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Zion · 1935-01-01 · 1-3 (1.1935) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
1-3 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 Z I O N Nr. US den. Breuer definiert anders, statischer als wir: Zionismus ist ihm die Antithese von Thora, u n s ein politisches Erwachen mit mannigfachen Tendenzen, dem wir die Richtung auf die Thora geben wollen. Uns ist aber auch das Schicksal derer, die andere Wege der Kultur etc. gehen, nicht gleichgültig. Der Zusammenhang mit ihnen bedeutet uns etwas. — Auch wir erwarten nichts von Majorisierung anderer. Wohl aber setzen wir Hoffnung auf die Kraft unseres Schaffens und Bauens, auf den Eindruck einer edlen Lebensführung und Geisteshaltung im Geiste der Thora. Wieder muß gesagt werden, was schon so oft ausgesprochen wurde: das alles kann nicht schnell reifen, selbst bei optimalem und maximalem Wirken unsererseits. Es ist charakteristisch, daß die Breuersche Kritik sich ganz auf Amiel stützt, dem von uns verehrten Antwerpener Raw. Aber wir kennen unseren Freund seit langem als ideologischen Einspänner; seine Konzeption hat nicht viel mit Erfolg und Mißerfolg des Misrachi zu tun. Sie kam, wenn auch nicht so ausgebaut, bereits vor Jahren zum Ausbruch, längst vor Beginn des Krakauer Kursus (1933), als die heutigen Vorkämpfer einer extrem kämpferischen Haltung gegen die zionistische Führung im Misrachi noch allerheftigste Gegner der Aguda waren. Eine Auseinandersetzung, die wie die Breuersche den Ehrgeiz hat, wirklich größere Zusammenhänge zu überschauen, hätte sich nicht damit begnügen sollen, die überscharfe Abrechnung eines Misrachisten zur alleinigen Basis zu machen, der eine ganz bestimmte Tendenz verfolgt. So wird auch der Widerhall Breuers nicht stark und eine erneute fruchtbare Diskussion innerhalb der gesamten Orthodoxie nicht aussichtsvoll sein. TJenn er muß wissen, daß er an sich auch bei den militanten Misrachisten Ablehnung gefunden hat. Der Ausklang von Breuers Schrift erweist, daß er und 'seine Umgebung sachlich keinen Schritt weiter gekommen sind: er schiebt die ganze Last der Entscheidung dem Misrachi zu. Ich kann demgegenüber nur sagen, daß bei aller Bereitschaft, uns mit der nichtzionistischen Orthodoxie enger zu verbinden, unsere nationale und zionistische Solidarität für uns selbstverständlich ist. Wir ehren Breuers Respekt vor seinen Vätern und begreifen die Schwierigkeit, politische Prinzipien zu opfern, mit deren kämpferischer Betätigung die letzten Generationen ihr Lebenswerk gestaltet haben. Uns schweben andere Vorbilder vor, nicht minder groß und verehrungswürdig. Was Breuer heute über Zionismus, Misrachi, Rodges, Schulen und Hapoel Hamisrachi sägt, hätte er selbst vor wenigen Jahren grimmig befehdet. Die Chibat-Zion — wenn wir also vom politischen Zionismus absehen — fand im Lager Frankfurts s. Z. keinen Widerhall, stieß vielmehr auf Gegnerschaft oder Indifferentismus. Sollen wir einem Rufe folgen, der sich als verspätete Erkenntnis erweist, ja nicht nur das: der voll Widerspruch ist!? Wir sagen das nicht um die neugewonnene Anschauung Breuers zu schmähen — das liegt uns sehr fern. Hätte ich Neigung zu Demagogik oder billigem Triumph, so könnte man viel für die eigene Sache herausholen. Aber all' das entspricht nicht dem Ernste der Sache und der Stunde. Dieser gebietet vielmehr bei aller Anerkennung des Positiven, nicht zu vergessen, daß, wären wir Breuer und seinen Parteigängern einst gefolgt, die Schicksalsstunde ihn und uns noch unvorbereiteter gefunden hätte. Und ich .fürchte, wir könnten es einst bereuen, wenn wir uns jetzt durch ihn vom Zionismus abspenstig machen ließen. Wir schauen heute mehr denn je die tragische Verbundenheit mit allen Juden, die ein gemeinschaftliches Los umfängt. Es würde allen logischen und ethischen Grundsätzen widersprechen, in dieser Stunde ein Band zu lösen, das freilich bisher keine ideale Gemeinschaft der Nation geknüpft, wohl aber die Volkswerdung, die Repatriierung allein gestattet und ermöglicht hat. In diesem Volke mit seinen Irrungen müssen und wollen wir leben und leiden, leider auch an diesem Volk. Einst wird der Tag kommen, wo es auch beschieden sein wird, sich zu freuen am Werden des Gottesvolkes, an der Inthronisierung der Thora. Die wahre Tragik des Misrachi — denn eine Tragik gibt es — liegt innen. Ich will heilte nicht das ganze Drama aufrollen. Uns Misrachisten in und aus Deutschland, aber auch viele andere beschäftigt dieses Thema seit langem. Irrungen und Wirrungen in der Linienführung der Politik, die jeder Größe entbehrt, die immer improvisiert wird und sich von Ressentiment nicht freihalten kann, Mangel an Führer-tum und schöpferischer Kraft, an Leistung und stillem, zähem Leisten, Unterschätzung unserer Poalim und so manches andere — da ist die Quelle unserer Ohnmacht. Aber so wenig der Misrachi als Organisation befriedigen kann: die Idee des Misrachi. ist fruchtbar und segensreich für alle Teile des Volkes. Und eines Tages wird die Idee auch wieder das Instrument wiederherstellen und ihm einen Platz anweisen, der ihrer der Idee — würdig ist,

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