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Zion · 1935-04-01 · 4-6 (4.1935) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
4-6 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 22 (sequence 8)
Language
German
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Seite 22 Z ION Nr: 4-6 Kongreß bot durch sie ein Bild schauriger Zerwürfnisse, statt der Judenheit das zu zeigen, was er seiner Aufgabe gemäß ist und was der kommende Kongreß zu zeigen haben wird: die Richtlinien der praktischen Arbeit zur Rettung des Volkes, das Bild eines Volkes mit einer entschlossenen Führung, eines Volkes, das sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen gewillt ist Agudah & Co. Alexander Adler. Es ist manchmal reichlich schwer, keine Satire zu schreiben, und wären die Zeiten für die Juden Deutschlands leichter, und der Anlaß, dessentwegen diese Zeilen geschrieben werden, nicht so beschämend für einen Juden, dem die Zusammenfassung der Judenheit im Interesse des Aufbaus von Erez Israel eines der höchsten Gesetze des Judentums unserer Tage ist, so würde eine Satire genügen. Es liegt einige Monate zurück, als man versuchte, die gesamte konservative Judenheit Deutschlands — Gemeindeorthocloxie, Agudah und Misrachi — zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzufassen, um gemeinsam die Forderungen des jüdischen Gesetzes mit größerer Nachdrücklichkeit zu vertreten, und um für Verbreitung von jüdischer Kultur besonders in Kleingemeinden besser sorgen, zu können. Die Agudah lehnte es ab, gemeinsam mit dem Misrachi für religiöses Judentum in Deutschland zu arbeiten. Jetzt hat sich folgendes ereignet: Die Agudas Jisroel verbindet sich zum Zwecke des religiösen Aufbaus von Palästina mit dem Reichsbu,nd jüdischer Frontsoldaten! Die Agudas Jisroel in Deutschland, vertreten durch die Rabbiner und Vorkämpfer der Trenriungsorthodoxie0 mit dem RjF., vertreten unter anderen durch die Rabbiner der Berliner Reformgemeinde! In der gemeinsamen Erkenntnis, daß der Aufbau Palästinas kein politisches, kein volkliches, kein nationales Problem, sondern ein rein jüdischreligiöses Problem darstellt, verbrüdert sich Dr. Isaak Breuer, Frankfurt a. M., mit dem Reförmrabbiner Dr. Rose n t h a 1, Berlin, denn — so erklärt der Frontbund in seinem Organ —: „Palästina ist für uns die geweihte Stätte alter religiöser Tradition." Jetzt wissen wir es, und mit uns sollen es die weitesten Kreise des Judentums wissen, die Agudah kann mit dem Misrachi zusammen religiöses Judentum in Deutschland nicht fördern, aber mit dem Reformjudentum hat die Agudah eine gemeinsame Plattform: den religiösen Aufbau Palästinas. So kämpft also die Agudah für Religion in Palästina, wie sich diese im Kopfe eines Reformers Berliner Observanz spiegelt, der Reformrabbiner für ein Palästina, das auch die schärfsten und minutiösesten Vorschriften des Schulchan Aruch im Leben des Landes zur Geltung bringt. Was, fragen wir uns, hat dieses Bündnis, vor dem alle Gegensätze zurücktreten dürfen, zustande gebracht? Die Liebe für Land und Volk oder der Haßgegend e n Zionismus, von dessen vierzigjähriger Arbeit man sich heute nicht scheut, Nutznießer zu sein und aus dessen Händen man auf dem Umweg über" die Jewisch Agency nur allzu gern Zertifikate zur Einwanderung nach Palästina entgegennimmt. Seit 40 Jahren arbeiten Juden aller Richtungen gemeinsam am Aufbau Palästinas, selbstverständlich unter Abstinenz der jetzt sich verbrüdernden Verbände, aber für alle war Raum in der zionistischen Bewegung, und erst recht in der 1929 geschaffenen Jewish Agency, für alle bestand die Möglichkeit, auf die Gestaltung des Lebens im Lande Einfluß zu nehmen. Die stärksten Faktoren des Aufbaus prägen das Gesicht des Landes, und eine geeinte Orthodoxie hätte die Möglichkeit gehabt, maßgebend zu sein und ihr Gesicht dem Lande zu geben. Die Agudah hat sich, solange der Erfolg noch nicht gesichert war, solange ihre Menschen, die ja bekanntlich die Galuth bejahen, noch nicht zur Auswanderung gezwungen waren, bewußt und systematisch mit der Begründung ferngehalten, Erez Israel sei ihr das heilige Land, das sie nicht gemeinsam mit Menschen aufbauen könne, die sich nicht dem jüdischen Gesetz in seiner Totalität unterwerfen. Dem Misrachi allein blieb die Aufgabe, sich mit den vom jüdischen Gesetz abgewandten Kräften auseinanderzusetzen und sich unter unsäglichen Mühen als Minderheitsgruppe unter ihnen seinen Platz zu erkämpfen. Die Agudah bekämpfte den Zionismus, bekämpfte den Misrachi, bekämpfte den ganzen Aufbau — nichts, aber auch gar nichts hat sie für das Entstehen neuen Lebens in Erez Israel in all den Jahren bis 1933 geleistet. Aber seit dem Jahre 1933 ging es nicht mehr mit dem Kampf gegen Palästina, denn die jungen, arbeitswilligen Kräfte, die auch bei der Agudah vorhanden waren, ließen sich nicht länger aus

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