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Zion · 1935-04-01 · 4-6 (4.1935) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
4-6 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 21 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4*6 Z I 0 N Seite 21 kraft, das Bewußtsein der Menschen jedoch ausgefüllt von den Strömungen der Zeit. So läßt das Stadium der zionistischen Verwirklichung auf dem Boden unserer Bewegung einen Kampf fremder weltanschaulicher Mächte zum Austrag kommen. So entzündet sich, bevor noch der Umfang unserer Rechte auf das Land klar festgestellt ist, bevor noch unsere Arbeit über eine — wenn auch verheißungsvolle — Kleinkolonisation hinausgekommen ist, an der Frage des „Wie" unseres Aufbaues der Gegensatz eines Nationalismus und eines Sozialismus, die — ganz natürlicherweise — einem der jüdischen Wirklichkeit fremden Boden entwachsen sind; kein Nationalismus und kein Sozialismus, die einzig der eigenartigen geistigen Tradition und der spezifischen Wirtschaftsstruktur des jüdischen Volkes entsprachen, die als Ideen aus der Besonderheit der jüdischen Situation „abgezogen" waren, traten auf den Plan. All das war zwar erfaßbar, aber erfaßte nicht. Dieser Kampf zweier Anschauungen, für die es letztlich keine Synthese gibt, muß zum Auseinanderfall unserer Organisation führen, wenn nicht die Wirklichkeit diesem Kampf den Boden entzieht oder zum Umdenken zwingt. Es ergibt sich so die Zwangsläufigkeit, das Schicksalhafte des Zerfallprozesses, den wir in den letzten Jahren sich anbahnen sehen und demgegenüber der konkrete Anlaß des Austritts, die Disziplinklausel, völlig unwesentlich erscheint. Für den Kongreß wird durch den Austritt der Revisionisten eine eigentümliche Lage geschaffen. Der übermächtig gewordene linke Flügel hat — mit allen anderen Gruppen — das natürlichste Interesse daran, die separatistische „Neue Zionistische Organisation" nicht als gleichberechtigte Instanz neben der Zionistischen Organisation aufkommen zu lassen. Das Ausscheiden weiterer Gruppen ist völlig untragbar. Der Kongreß muß trotz des Uebergewichtes der „Linken" sein Ansehen als der große Zusammenschluß aller den Palästinaaufbau wollenden Kräfte wahren. Man darf seine Uebermacht nur hintergründig auswerten, aber nicht in der sichtbaren Arbeit des Kongresses. Man darf nicht rücksichtslos majorisieren. Man muß zu Zugeständnissen bereit sein. Hier wird ein machtpolitisch orientierter Misrachi seine Chance finden. Womit wieder die alte Frage aufgeworfen ist, ob der Misrachi als solcher auch ein machtpolitisches Anliegen habe. Bedeutsamer jedenfalls als die Erlangung politischer Positionen wäre es, wenn wir eine große dritte Front, die große geistesgeschichtliche Gegenposition darstellen könnten, deren nationale und soziale Komponente lediglich am Judentum orientiert wäre. Aber um eine derartige Haltung einzunehmen, müßten wir anders sein, als wir sind. Der Riß geht ja auch durch unsere Reihen, selbst durch die Brust des Einzelnen. Erkenntnis- und willensmäßig können wir uns am Judentum auszurichten bebestreben, seinsmäßig sind wir es weitgehend nicht. Die Zeit der großen zu innerst jüdischen Bewegung ist noch nicht gekommen. Also hat der Misrachi noch keinen Ruf für die anderen, über seinen eigenen Kreis hinaus? Vielleicht haben wir doch gerade in dieser gefahrvollen Lage des Zionismus ein eigenes Wort zu sprechen. Vielleicht gibt uns die Unabhängigkeit von den Flügelparteien, das Verständnis für die Gutwilligkeit Aller, das Recht und die Möglichkeit, an der Wiedervereinigung zu arbeiten. Denn die Geschlossenheit einer gesamtzionistischen Organisation ist heute wichtiger als je. Die gesamte jüdische Assimilation, die nicht mehr an das glauben kann, was sie gestern angebetet hat, sieht auf uns Zionisten — als den ruhenden Pol, als die um ein klares Ziel Wissenden. Sie wird sich durch den Hinweis auf unsere Zerrissenheit vor der entscheidenden Frage drücken. Wird der Weltmisrachi das richtige Wort zu unserer gefahrvollen Lage sprechen? Der Brief, den Rabbi Fischmann an die Delegierten des Misrachi-Weltkongresses kürzlich gerichtet hat und der die maßgeblichen Leitsätze künftiger Misrachi-Politik aufführt, läßt es vermissen; Die Forderungen bleiben unverändert die alten. „Außenpolitisch" erscheint das mit den Revisionisten gemeinsame Programm diesmal besonders betont: Der Judenstaat auf beiden Seiten des Jordan, die jüdische Mehrheit usw. Auch die mittelständische Ansiedlung fehlt nicht, die Ausschaltung des Klassenkampfes zugunsten nationaler Arbitrage.' Nicht gebührend durchgesetzt hat sich jedochdie Einsicht, wie notwendig die Schaffung eines autonomen religiösen Siedlungswerkes ist, wie notwendig es ist, den anderen etwas zu zeigen anstatt zu sagen; Auch seine Endzieldebatte wird auf Rabbi Fischmanns Wunsch der Kongreß haben. Hoffen wir, daß sie nicht zu einer weiteren Zerklüftung unserer Organisation führen wird. Gewiß soll Klarheit über das „Endziel" bestehen, gewiß soll die Anhängerschaft nicht in dem Glauben sein, die Führung „gebe etwas auf" oder vertrete ein minimalistisches Programm. Doch die Erfahrung mit dem Ueberhandnehmen derartiger Debatten ist zu betrüblich. Der letzte

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