Mannheim
Compact Memory

Zion · 1935-01-01 · 1-3 (1.1935) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
1-3 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3133276-3139374-3139375--0995-3140512
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 ZION Nr. 1*3 bleibenden Werten. (Es ist hier nicht der Ort. in eine Kritik der Institutionen einzutreten). Anerkennen müssen wir Breuers Feststellung, daß in Erez Jisrael nur ein Bruchteil der in den misrachistischen Schulen erzogenen Schüler den Weg in den Misrachi findet. Wir glauben nur, daß die Ursache für diesen Fehlschlag anderwärts zu suchen ist; doch darüber später. Hier muß nur eingeschaltet werden, daß das Abschwenken Jugendlicher aus den religiösen Kreisen und die Abwanderung zu den Sozialisten und Revisionisten keine isolierte Erscheinung im Misrachi ist, sondern auch im alten Jischuw, bei den Zöglingen von den Talmud-Thora-Schulen und Jeschiwoth häufig ist. Wir müssen also, um den wahren Ursachen auf die Spur zu kommen und das Grundübel zu finden, anderswo ansetzen. Die agudistische Theorie immunisiert ebensowenig. Sehr ausführlich wäre darüber zu sprechen, daß, wie Breuer meint, von den misrachistischen Schulen kein -Weg in die Jeschiwoth des Heiligen Landes führt. Es kann hier nur in Kürze geschehen. Breuer nennt diese Tatsache ein fürchterliches Defizit. — Zunächst stimmt diese Behauptung in dieser Allgemeinheit nicht. Ich fürchte, daß Breuer und sein Gewährsmann — Raw Amiel — denn Breuers Schrift ist im Wesentlichen eine Variation über das Thema: „Die ideologischen Grundlagen des Misrachi" von Amiel — die Situation nicht genügend kennen. Wir haben nämlich nicht ganz selten den umgekehrten Weg vor uns: nicht selten kommen von der Jeschiwa Schüler, z. B. in das Lehrerseminar des Misrachi. Vielen Lesern in Europa wird auch unbekannt sein, daß der Unterricht in Thora und Talmud in den Misrachischulen — und in ganz wenigen nicht den Misrachi eingegliederten religiösen Schulen — auf beträchtlicher Höhe steht. Man darf an Schüler dieser Lehranstalten nicht Maßstäbe anlegen, , wie an Absolventen deutscher orthodoxer Schulen. Ein Absolvent des Lehrerseminars z. B. hat bedeutende Talmudkenntnisse, die oft die eines mittleren deutschen Rabbiners übertreffen. Hervorragende Dozenten, eine ausgezeichnete Methode, zahlreiche Lehrstunden etc. ermöglichen solch gute Ergebnisse. Wenn ein deutscher Jüngling einige Jahre auf einer Jeschiwa in Deutschland zubringt (vielleicht sogar auf einer nichtdeutschen), wird er im Durchschnitt den Absolventen des Seminars nicht übertreffen, gewöhnlich nicht einmal erreichen. Und auch in den Volksschulen sind recht beträchtliche Resultate erzielt. Ich möchte nicht mißverstanden werden. Es liegt mir sehr fern, die Funktion der -Jeschiwa zu bagatellisieren noch das Lernen in ihr als überflüssig zu bezeichnen. Ich will nur deutlich zum Ausdruck bringen, daß die von Breuer geübte Kritik allzusehr von Galuthvorstellungen Mitteleuropas ausgeht und den Aufenthalt in einer Jeschiwa, der ja in Mitteleuropa meist recht flüchtig ist, ein wenig überschätzt. Wie wenig er die Dinge im Lichte nüchterner Wirklichkeit sieht, das beweist der Satz: „Die Jugend der Frankfurter Gemeinde mündete .... in der Jeschiwöh". Weder ist der Prozentsatz so groß noch das Resultat so hervorragend, wie dieser Satz vermuten läßt. Gewiß wäre es von großer Bedeutung, wenn ein erheblicher Teil der misrachistischen Jugend — ich wähle dieses Schlagwort — in Wirklichkeit ist der Kreis weiter — das Thoraistudium noch intensiver betriebe und auch der Versuch einer guten Jeschiwa wäre erwünscht. Aber ich wage zu sagen, daß der von unserem Kritikus gerügte Mangel nicht so tragisch ist. Denn das muß stark betont werden: Lehrmethode und Lehrerfolg sind bedeutend und für die wissensmäßige Ausbildung unserer Jugend, die sich allen möglichen Berufen zuwendet, keineswegs unzulänglich. Die Mängel des Schulsystems und die keinesfalls befriedigenden erzieherischen Erfolge bedürfen eingehender Prüfung und Abstellung. Aber gerade dafür bringt Breuer keine Anregungen herbei. Die Jeschiwa wird leider diese Lücke nicht schließen. Um der erzieherischen* Mängel willen aber wandern soviele ab — aus der Misrachischule und aus der Jeschiwa. Noch eines übersehen unsere Gegner: der T}'pus des religiösen Chaluz behauptet seinen Platz neben dem Jeschiwa-bachur. Jeder Vergleich und jede Entscheidung zwischen ihnen unterbleiben hier. Uns genügt die Feststellung, daß beide von allerhöchster Bedeutung sind. Hin und wieder wird ein Jeschiwa-Zögling den Weg zur Landwirtschaft finden, mancher Chaluz wird die Sehnsucht nach der Thora und ihrem Zentrum an einer Talmudhochschule stillen. Wir sind bemüht, unseren Poalim in Stadt und Land viel Thora zu geben. Je mehr der Chaluz lehrt und lebt, umso vollständiger werden wir unseren Vorsatz erreichen, die Produktivierung des jüdischen Menschen im Berufe und Leben eng an Thorawissen zu binden. Für dieses Ziel mag es manchen Weg geben. Wir wissen, was die Jeschiwa in diesem Zusammenhange bedeutet. Wir wären froh, wenn die Kreise der Jeschiwa volles Verständnis für die Bundesgenossenschaft

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.