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Zion · 1935-04-01 · 4-6 (4.1935) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
4-6 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 26 (sequence 12)
Language
German
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Seite 26 Z I O N Nr. 4-6 Jischuw Gegenstand ernster Besprechungen sein. Erfolgversprechender ist es, von einem anderen Ausgangspunkt an das Problem heranzutreten, vom religiösen Erleben her und seiner Funktion für die Formung und Gestaltung der Gemeinschaft. Das Thema ist weitgehend variierbar. Ich möchte hier, quasi als Beispiel, nur einen Aspekt aufzeigen, der in der augenblicklichen Situation nicht ohne Wirkung sein wird. Das Leben in Erez ist schwer und hart. Es stellt uns alle vor eine starke psychische Belastungsprobe. Welche Rolle hierfür, d. h. zur Stärkung des psychischen Gleichgewichtes, der seelischen Widerstandskraft, dem religiösen Leben zukommt, das kann gerade mit den Mitteln modernster psychologischer Analyse aufgezeigt und aufgehellt werden. Ist doch jüdische Religiosität, jüdisch religiöses Erleben vielleicht zu fassen durch den Begriff der Antizipation von Olam Haba für das irdische Leben des Alltags, seine Projizierung auf die Ebene der irdischen Wirklichkeit. Religion als Quelle schöpferischen Glücksgefühls, ihre Bedeutung für Charakter- und Persönlichkeitsbildung und damit ihr nationaler Wert für den Aufbau nicht nur eines Landes, sondern zugleich für den Wiederaufbau eines Volkes, soll eines der Themen sein, mit denen wir an die religiösindifferenten Kreise unserer zionistischen Brüder herantreten wollen. V. Mit diesen Andeutungen muß ich mich in diesem Zusammenhang begnügen. Welche Methoden sind nun aber einzuschlagen, um innerhalb der nichtzionistischen jüdischen Well für uns zu werben? Wiederum wollen wir eine* Zweiteilung vornehmen. Wir müssen scheiden zwischen den assimilierten Kreisen bzw. den liberalen Juden, die noch nicht den Weg zum Zionismus gefunden haben, und der Orthodoxie, die aus religiösen Bedenken abseits steht. In dieser „externen" Propaganda können wir uns auf weiten Strecken des Weges der allgemein-zionistischen Ideologie und der Form ihrer Werbearbeit bedienen. Für unsere Idee der Einheit von Religion und Nation, von Lehre und Volk werden wir im Gedankenkreis des heutigen Deutschland genügend Parallelen finden. Gerade an Kreise des liberalen Judentums wird man heule mit "religiöser Argumentation eher herankommen als mit reinpolitischer Definition, und ich habe die Erfährung gemacht, daß hier mehr Aufgeschlossenheit und Verständnis für die Bedeutung unserer religiösen Arbeit zu finden ist, als im allgemeinzionistischen Lager. Die Idee der religiösen Renaissance in Verbindung mit der nationalen Renaissance im Lande der Väter findet heute bei liberalen Führern ganz unerwartete Würdigung, Ihre Stellung zum Gesetz und zur Ueberlieferung hat sich unserer Auffassung schon in manchen Punkten genähert. Aber .auch diese Fragen sollen einer besonderen Darstellung vorbehalten bleiben. VI. Ganz anders steht es mit unserem Verhältnis zur Orthodoxie. Hier haben wir zunächst einmal schon sichtbare Erfolge aufzuzeigen. Das Geschehen der Zeit arbeitet für uns, und jeder Fortschritt im Lande, jede Erweiterung des religiösen Sektors ist ein Aktivum für unsere Werbetätigkeit. Schwierigkeiten bereitet es nur, die noch in Deutschland lebenden ostjüdischen Kreise auch organisatorisch zu erfassen. Es scheint, als haben wir auch für diese Gruppen die ihnen adäquate Sprache noch nicht gefunden. Zur Erklärung dient mir die eigentümliche soziologische und kulturelle Struktur des deutschen gesetzestreuen Judentums. Es bestand immer aus einer relativ kleinen Führerschicht hochintellektueller und hochkultivierter Persönlichkeiten, die innerlich das Problem Europas und die Idee der Assimilation überwunden hatten, und der Masse des einfachen gläubigen Juden, der im innersten seines Wesens noch prä-assimilatorisch war, der die unverfälschte Sprache des alten Judentums allein ver-r stand und verstehen wollte. Zwischen diesen beiden Schichten fehlte die Brücke. Das bedeutete für unsere Führerschicht die Gefahr, zu einem exklusiven Klub zu werben, die Gefahr der Intellektualisierung, der Vereinsamung, für die Massen der Gefolgschaft das Bewußtsein mangelnder Zugehörigkeit und Verbundenheit. Diese unsichtbare Scheidewand muß durchbrochen werden. Die Sprache der Thora kann allen verständlich und jedem lebendig werden. Die Aktivierung dieser unserer Freunde wird uns einen Strom von neuen Kräften zuführen. Die ersten Versuche, die wir in Berlin nach dieser Richtung hin gemacht haben, sind verheißungsvoll und erfolgversprechend. VII. An einer Schwierigkeit, die sich dieser Arbeit entgegenstellt, sind wir vorübergegangen. Sie liegt in der einseitigen Ueberschätzung der materiellen Not. Der Lebenskampf absorbiert heute den jüdischen Menschen in Deutschland so

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