Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 4-6 (4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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MONATS BLÄTTER FÜR LEHRE, VOLK, LAND Herausgegeben vom Zentralbüro der Unabhängigen Misrachi Landesorganisation Deutschlands BEZUGSPREIS RM. 1,50 PRO QUARTAL - ZU BEZIEHEN DURCH DEN HERAUSCEBER ODER DURCH DIE POST Nr. 4/6 Berlin, April-Juli1935. Ijar-Tamus 5695 VII. Jahrg. Aufgaben und Wege des Misrachi. (Bemerkungen zu der in Krakau stattfindenden Weltkonferenz des Misrachi) Der ungeheure Aufschwung, das Tempo und Ausmaß des Palästina-Aufbaus in den letzten Jahren macht es nötig, sich darüber Rechenschaft zu geben, ob auch der misrachistische Anteil an dem Aufblühen unseres Landes der Bedeutung entspricht, die dem Misrachi im Rahmen des jüdischen Volkes gebührt. Kein objektiver Beobachter kann diese Frage mit einem „Ja" beantworten, im Gegenteil, man muß mit Bedauern, ja mit Trauer konstatieren, daß der Erfolg der misrachistischen Bemühungen um den Aufbau unseres Landes auf allen Gebieten der Tätigkeit im Lande und außerhalb desselben erschreckend weit hinter den Erwartungen, die man hegte, zurückgeblieben ist. Das kann uns nicht den Beweis liefern, daß unsere Idee falsch war. Das ist kein Beweis dafür, daß es nicht möglich wäre, unser Volk und unser Land in Uebereinstimmung mit der Lehre unserer Väter zu beeinflussen und neu zu beleben. Es ist nur ein Beweis dafür, daß die bisher angewandten Methoden und der bisher begangene Weg nicht die richtigen waren. Es muß uns veranlassen, einen anderen Weg zu gehen, der mehr Erfolg verspricht, die Methoden zu suchen, die uns stärkeren Einfluß auf die Gestaltung des Lebens von Erez Jisrael ermöglichen. Bis heute war die Basis der Misrachi-Arbeit: Politik und Chinuch. — Das war eine gute und entsprechende Basis in den Zeiten des „politischen Zionismus" und des „praktischen Zionismus" der Vorkriegszeit. Die Basis hat sich als zu schmal erwiesen, seitdem nach der Ballour- Deklaration Erez Israel und seine Aufbauprobleme in das Stadium der Verwirklichung traten und mehr und mehr die Herrschaft in der zionistischen' Bewegung und die Machtposition in Erez Israel aus den Händen der Theoretiker in die Hände der direkt am physischen Aufbau teilnehmenden Kräfte überging. Es war unser Fehler, daß wir glaubten, die Menschen, die im Lande vorhanden waren, und die neu hinzukommenden, beeinflussen zu können in unserem Sinne, indem wir nur ihre Kinder erziehen, im Geiste der Thorain einem Augenblick, in dem Tausende und aber Tausende von Menschen ins Land strömten, um die Mizwa Geulath Haarez zu erfüllen und in dem die Menschen alle anderen Mizwoth zurücktreten ließen, um diese voll erfüllen zu können. In diesen Jahren war kein Verständnis vorhanden für die Erfüllung der kulturellen Aufgaben, die wir uns gestellt hatten. Und nicht, weil wir etwa glauben, Erziehung zum Gesetz dürfe zurücktreten vor anderen Aufgaben, sondern in der Erkenntnis, daß unsere Aufgabe nicht erfüllt sein kann mit der Einwirkung auf andere, daß wir nur einen Ausschnitt aus den uns obliegenden Aufgaben in Angriff nehmen, wenn wir für Schule, für Rabbanuth und Kaschrüth sorgen, hätten wir mit aller Kraft in den Arbeitsprozeß des Landes eingreifen müssen, um an derselben Stelle mittätig zu sein wie all die vielen Tausende von Olim, die nicht auf unserer jüdischen Basis stehen.