Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 7-8 (8.1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 41 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7-8 Z I O N Seite 41 zum Ausdruck gebracht, daß sie die Maßnahmen durchführen wollte, um es jedem Juden zu ermöglichen, auch bei ihnen zu sein und von ihren Institutionen Gebrauch zu machen. Es scheint, als ob dieser Grundsatz nationaler Verantwortlichkeit um des gemeinsamen Aufbaus aller und für alle hier verlassen worden ist. Der Misrachi hat sich an der Exekutivbildung beteiligt und dadurch die „Große Koalition" in der Exekutive ermöglicht. Allerdings muß uns die Art und Weise, wie er dies tat, als ein starker Mißgriff erscheinen. Wieder konnte er es nicht unterlassen, seinen Personalvorschlag als eine Ultimativ-Forderung aufzustellen, und er hat in der Person des Raw Fischmann gerade denjenigen seiner bisherigen Führer der neuen Exekutive aufgezwungen, der nicht nur von allen Parteien, mit denen die Exekutive zusammen gebildet wurde, auf das heftigste bekämpft wurde, sondern der auch in den eigenen Reihen wenige Tage noch vor dem Kongreß auf der Krakauer Konferenz des Misrachi seiner führenden Rolle im Weltmisrachi enthoben worden war. Raw Fischmann hat zweifelsohne große Qualitäten; er ist ein Mann der Konsequenz, ein starker Streiter und Rufer im Kampf, ein Journalist von hohen Gaben, aber als Führer und Mehrer einer Partei wie der unsrigen, die Menschen an sich heranziehen muß und die auf dem Boden einer harten Realität organisatorisch und praktisch in Erez Israel zu arbeiten hat, ist er nicht geeignet. Unter seiner Führung hat der Misrachi nach dreißigjähriger Arbeit in Erez Israel ganze 2700 Stimmen zum Kongreß aufbringen können, gegenüber 9000 Stimmen, die der immer von ihm bekämpfte Poel Hamisrachi aufbrachte, und gegenüber 800 Stimmen, die der erst seit einem Jahre bestehende Misrachi Hawatik in Erez Israel auf sich vereinigte.Raw Fischmann erscheint uns nicht als der Mann, der in der tagtäglichen Arbeit mit den übrigen Exekutivmitgliedern die Dinge durchsetzen kann, die lebensnotwendig für uns sind: größeren Anteil als bisher an Ansiedlung, Kräftigung unserer Arbeiterschaft, gerechtere Behandlung des Misrachi bei der Alijah aus den Ländern des Ostens und Berücksichtigung der religiösen Forderungen im Jischuw. Er stand bisher in einem zu starken Gegensatz zu allem, was in der palästinensischen Öffentlichkeit geschah, und hat zu wenig Erfolge in der Vergangenheit bei den Menschen erzielen können, die auch heute noch wesentliche Machtpositionen im Lande und in der Exekutive innehaben und mit denen er in Zukunft in engster Fühlung zu arbeiten gezwungen sein wird. Weder ihm persönlich noch der Sache, um die es hier geht, hat man einen Dienst damit erwiesen, daß man gerade ihn an diese verantwortungsvollste Stelle gestellt hat. Wir hoffen, daß unsere Befürchtungen, die sich auch von der leidenschaftlichen Gegnerschaft, die man aus den Kreisen der Arbeiterschaft seiner Kandidatur entgegenbrachte, herleiten, sich als unbegründet erweisen werden, und wir würden die Ersten sein, die freudig von ihm erreichte Erfolge anerkennen würden, glauben aber, es auch nachträglich aussprechen zu müssen, daß ein weniger exponierter — und weniger belasteter — Mann an dieser Stelle erfolgreicher hätte arbeiten können. Die Haltung des Hapoel Hamisrachi auf dem Kongreß war nicht einheitlich und nicht konsequent. Die Gruppe ist stark belastet mit Menschen, die in der Theorie wohl die Devise „Tora wa Awoda" anerkenen, bei denen aber nicht der neue Geist der Durchdringung der beiden Komponenten „Lehre und Arbeit" in gegenseitiger Bereicherung zu verspüren ist. Wortreiche, aber ideenarme, in Galuthpsychologie festgefahrene junge Menschen mit greisenhaften Vorstellungen belasten die Gruppe der palästinensischen Misrachi-Arbeiterschaft und zwingen sie in ein Bett, das ihnen viel zu kurz ist — und wie in jener griechischen Sage hacken sie ihnen die über das kurze Bett herausragenden Gliedmaßen ab. Es ist tief bedauerlich, daß die frischen, arbeitsgewohnten, von Palästinas Landschaft gebräunten und ausgezehrten Menschen sich diese Bevormundung von ihren in der Stadtluft vergifteten Chawerim, die gar nicht ihre Chawerim zu nennen sind, gefallen ließen. So war der kämpferische Geist von Tora wa Awoda in der Kongreßfraktion des Misrachi wenig zu verspüren, und selbst der aufopferungsvollen Hingabe des prächtigen alten Kämpfers des Misrachi Hawatik, Raw Ostrowski, gelang es nicht, den Poel Hamisrachi in seinem eigenen Interesse zu energischem Vorgehen zu bewegen. Unsere Hoffnung für die Zukunft der Misrachi-Bewegung liegt beim „Misrachi Hawatik". In ihm können sich die gesamten Kräfte des Misrachi zusammenfinden, um die Gegenwart und die Zukunft Erez Israels zu beeinflussen. Trotz seiner zunächst noch zahlenmäßigen Schwäche, er zählte auf dem Kongreß zwölf Delegierte, ist er allgemein als derjenige Teil des Misrachi schon heute anerkannt, der aufgeschlossen ist für die praktische Arbeit, trotzdem er Kompromisse auf geistigem, religiösem Gebiet zugunsten von Er-