Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 4-6 (4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 Z I O N Nr. 4*6 Nun haben jene die Sümpfe getrocknet, die Wege gebaut und die Siedlungen geschaffen. Auch unsere Menschen haben m i tg e h o 1 f e n. Wir hatten immer bei uns Arbeiter auch auf den gefahrvollsten und schwersten Gebieten der Aufbautätigkeit, aber unsere Organisation hat es nicht verstanden, daß diese unsere Pionieredas wichtigste Aktivum für das Thorajudentum in Erez Israel darstellen. Man hat geglaubt, die Pioniere des Geistes, die wir stellten, seien wertvoller für den Aufbau. Man hat nicht verstanden, daß der Spaten und die Turiah in den Händen „unserer Menschen" wertvollste Gerätschaften für den Aufbau des Landes im Geiste der Thora darstellen. Die Wirklichkeit aber ist, daß nur der mit seinem Schweiß und seiner Hände Arbeit den Aufbau bewirkende Arbeiter den Geist des Landes prägt. Leistet er die Arbeit im Namen der Thora, so herrscht im Lande der Geist der Thora, tut er sie im Namen eines fremden Ideals, so hat dieses die Macht in der Hand. Und die Anhänger dieses fremden Ideals haben die Hauptarbeit bisher geleistet. Die misrachistische Arbeiterschaft hat bisher von ihrer Mutterorganisation wenig Förderung erhalten, auf Schritt und Tritt hat man ihr Steine in den Weg gelegt, hat versucht, sie zu bevormunden, ihre eigene Entwicklung aufzuhalten. Es ist natürlich, daß diese Arbeiterschaft sich unter solchen Umständen nicht so entwickeln konnte, wie das notwendig gewesen wäre, daß sie nun auch von sich aus in einen Gegensatz geriet zur Arbeitsweise und auch zur Ideologie des von den „geistigen Führern" geprägten und beherrschten „Altersmisrachi". In der Welt des Zionismus aber und in der Welt der aufbauenden Kräfte Erez Israels entstand der für uns und unsere Wirkungsmöglichkeiten katastrophale Eindruck, als sei Gesetzestreue und der Wille zum Aufbau unseres Landes unter Einsatz der ganzen Persönlichkeit des Menschen gegensätzlich zueinander, man betrachtete uns als die „Koscherwächter", die von den anderen die physische Arbeit verlangten, von der sie profitieren wollten, die sie aber nicht selber mitmachen. Man sah in uns die ewig Fordernden, aber nicht die sich selber Gebenden. Und auch in unseren eigenen Reihen mußte dieser Gedanke aufkommen. Auch bei uns entstand der unserer ganzen zionistischen Bewegung so überaus schädliche Gegensatz zwischen Baalebatim und Arbeiterschaft, zwischen zwei „Menschenklassen", der produktiv tätigen, nach körperlicher Arbeit hungern- . den, und der geruhsamen, auf das geistige Gut, das die Altvorderen geschaffen haben, pochenden, sich in Forderungen genugtuender Baalebathie, der jüdisch-satten, die da meint, alle Weisheit und alle Gerechtigkeit bei sich zu haben, die das Galuthleben einfach nach Erez Israel verpflanzen zu können, und dadurch die Geulah herbeizuführen glaubt. Unsere Jugend aber hatte erkannt, daß das jüdische Gesetz nicht erfüllt werden kann durch die Judenheit in ihrer heutigen sozialen und beruflichen Struktur, daß dem Gesetz neue Kräfte zugeführt werden müssen durch die Betätigung seiner Au-, hänger auf allen Gebieten des Lebens, besonders aber in der Beschäftigung auf und mit dem Boden Erez Israels, daß die Kräfte, die wir säen in den Boden unseres Landes „bekeduscha übe taharah" hundertfältige Saat erbringen nicht nur für den Sämann selber, sondern für die Gesamtheit, der er angehört, nicht nur auf materiellem Gebiet, sondern auch auf dem geistigen, daß unser Gesetz erst seine Erfüllung findet, wenn Körper und Geist gleichmäßig in den Dienst von Volk und Land gestellt werden. Diese Gegensätze führten einen Kampf herbei, der sich notgedrungen häufig wie ein „Klassenkampf" auswirkt, von dem in seinem allgemein gültigen Sinn unsere Arbeiterschaft als ein nicht als jüdisch anzusprechendes Maxim weit entfernt steht. Das Leben Erez Israels wird beeinflußt nur von der produktiv schaffenden Einwohnerschaft, denn das Problem des Landes ist sein Aufbau ' durch die produktiven Kräfte unseres Volkes. Nicht die Stadt gibt dem Lande ihr Gesicht, sondern die Umwandlung des verwüsteten und brachliegenden Landes in einen blühenden Garten Gottes. Nicht durch das Hervorwachsen jüdischer Großstädte wird an der Lösung des Judenproblems gearbeitet, sondern durch die Ueberführung von Zehntausenden von städtischen Juden zu einem normal lebenden und körperlich arbeitenden Volk auf dem Boden, den Gott uns verheißen und auf ewig zugesprochen hat. Hier liegt die Quelle unserer Kraft, aus ihm erwächst uns die Möglichkeit, unserer Aufgabe als Juden mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen zu dienen. Von hinter dem Pfluge weg sind unsere Richter, unsere Könige und unsere Propheten zu ihrer geistigen Aufgabe gerufen worden, Segen des Feldes war unsere Lohnverheißung, Fluch des Bodens war die Strafe für unser Volk in den Zeiten des Niedergangs. Lclzte Glücksverheißung unseres Volkes: Jeder sein eigener Herr unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum. Es ist unsere lelzte und heiligste Pflicht, unsere