Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 4-6 (4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 27 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3133276-3139374-3139376--1023-3140541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 4-6 ZIO N Seite 27 stark, daß für geistige und religiöse Probleme Zeit und Aufnahmefähigkeit fehlt. Die physische Hachschara, das Politikum unseres Lebens, ist so dominierend, daß man alle anderen Probleme als Fragen zweiter Ordnung wertet. Dazu kommt, daß einem formalen Zionismus auch heute noch in den Kreisen der Jugend und der Neuzionisten das Wort geredet wird. Hiergegen müssen wir kämpfen mit dem ganzen Einsatz unserer Kraft, in Wort und Schrift, durch Belehrung und Polemik. Wir werden manche Bundesgenossen bei diesem Kampfe finden. VIII. Das Wichtigste ist und bleibt die Aktivierung unserer eigenen Reihen, die Heranbildung einer neuen großen und recht vorbereiteten Führerschicht. Wir hoffen, daß eine Führertagung des deutschen Misrachi in absehbarer Zeit diese Frage der Kulturpropaganda behandeln und neue Wege zeigen wird, um der historischen Aufgabe, die dem deutschen Misrachi heute erwächst, gerecht zu werden. Von der Intensität unseres Willens, von dem Ausmaß unserer Leistung wird es abhängen, ob der Misrachi auch in Deutschland das wird, was sein Name beinhaltet und was heute keine Utopie zu sein braucht: Der Merkas Ruchani, das geistige Zentrum des deutschen Judentums. Ein Jahr religiöse Jugend-Alijah aus Deutschland Der erste Plan, eine religiöse Gruppe der Jugend-Alijah zu bilden, wurde bereits im Frühjahr 1932 gefaßt. Da aber die Einordnungsmöglichkeiten für die religiöse Jugend viel schwieriger waren als für die jüdische Jugend überhaupt und zudem die Jugend, die für die Alijah in Betracht kam, finanziell sehr ungünstig geschichtet war, konnte die erste Gruppe erst Anfang Juni 1934 nach Erez Israel geschickt werden. Der Kibbuz hatte seinen Meschek außerordentlich erweitert, um die ganze für Kibbuz Rodges bestimmte Jugendgruppe aufnehmen zu können. Vorwegnehmend darf dabei gesagt werden, daß die Einordnung dieser großen Gruppe doch verhältnismäßig rasch vor sich ging und. als geglückt zu betrachten ist. Dabei muß betont werden, daß wir unsere Aufgabe nicht nur darin sahen, den Jüngeren eine zweijährige Ausbildung in der Arbeit und im Lernen zu geben, sondern Gruppen der Jugend zu schaffen, die in ihrem persönlichen Leben die Erfüllung des Gesetzes mit der Arbeit verbinden und die Gemeinschaftsform des religiösen Kibbuz als ihre Lebensform wählen. Dem Kibbuz sind heute entscheidende Aufgaben des Aufbaus, der Eroberung der Arbeit und der Neuordnung des gesellschaftlichen Lebens gestellt. Für uns ist er außerdem wichtig dadurch, daß wir erst Kerngruppen arbeitender, religiöser Menschen schaffen müssen, um auf die geistige Richtung des wachsenden Jischuw in unserem Sinne wirken zu können. Auch wenn wir daher für unsere Menschen Aufgaben an jedem Orte, an dem sie später stehen werden, gestellt sehen, und wir sie dafür menschlich, jüdisch und beruflich vorbereiten wollen, ist unsere Erziehung auf den religiösen Kibbuz hingerichtet. Die Erziehung wird dadurch begünstigt, daß unsere Menschen im Kibbuz Rodges von Anfang an in die Atmosphäre des religiösen Kibbuz hineingestellt sind". Aus dem Bewußtsein gemeinsamer Verantwortung sollen sie erkennen die Elemente, die bisher in dem Gemeinschaftsleben zu kurz kommen mußten, und deren Gestaltung gerade dieser Jugend möglich sein kann, die wirtschaftlich gesichert hinüberkommt. Die Menschen der Chewrath Hanoar kamen nun zum größten Teil gut vorbereitet hinüber. Sie standen meist längere Zeit in der Brith- Hanoar in Deutschland, waren teilweise bereits Führer von jüngeren Gruppen und lernten eifrig hebräisch und jüdisch und beschäftigten sich mit den wesentlichen Fragen des heutigen Palästinas und des religiösen Kibbuzlebens. Natürlich legte man bei dieser vorbereitenden Arbeit, bei der Behandlung der Probleme in Unkenntnis der palästinensischen Wirklichkeit falsche Maßstäbe an. Sie glaubte, hier in Erez Israel eine ganz geschlossene ideale Gemeinschaft religiöser Arbeiter bilden zu können und mußte erst hier nach manchen Enttäuschungen sehen, daß dieses Ziel ganz allmählich, vielleicht von verschiedenen Gruppen, erst erfüllt* werden kann. Die Arbeit. Die Jugend kam anfangs mit einem sehr intensiven Willen zum Lernen und zur kulturellen Arbeit hinüber, ohne eine reale Beziehung zur Arbeit zu haben. Doch bald änderte sich dieses und heute kann gtfsagt werden, daß sie in fast allen Zweigen außerordentlich gut in die Arbeit hineingekommen ist und über die eigene Arbeit hinaus Verantwortung für den Meschek als Ganzes empfindet. -Es ist hierbei interessant,