seit langem die Führer des Misrachi eine gemeinsame Arbeit mit der Orthodoxie anstreben. Die Versuche, zu einer Einigung zu kommen, scheiterten bis jetzt an der Haltung der Agudaführer. Wir glauben nicht, daß die Situation jetzt günstiger liegt, als sie vorher lag, und versprechen uns wenig davon, die Flut von jüdischen Weltkongressen um einen neuen Weltkongreß zu vergrößern. Der Gedanke, der diesem Plan zugrundeliegt, ist klar: Ein Zusammenschluß der gesetzestreuen Judenheit würde eine verstärkte Arbeit für die religiösen Inhalte des Judentums ermöglichen und würde zudem den Forderungen der Orthodoxie inner- und außerhalb der Zionistischen Organisation ein ganz anderes Gewicht verleihen. Stellt man sich aber auf den nüchternen Boden der Tatsachen, so erscheint klar, daß, bis auf weiteres gesehen, der Wunsch von Rabbi Gold noch ein Wunschtraum bleiben wird. Erschütternd war das Referat über die finanzielle Situation, das das Mitglied des Merkas Olami, Herr Schächtermann, erstattete. Ganze 800 Pfund waren für den Keren Erez Israel schel Hamisrachi im Laufe der letzten Epoche eingegangen. In dieser Summe befindet sich schon das Geld, das automatisch dem Keren Erez Israel schel Hamisrachi als prozentualer Anteil an den Eingängen des Keren Hajessod in Südafrika zufällt. Daß bei einer derartigen Behandlung der finanziellen Verpflichtungen einer Zentrale gegenüber nicht viel geleistet werden kann, ist selbstverständlich. Zu prüfen bleibt nur die Frage, ob die finanzielle Leistung der Landsmannschaften nicht im Zusammenhang steht mit der organisatorischen Arbeit des Merkas, mit der wirklichen Erfassung der misra .'histischen Mitglieder aller Landsmannschaften. Würde in den misrachistischen Kreisen aller Länder das Vertrauen zum Merkas und seiner Arbeitsfähigkeit vorhanden sein, dann würde man ihm wahrscheinlich auch Geldmittel für seine Arbeit in die Hand gegeben haben. Die organisatorischen Fragen wurden auch in einem Referat von Raw Fischmann und längeren Ausführungen von Raw Amiel eingehender behandelt. Sie gipfelten in Vorschlägen, die eine einschneidende Verfassungsänderung des Misrachi bedeuten. Diese Vorschläge resultieren gleichfalls aus der bekannten grundsätzlichen Haltung von Raw Amiel, der eine eigene und eigenartige Auffassung vom Misrachi hat. Für ihn bedeutet die misrachistische Ideologie nicht eine Komponente unter den zionistischen Geistesrichtungen, vielmehr ist sie für ihn eine Grundhaltung sui generis, die mit der gewöhnlichen schablonenhaften Terminologie „national und religio»" nicht zu erfassen ist und eines eigenen Rahmens bedarf, um wirklich die Stoßkraft zu gewinnen, die ihr innewohnt. Es wurde gefordert, daß die Zugehörigkeit zum Misrachi nicht die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation zur Voraussetzung haben solle. Jeder gesetzestreue Jude, der sieh zum Programm des Misrachi bekennt, kann Mitglied des Misrachi sein, ohne der Zionistischen Organisation anzugehören. Auch in einem anderen einschneidenden Punkt wurde eine Verfassungsänderung herbeigeführt: Der dritte Paragraph des alten Antwerpener Statuts, der jeden Angehörigen des Misrachi zum Schekelkauf verpflichtete, ist fortgefallen. Bei der Würdigung der Ergebnisse dieser Tagung wird auf diese beiden wichtigen Fragen zurückzukommen sein. Das von einem Mitglied der Leitung der T'nuat Tora wa Awoda gehaltene Referat über: „Jugend und Kulturarbeit" war unserer Ansicht nach völlig unzulänglich und lediglich für die Galerie berechnet; eine Befruchtung der Erziehungsarbeit und eine Darstellung der spezifischen Probleme der misrachistischen Jugend- und Kulturarbeit war auch im Ansatz nicht vorhanden. Das politische Referat hielt Herr Farbstein. Mit dem Namen des Referenten war für den Kenner der inneren Verhältnisse des Misrachi die Richtung des Referates festgelegt. Im wesentlichen enthielt es ein revisionistisches Programm und die unbedingte Forderung, die Rückkehr Weizmanns unmöglich zu machen, aus politischen Gründen sowohl als auch aus den dem Misrachi im besonderen Maße angehenden Argumenten. Zu diesem Zwecke wurde sogar ein altes Schreiben von Prof. Weizmann aus dem Jahre 1903 ausgegraben. Es scheint uns nicht möglich, Menschen auf Aeußerungen festzulegen, die sie vor über dreißig Jahren gemacht haben. 3. Die Debatte. Die Diskussion über sämtliche Referate stand zumeist nicht auf einem sonderlich hohen Niveau. Es wurden viele Reden, teils geistvoll, teils weniger geistvoll, zum Fenster hinaus gehalten, ohne die eigentlichen Kernprobleme, die in den Referaten angedeutet waren, ausführlich zu berühren. Man hatte häufig das Gefühl, daß die Tagung den Stoff für ihre Debatte nur aus der Tatsache bezog, daß der Misrachi Hawatik anwesend war. Zum ersten Male hatte diese Gruppe eine eigene Vertretung auf einem misrachistischen Delegiertentag, ihr Wortführer war Raw Ostrowski, ein in der Arbeit im Jischuw und im Waad Leumi bewährter Misrachist. Weiterhin gehörten