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Zion · 1935-04-01 · 4-6 (4.1935) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
4-6 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 23 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4*6 Z I 0 N Seite 23 dem neuen jüdischen Leben ausschalten, das in Erez Israel entstanden war; die Agudah wurde von ihrer Jugend gezwungen, Erez Israel und seinen Aufbau als die einzige Realität des jüdischen Lebens anzuerkennen, und jetzt versuchte man sich einzuschalten. Wir wissen nicht, ob die Agudahjugend von ihrem neuen Partner, dem Frontbund, sehr begeistert sein wird, wohl aber wissen wir, daß sie entrüstet sein wird, wenn sie die Rechnung lesen wird, die der Frontbund in seinem Organ anstellt, um nachzuweisen, daß Palästina nur imstande gewesen ist — nur — ein Drittel der aus Deutschland ausgewanderten Juden aufzunehmen, damit man klar erkennen soll, daß es sich nur um ein ganz untergeordnetes Teilproblem der Auswanderung dabei handelt: „Der Vergleich mit der Gesamtauswanderungsziffer von 80 000 läßt klare Rückschlüsse auf die reale Bedeutung Palästinas als Auswanderungsziel für deutsche Juden zu." Die Agudahjugend weiß, daß ihr — und ihr mehr noch als anderer Jugend — nur eine Auswanderungsmöglichkeit gegeben ist, Ere& Israel; für diese Jugend ist Palästina nicht nur ein religiöses Problem, das es für ihre im Galuth so ruhig und fest verankerten Führer und für ihre jetzt neu entdeckten Glaubensbrüder vom RjF. ist. Für sie ist Erez Israel genau dasselbe nationale, soziale, wirtschaftliche und Lebensproblem, das es für die gesamte jüdische Jugend ist. Ihr Leben ist allerdings durchblutet von ihren religiösen Idealen und sie trennt nicht ihr religiöses. Empfinden von ihrem sonstigen Leben. Die Argumentation der Agudah und des Frontbundes von ihrer gemeinsamen religiösen Grundhaltung zum Palästina-Aufbau ist von einer inneren UnWahrhaftigkeit, die grotesk ist. Doppelt traurig bei der Agudah, die sich berufen fühlt, stets und überall als Sachwalter der Religion — was gleichbedeutend sein sollte mit Wahrhaftigkeit — aufzutreten. Sie hat sich einen würdigen Partner ausgesucht, der bei seinen Manövern gegen den Zionismus heute unter dem Deckmantel der Religiosität kämpft, um morgen wieder unter seiner eigentlichen assimilatorischen Devise gegen ihn aufzutreten. Dieser Unwahrhaftigkeit gegenüber spielt es gar keine Rolle mehr, wenn der Leiter der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Dr. Ehrmann, in einer Versammlung in Königsberg, die gemeinsam mit Frontbund und Central-Verein für den religiösen Aufbau Palästinas abgehalten wurde, mit Zahlen operierte. die beim Neuling in palästinensischen Dingen ganz falsche Vorstellungen von Ausmaß und Wirkung der Palästina-Arbeit der Agudah hervorrufen müssen. Und alles dies verbunden mit beweglichen Klagen über den unjüdischen, den gottlosen Aufbau des Landes durch seine national gesinnte Arbeiterschaft. Was hat die Agudah dazu getan, daß der Aufbau im religiösen Sinn beeinflußt werde? Hat sie bis zum Jahre 1934 auch nur eine einzige religiöse Siedlung geschaffen? Der einzige Versuch dazu vor etwa 10 Jahren in Machane Jisroel ist zugrunde gegangen. Auch der Misrachi beklagt die Einstellung der Histadruth zu den Fragen jüdischer Tradition, er kritisiert die unbefriedigenden religiösen Zustände im Lande in aller Schärfe und Oeffentlichkeit, aber er versucht auf die Dinge durch Mitarbeit Einfluß zu nehmen, durch Mitübernähme der Verantwortung und durch eigene Leistung, nicht aber dadurch, daß er eine unwürdige Verbrüderung mit den assimilatorischen Feinden des Aufbaus eingeht. Wir neiden der Agudah nicht die Bundesgenossenschaft und Gefolgschaft des Frontbundes. Wir wundern uns nur über die Harmlosigkeit der ehrlichen Anhänger der Agudah, besonders in den Kreisen ihrer sich für Palästina vorbereitenden Jugend, die sich von Männern führen läßt, die so stark des Fingerspitzengefühls entbehren, daß sie als Angehörige von Austrittsgemeinden Arm in Arm mit Vertretern des Reformjudentums für religiöse Interessen (und wenn es sich auch „nur" um solche in Palästina handelt) eintreten. Auch der Misrachi arbeitet für Palästina mit Menschen zusammen, die religiös auf einem diametral dem seinigen entgegengesetzten Standpunkt stehen. Der Unterschied ist der, daß er das nicht auf einer anfechtbaren Basis tut, sondern unter dem offenen Bekennen, daß er gegen den religiösen Standpunkt seiner Bundesgenossen ankämpft, sich aber mit ihnen eins fühlt in dem Willen, das Land aufzubauen und das Volk in das Land zurückzuführen.

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