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Zion · 1935-04-01 · 4-6 (4.1935) · p. Seite 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
4-6 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 25 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4*6 Z 1 0 N Seite 25 intellektuellen Sphäre liegen, vielfach in der Unkenntnis oder in falschen Vorstellungen vom Wesen der Ueberlieferung und der jüdischen Form. Es ist also nach der Richtung hin — sit venia verbo — apologetische Arbeit zu leisten. Nicht allzu viele „Jereim" besitzen die hierfür notwendigen Voraussetzungen. Es muß daher eine, vordringliche Aufgabe für uns sein, in unserem eigenen Kreis, Menschen zu erziehen, die neben der religiösen Kraft ihrer Persönlichkeit ein reiches Maß an jüdischem Wissen und Klarheit der Ausdrucksform ihr eigen nennen. Es kann und muß gelingen, für eine Fülle von Problemen präzise und klare Lösungsformeln zu finden, die wir unseren „Kulturpionieren" in die Hand geben können. Es muß und kann gelingen, dem Judentum der Ueberlieferung ein Sprachrohr zu schaffen für den Menschen unserer Zeit und unserer Kultur. III. Der zweite Weg — oder besser Umweg — wendet sich an diejenigen, von denen wir nicht Gefolgschaft, sondern nur Verständnis und Sympathie erwarten. Hier werden wir zwei Gruppen unterscheiden: die Zionisten und Nichtzionisten. Für die Arbeit im Kreis der nichtreligiösen Zionisten haben wir wenigstens ein Aktivum: die gemeinsame Plattform, das gemeinsame Forum der Diskussion in den zionistischen Ortsgruppen und Arbeitskreisen. Der Mangel an Führern, die über genügende Kenntnis der jüdischen Kultur verfügen, ist heute im deutschen Zionismus so groß, daß man sich gern an Misrachisten wendet, an Menschen, bei denen man von vornherein (wie ich glaube, mit Recht) vermutet, daß der jüdische Fundus ihrer Persönlichkeit reicher ist, als sie selbst es ahnen. Hier bietet sich uns eine einmalige ganz große Chance, auf das Kulturleben der deutschen Zionisten Einfluß zu gewinnen. Man sehnt sich nach Ueberau ttlung jüdischen Wissens ebensosehr wie nach dem Vertrautwerden mit urjüdischen Lebenskräften, mit dem Geheimnis der jüdischen Tradition, der jüdischen Lebensform. Wenn es möglich wäre, alle unsere Mitglieder zu aktivieren und 50 Prozent von ihnen hinauszuschicken als Instruktoren für das Judentum, als „Kulturpioniere", wir könnten für alle ein Arbeitsfeld finden. Aber leider zeigt sich hier die typische Schwäche jeder konservativen Bewegung: besser der „baalebattischen" Struktur unserer Gefolgschaft, der Mangel an Aktivität, der Mangel an Hingabefreudigkeit und Persönlichkeitseinsatz unserer Mitglieder. Noch schwieriger wird das Problem, weil es gilt, für die eigengesetzliche Welt des Thora-Judentums eine Sprache und Ausdrucksform zu finden, die dem Menschen des heutigen Europa verständlich und eingängig ist. Ich halte es daher für unsere erste Pflicht, den eigenen Kreis unserer Mitglieder, unsere Gefolgschaft, nicht nur unsere Jugend, die ihre eigenen Sorgen trägt und kaum meistern kann, sondern unsere Baalebatim, unsere Männer und Frauen, unsere Rabbiner und Lehrer, unsere Führer und Vertrauensmänner für diese besondere Form der Arbeit vorzubereiten, zu instruieren, aufzuschließen und sie einzureihen in einen großzügigen, mit Umsicht und Takt zu entwerfenden Plan religiöser Kulturwerbearbeit im angedeuteten Sinne. Wie dies zu geschehen hat, wollen wir heute nicht erörtern, dagegen wollen wir wenigstens in kurzen Strichen andeuten, mit welchen Argumenten u. a. und mit welcher Form von Beweisführung eine Atmosphäre von Verständnis und Sympathie im zionistischen Lager für uns zu schaffen ist. IV. Wir sind gewohnt, in diesem Zusammenhang auf die nationale Bedeutung des Gesetzes hinzuweisen. Für dieses Thema findet sich schon mancherlei sehr brauchbares Material in früheren Jahrgängen unseres Z i o n, in den Spalten des Jeschurun, und anderen Orts. Die Zusammenstellung der einschlägigen Literatur soll eine der Aufgaben sein, die eine einzusetzende Kommission für Kulturpropaganda zu bewirken hätte. Auch die Bedeutung ethischer und sittlicher Kultur und Disziplin für den gesunden Aufbau eines Volkskörpers ist ein Gedanke, der sich in diesem Zusammenhange immer wieder vordrängt. Es läßt sich an Hand von historischen Beispielen einwandfrei der Beweis führen, daß mit der Lockerung des sittlichen Lebens, mit dem Bruch der sexuellen Zucht und Moral der Niedergang jedes Volkes beginnt. Besonders aufschlußreich nach dieser Richtung hin ist ja für jeden nationalen Politiker und Volkswirtschaftler die sehr ernste Frage der Geburtenbeschränkung bzw. Geburtenverhinderung. Aber man hüte sich hier besonders vor falschem Pathos, man sichere sich entsprechende Distanz zu den Problemen des Lebens. Immerhin darf und soll das Thema von der v o l k s b i 1 d e nden und volkserhaltenden Kraft des jüdischen Familienlebens in der strengen Form seiner Zucht und Reinheit im Gegensatz zu einem falsch verstandenen Freiheitsbegriff im antireligiösen

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