Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 4-6 (4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 31 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4-6 ZION Seite 31 unterstützen tatkräftig die Sonderaktion. Der traditionell-gesetzestreue Rabbinerverband und der Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums setzen sich stark für das Jugenddorf ein und haben einen Aufruf unterzeichnet, der sich an die religiöse Judenheit Deutschlands wendet, mit der Aufforderung, dieses wichtige Werk mit allen Kräften zu fördern. Die Aktion in Deutshland ist .noch nicht abgeschlossen. Allen religiösen Juden liegt es ob, durch ihre Unterstützung die Errichtung des Kfar Noar Dati zu beschleunigen. Dem Andenken eines jüdischen Gelehrten Am 8. Ijar d. J. wurden es zwei Dezennien, seitdem einer der namhaftesten jüdischen Gelehrten Deutschlands, Prof. Dr. Abraham Berliner s. A., von uns gegangen ist. Mit ihm verschwand einer der emsigsten und erfolgreichsten Forscher auf jüdisch-literarhistorischem Gebiete, der weit über die Grenzen des Landes seiner direkten Wirksamkeit hinaus hohe Verehrung und Wertschätzung genoß. Berliner war ein Gelehrter sui generis, der in sehr vielen Bereichen der jüdischen Wissenschaft heimisch war, auf den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft des Judentums mitgearbeitet und Werke von dauerndem Werte der Mit- und Nachwelt geschenkt hat. Dabei war er einer der wenigen Zunftgelehrten, die Sinn und Interesse für alle Vorgänge im öffentlichen Leben haben, ein Mann von vielseitiger sozialer Tat und des liebevollen Umganges mit seinen Nächsten. Mit seinem Herzen fühlte er sich mit seinem Volks- und Glaubensgenossen schicksalhaft verbunden. Der Erforschung ihrer Geschichte und ihres Lebenswandels widmete er einen großen Teil seiner besten Kräfte. Zwei seiner größeren Werke auf diesem Gebiete zeugen von der Größe seiner jüdischen Seele und ihrer Schwingungen beim Erkennen echt jüdischer Lebensgestaltung, wie es die Erforschung der jüdischen Literatur ermöglicht. „Die Geschichte der Juden in Rom" zeigt uns das Werden und Sein sowie den Niedergang und das Neuwerden der jüdischen Gemeinschaft — wohl die älteste in Europa, in der ewigen Siebenhügelstadt, in ihrem wechselnden Geschick. Und am Ende seines Werkes, ist der Schlußakkord doch der des jüdischen Optimismus. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die kommenden Geschlechter — der jüdischen Gemeinde Rqms — „auch ferner die Glaubenstreue als ein Feuer bewahren werden, das kein Sturm zu verlöschen vermag" ... Nachdem er einige begeisternde Worte des berühmten Wiener Predigers Adolf Jellinek über das Wunder der Am-Leben-Erhaltung der Bekenner des Judentums trotz hunderttausender Dränger und Bedrücker „zitiert" hat, schließt er mit den Worten: „Und der Wunder größtes bleibt die jüdische Gemeinde in Rom als lebendiges Zeugnis für das Walten Gottes in der Geschichte!" So empfand und erlebte Berliner die Geschichte seiner Stammes- und Glaubensbrüder in der Metropole der Päpste, die er mit inniger Liebe erforscht und niedergeschrieben hat. Für die zeitgenössische Judenheit in Deutschland ist von besonderem Interesse seine Schrift: Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter zugleich als Beitrag für deutsche Kulturgeschichte (erschienen im Jahre 1900).* Wie B. im Vorwort sagt, wollte er hier Beiträge für das Leben unserer Altvordern in den deutschen Landen bieten, jenes Lebens, „das gewisse Berührungspunkte mit dem Leben seiner nichtjüdischen Umgebung trotz Ab- und. Ausschließung nicht selten erkennen läßt". Hier ist Berliner ganz in seinem Metier. Aus jeder Zeile und aus jedem Wort spricht Anhänglichkeit und Liebe und Wertschätzung jüdischen Lebens und jüdischer Sitte und, last not least, jüdischen Gottvertrauens der frommen Väter und Mütter der deuschen Judenheit in der schwersten Epoche ihrer deutschländischen Geschichte. Gar vieles könnte die heutige Generation aus seinen Schriften lernen und an Mut und Gottvertrauen dadurch gewinnen. Wenn in den letzten Wochen das Andenken Maimonides in allen Ländern der Diaspora gefeiert wurde, so wußten nur wenige, daß Prof. Dr. Berliner es gewesen ist, der, obschon im greisen Alter stehend, mit jugendlicher Energie und wissenschaftlicher Akribie einen umfangreichen Aufsatz „zur Ehrenrettung des Mose ben Maimon" in der Sammelschrift „Mose ben Maimon" (herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums 1908) veröffentlicht hat, >in welchem die Legende von der Scheinbekehrung des Maimonides zum Islam endgültig zerstört wurde. Es war die tatsächlichste Ehrenrettung des größten Lehrers und Führers in Israel, die ihre volle Anerkennung gefunden hat. (Vergl. die Ausführungen und Wertung derselben bei Dr. M. Glücksohn, in seinem glänzenden Auf-