Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 1-3 (1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3133276-3139374-3139375--0999-3140516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seilt» 8__ZJ sein und die Bewegung der B'n e A k i b a Fortschritte zu machen. Doch bleibt auf diesem Gebiete noch viel zu tun. Nicht weniger wichtig als das Schulwerk ist für den Aufbau Erez Jisraels im Geiste des geschichtlichen Judentums die religiöse Arbeiterschaft, die sich im Hapoel Hamisrachi organisiert hat. Die Organisation dürfte heute gegen 4000 Mitglieder im Lande zählen. Das ist keine i überwältigende Zahl, aber immerhin bildet diese Gruppe einen beachtlichen und stark beachteten Faktor im Neuen Jischuw. In den letzten Jahren schreitet endlich, nach langen Kämpfen und schweren Anstrengungen, das Kolonisationswerk des Hapoel Hamisrachi rüstig vorwärts, das bekanntermaßen in Kibbuz Rodges seinen Hauptstützpunkt besitzt Neuerdings wird auch die Kulturarbeit eifriger betrieben durch Errichtung eines „Seminars" in Tel Aviv, an dem Kurse, Vorträge, Schiurim gehalten werden. Viel ließe sich noch tun, nicht zuletzt gerade auf kulturellem und propagandistischem Gebiet, wenn größere Geldmittel zur Verfügung ständen. Wie ein Symbol des heutigen Hapoel Hamisrachi mutet das Gebäude des Hauptbüros in Tel Aviv an: ein schöner, solider Bau, von dem jedoch nur der erste Stock vollendet ist — das zweite Stockwerk wartet auf die eifrigere Mitarbeit der religiösen Kreise ... Wertvolle Stützpunkte für einen religiösen Aufbau des Landes bilden sodann die, freilich nicht allzu zahlreichen, religiösen Kolonien und sonstigen Siedlungen, die unabhängig vom Hapoel Hamisrachi existieren.. Hierher gehören z. B. Kfar Chassidim, B'ne B'rak, teilweise Petach Tikwa. Viel kommt darauf an, wie die Jugend in diesen Siedlungen erzogen wird. Es scheint aber, daß es gerade damit allerlei Schwierigkeiten hat. Weiterhin sind verschiedene Vereinigungen bemerkenswert, die sich, jede in ihrer Art, die Hebung und Förderung des religiösen Lebens und der religiösen Kultur im Lande angelegen sein lassen. Von den großen Organisationen des Misrachi und der Agudat Jisrael soll dabei abgesehen sein. Ich denke hauptsächlich an eine Reihe unpolitischer Vereine. In Jerusalem gibt es z. B. die Histadrut Jeschurun, eine Vereinigung, die zur Zeit dabei 'ist, eine große Zentralsynagoge in der Neustadt zu errichten und zu deren Programm es gehört, jüdische Kultur im Sinne des religiös-nationalen Judentums zu pflegen. Sie unterhält bisher in einem provisorischen Raum einen schönen, geordneten Gottesdienst, der außerordentlich stark 0 N _ Nr, 1*3 besucht ist. Alljährlich am Chol Hainoed Pesach veranstaltet sie in dem großen Hof ihrer Synagoge eine öffentliche „Chagiga" unter Mitwirkung eines guten Knabenchors und einer Musikkapelle. Die Feier, an der ich schon einmal teilnehmen konnte, war von vielen Hunderten besucht. Rabbi Kuk, der zufällig anwesende Präsident Sokolow, Rabbi Meir Berlin und andere hielten Ansprachen. Das Erfreulichste ist, daß die Histadrut Jeschurun vor allem die jüngere Generation anzuziehen versucht und ihr Bestreben anscheinend besten Erfolg hat. Eine andere Vereinigung rein kultureller Art ist der Irgun Zeirim Lelimude Hajah a d u t, eine Organisation, die hauptsächlich Bibel, Talmud, Religionsphilosophie, Geschichte in Vorträgen, Kursen usw. pflegt. Ihr Zentrum ist in Tel Aviv, sie hat aber bereits Filialen in verschiedenen anderen Städten. Nicht unerwähnt darf die religiöse Studentenverbindung J a b n e bleiben, die von einigen Universitätsprofessoren stark gefördert wird. Im letzten Jahr hat sich eine neue Vereinigung gebildet, die freilich etwas anderen Charakter besitzt: die B'ne Hillel. Es scheint sich mehr um eine Art Klub zu handeln, der vor allem die irgendwie religiös und traditionsfreundlich gerichtete Intelligenz zu erfassen sucht. Zu den führenden Männern der Vereinigung gehört Oskar Wolfsberg. Recht gering ist der Anteil des religiösen Judentums an Literatur, Kunst und Wissenschaft. Immerhin gibt es einige hervorragende Gelehrte, Erzähler, Publizisten, bildende Künstler, die im Lager des religiösen Judentums stehen und entsprechend wirken. Auf dem Spezialgebiet der rabbinischen Wissenschaft liegen äußerst wertvolle Leistungen vor, eine Mischnakonkordanz, große Werke Rabbi Kuks, Gutachtensammlung der Geonim usw. Die Erzählungsliteratur besitzt in den Schriften Agnons einen besonders kostbaren Schatz. Auch sonst gibt es selbstverständlich noch vielerlei literarische Erscheinungen neueren Datums, die im Geiste der Ueberlieferung gehalten sind. Ebenso existieren einige Wochenblätter religiöser Art, wie die wöchentlich erscheinende „Netiwa", außerdem haben wir die ausgezeichnete Monatsschrift „Hahed". Aber im ganzen gehört bedauerlicherweise die Geisteskultur zu den Gebieten, auf denen sich das religiös-nationale Judentum im Erez Jisrael der Gegenwart noch wenig schöpferisch erwiesen hat1). *) Vgl. A. Schlesinger, Zur religiösen Wesensfrage des neuhebräischen Schrifttums, „Zion" V. Jahrgang, Nr. 1 und 2/3,