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Zion · 1935-01-01 · 1-3 (1.1935) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
1-3 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1*3 Z I 0 N Seite 7 Wir hoffen, daß, ungeachtet aller grundsätzlichen Gegnerschaft zwischen der Orthodoxie jenseits des Zionismus und uns freundliche Beziehung walten werden. Für uns wird das allerdings nicht abhängig sein dürfen, von unserem Platz im Zionismus. Der steht fest. Aber es gibt ja auch unter dieser Voraussetzung Möglichkeiten der Korperation, wenn die Orthodoxie weiter Bedenken trägt, im Zionismus oder in der Jewish Agency Heimat zu finden. Ich will jedenfalls diesen Aufsatz nicht schließen, ohne ein ausdrückliches Wort der Bejahung gesprochen zu haben. Unsere religiöse Habe in Erez Jisrael. Von Schear Jaschub. Daß die Wirklichkeit fast immer hinter dem Ideal zurückbleibt, gehört zur allgemeinen Tragik der menschlichen Dinge, Wenn aber zwischen Ideal und Wirklichkeit eine ungewöhnlich tiefe Kluft gähnt, so liegt eine Schuld vor, eine Schuld derer, die es nicht verstehen oder nicht vermögen, den Abstand wenigstens auf ein erträgliches Maß zu bringen. Die religiöse Lage in Erez Jisrael ist bekanntlich so, daß sie nicht entfernt dem Ideal entspricht, das auch nur der religiöse Durchschnittsjude vom werdenden jüdischen Nationalheim in sich trägt. Die verbreitete öffentliche Entweihung des Schabbat, die zahlreichen nichtrituell geführten Hotels, Pensionen, Arbeiterküchen usw., die unreligiöse Erziehung eines großen Teils der Jugend, die Gleichgültigkeit oder Abneigung weiter Kreise gegenüber religiösen Fragen und Dingen, das alles ist schon oft behandelt und beklagt worden. Und auch darüber besteht kein Zweifel, daß die Hauptschuld an diesem Zustand die religiöse Judenheit selbst trägt, die, vom „Misrachi" und Einzelausnahmen abgesehen, jahrzehntelang den Aufbau des Landes unverzeihlich vernachlässigte und sich auf unfruchtbare Kritik dessen beschränkte, was inzwischen die anderen, teilweise unter schwersten Opfern, vollbracht hatten. Trotzdem darf nicht übertrieben werden. So unzulänglich im ganzen die religiöse Lage im Lande ist, so unrecht wäre es, sie als gänzlich verfahren und hoffnungslos anzusehen. Im Gegenteil, in den letzten Jahren scheint sich eine merkliche Besserung anzubahnen und langsam ein religiöses Erwachen zu beginnen. Es soll im folgenden versucht werden, eine Art kurze Bilanz des Besitzes des überlieferten religiös-nationalen Judentums im Lande aufzustellen unter Absehung jedoch vom „Alten Jischuw", der an sich natürlich einen wichtigen positiven Faktor bildet. Was zuerst und am stärksten schon äußerlich in Erscheinung tritt, ist die verhältnismäßig große Zahl der Synagogen — mit Ausnahme von Haifa —, und was noch erfreulicher ist, die überaus große Zahl ihrer Besucher am Schabbat und Festtagen. Ebenso gibt es in allen Städten und in einigen größeren Kolonien eine beträchtliche Anzahl von Jeschiwot. Ferner muß hier der Oneg Schabbat genannt werden, der nicht nur in Tel Aviv, sondern auch sonst im Lande eine große Anziehung gerade auf die weniger religiös gerichteten Kreise ausübt. Schließlich gehört in diesen Zusammenhang die Erwähnung der in der Verfassung der Knesset Jisrael verankerten Stellung des R a b b i n a t s. Obwohl es heute eine dringliche Rabbinerfrage gibt und im allgemeinen die Rabbiner nicht die Rolle im öffentlichen Leben spielen, die ihnen zukäme, so genießen sie doch in sehr weiten Kreisen hohes Ansehen und besitzen einen gewissen Einfluß, nicht zuletzt dank der persönlichen Eigenschaften und der Bedeutung des Oberrabbiners Kuk und einiger anderen seiner Kollegen. Ein zweites positives Moment bildet das Bestehen einer, in bestimmten Grenzen sogar allgemein obligatorischen, rabbinischen Gerichtsbarkeit. Der religiöse Jischuw und insbesondere die religiöse Arbeiterschaft macht in reichem Maße von dieser wichtigen religiösen Einrichtung Gebrauch und unterstellt so weithin die Fragen des praktischen Lebens der Tora und ihren Normen. Von hoher Bedeutung für die Entwicklung des religiös-nationalen Lebens im Lande sind natürlich die entsprechend geführten Schulen. Bekanntlich untersteht ungefähr ein Drittel des Gesamtschulwerks der Sochnut Jehudit der Aufsicht des Misrachi. Darunter befindet sich ein Lehrer- und ein Lehrerinnenseminar. Aber außerdem bestehen noch zahlreiche religiös geleitete Schulen selbständiger Art oder anderen Organisationen zugehörig. In Jerusalem gibt es z. B. die Eveline de Rothschild-Schule unter der streng orthodoxen Leitung von Miß Landau. Die Schule zählt gegenwärtig etwa 400 Schülerinnen. Eine andere selbständige religiöse Schule ist die Mor i j a in Tel Aviv, die eine erfreuliche Entwicklung nimmt. Alles in allem erhält also, wenn man noch die Chadarim hinzurechnet, weit über ein Drittel der gesamten" jüdischen Schuljugend im Lande eine religiöse Erziehung. Schlimmer steht es freilich um die religiöse Erfassung und Fortbildung der reiferen Jugend. Erst in letzter Zeit scheint hier eine Besserung eingetreten zu

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