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Zion · 1935-01-01 · 1-3 (1.1935) · p. Seite 5

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Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
1-3 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1*3 Z I 0 N Seit» 5 hätten, die ihnen im Kibbuz etc. erwächst. Die Fühlungnahme wäre nicht nur wichtig wegen der Gemeinsamkeit des theoretischen Mühens und der praktischen Betätigung der Mizwoth. Sie könnte auch dahin führen, daß die Welt des Lehrhauses sich durchdringen ließe von der Fruchtbarkeit der sozialen Erneuerung und der wirtschaftlichen Gesundung und von der echten Verwandtschaft zwischen der Lehre, die den Inhalt des Studiums bei Tag und Nacht bildet, und dem Neubruch des Lebens auf dem Feld und in der Werkstatt. Ich kann der von Breuer behaupteten Aufspaltung des misrachistischen Menschen nicht beipflichten. Daß unser Denken dem Herrschaftsgedanken der Thora, unser Fühlen aber dem Zionismus gehöre, ist nur behauptet und gehört in den Kreis der zahlreichen psychologischen Deutungen, die nicht zwingend sind. Die Einheit und Spaltung der Persönlichkeit ist nicht an ein bestimmtes Parteiprogramm gebunden; auch der Anhänger der konsequenten Theorie kann ein zwiespältiger Mensch sein. Ich kenne nicht wenige mitteleuropäische Orthodoxe, bei denen man vergebens die Geschlossenheit ihres jüdischen Wesens sucht. Trotz Agudismus und Separatismus können sie kulturell und in Bezug auf ihr nationales Zugehörigkeitsgefühl nicht nur in ihrer objektiven Erscheinung, sondern auch subjektiv der Zerrissenheit anheimfallen, und, was die Assimilation betrifft, so räumt Greuer selbst ihr Vorkommen in den Reihen der Orthodoxie ein. Die freudige Bejahung der Einheit der Nation, die Zustimmung zum Baseler Programm als fundamentalem Werke der Erhaltung und Erneuerung und der Glaube an die ewige Kraft der Thora und Tradition sind die Grundlagen des misrachistischen Erlebnisses und Bekenntnisses. Ein Fernbleiben vom zionistischen Werk sichert der Thora nicht die Herrschaft im Volke — die Teilnahme freilich, auch nicht. Aber sie sichert jedenfalls unseren Anteil am Bau und erhöht dadurch die Hoffnung auf einen kommenden Erfolg. Es gibt keine Alternative: Zionismus oder Thora. Gerade die Ablehnung dieser Fragestellung bedingt unsere Position zwischen den übrigen Zionisten und der azionistischen Orthodoxie. Wir haben Bindungen nach beiden Richtungen; aber wir negieren ihr Daseinsrecht in der Isolierung. Wir wollen den Zionismus nicht ohne Verbindung mit der Thora lassen und die Thora ohne Gemeinschaft mit dem Zionismus. Noch immer streben die großen konstituierenden Werte auseinander. Immer wieder werden wir deshalb Brücken schlagen. Ich will nicht der Deutung, die den ersten und alten Misrachisten in ihrem Verhältnis zum Baseler Programm zuteil wird, nachgehen. Unsere großen Misrachisten waren wohl tiefer der Bewegung verhaftet, als es Breuer erscheinen mag. Die Entwicklung in der Kulturfrage ist zwangsläufig und hat übrigens unsere Stellung eher verstärkt als gefährdet, und es liegt nur an uns, ihr noch größere Bedeutung zu geben. Ganz abwegig ist die Behauptung, die Sympathie der älteren Misrachisten für die Revisionisten stehe im Zusammenhang mit dem Verhältnis der ersten Generation zum Baseler Programm, das sich lediglich nach außen, an die Völker richtet, nach innen aber keine Intimität zuließ. Ueberhaupt ist die gleichmäßige — negative — Bewertung der Linken und des Revisionismus bedauerlich. Es wäre — ungeachtet aller Spannungen auf dem Gebiete des Religionsgesetzes — ein Glück, wenn die Orthodoxie die Welterfülltheit der Arbeiterschaft, ihr jüdisches Pathos, das Erbe unserer Vergangenheit, im Dienste der Erhöhung unseres sittlichen Niveaus in der Wirtschaft und im Gesellschaftlichen erkennte und ihre Orientierung zu den Parteien», und noch mehr zu den Ideen der Bewegung, dadurch bestimmt sein ließe. Es ziemt dem religiösen Juden, das Unverständnis, daß ein wertvoller Gegner uns zuteil werden läßt, durch großzügiges Verstehen zu erwidern. Hier erweist sich die Fortdauer alter Gegensätze. Die Form des Kampfes hat sich — Gott sei Dank — gemildert. Aber das Volk als Ganzes und seine konkrete Einheit im Rahmen der einzigen nationalen Organisation, die alle sich zum Volke Bekennenden aufnimmt und im Dienste der zentralen Aufgabe der Erneuerung von Heimat und Volksgemeinschaft steht, wird weiter bekämpft. In den Dienst dieses Kampfes treten Hilfshypothesen wie: vorherige Galuthherrschaft der Thora über das jüdische Volk*), die Behauptung, daß die geschlossene Beteiligung der Orthodoxie am Zionismus niemals den Erfolg gebracht hätte, der Ruf nach Geduld (s. o.) etc. Das alles kann nur Fehler der Vergangenheit und der Gegenwart verschleiern und retardiert nur; es hemmt die nichtzionistische Orthodoxie, sich etwa jetzt in der Schicksalsstunde für den Zionismus zu entschei- *) d. h.: die Thora muß erst in der Gallith zum Siege gelangen, bevor die Renaissance in der Heimat anhebt.

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