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Zion · 1935-01-01 · 1-3 (1.1935) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
1-3 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1*3 ZION Seite 3 — Auch das ist nicht der Zweck dieses Aufsatzes, die Mängel und den grundlegenden Irrtum der Breuer'schen Broschüre „Die Tragik des Misrachi" aufzuweisen. Es fehlt die Freude an solchem Unternehmen. Und was wäre schon damit gewonnen, wenn man einen Autor widerlegt? Nur wenn die Kritik uns in der Erkenntnis unseres Schicksalsweges fördert und über den singulären Fall einer Publikation und eines Verfassers sich zu typischer Bedeutung erhebt, kann die Auseinandersetzung fruchtbar sein. Auch Breuers Haltung scheint meine Auffassung zu bestätigen, daß sich ein grundlegender Wandel vollzogen hat. Die Schroffheit früherer Veröffentlichungen ist verlassen, die Ironisierung des Gegners und seine Verketzerung sind vermieden. Es wird versucht, den Gegner zu verstehen — nicht immer glückt der Versuch; manches Lob wird dem bisher und auch jetzt noch bekämpften Standpunkt gezollt — nicht immer entspricht es dem Verdienst. Und dennoch scheiden wir von der kleinen Schrift nicht mit dem Gefühle, daß ihr Urheber ein völlig anderer geworden ist und dämmernde Einsichten sich ihm zu letzter Klarheit verdichtet haben. Breuers Lob gilt dem geschichtlichen Fühlen und Denken der im Misrachi organisierten Toratreuen der ersten Generation. " Dieses Bewußtsein zu wecken, war die besondere Aufgabe, die gerade wir uns gestellt hatten, die in Deutschland die Verantwortung für die misrachistische Arbeit trugen. In vielen Reden und Aufsätzen ist diese Tendenz verdeutlicht worden. Es ist für uns eine Freude, dieses Bemühen heute anerkannt zu sehen, wenn das Lob auch auf die erste Generation beschränkt wird. Die nichtzionistische Orthodoxie hat, soweit sie erwacht ist, von uns ein wenig gelernt, gelernt vor allem, daß historisches Bewußtsein und politisches Wirken — großen geschichtlichen Stils — auf nahe Gegenwart und Zukunft gerichtet sein muß. Die Grenzziehung und der Zusammenhang zwischen Geschichte im schlichten Sinn und dem Messianismus hat uns immer lebhaft beschäftigt, und wir glauben, sowohl dem nationalen Los unseres Volkes als seiner großen religiösen Sendung, die auf Erden derUeberwindung des malum ethicum zustrebt, einen Dienst damit erwiesen zu haben. Uns hat weder die Not, die simple physische Not der Individuen und der Gesamtheit kalt gelassen, noch haben wir die große Berufung unseres Volkes vergessen. Es soll einmal, frei von aller Pole; mik, dieses Problem in seiner Bedeutung erörtert werden. Hier genügt es, die Frage anzutönen, um zu erläutern, worin die Bedeutung des Misrachi besteht, und warum die Ungeduld der- Misrachisten nicht ein banales psychopathologisches Symptom ist, sondern eine zutreffende Haltung. Daß Erez Jisrael nicht in den Kreis der Arbeiten der Agudas Jisroel als nennenswerter 1 Faktor eintrat, daß überhaupt diese Organisation so wurde, wie sie wurde und dem unheimlichen Geschehen unserer Tage unvorbereitet entgegentrat — besser: gegenüberstand — und den Quietismus für die nichtmessianische Phase fast zum Prinzip erhob, erklärt sich aus der Verkennung der Zeichen der Zeit, die der Misrachi verstand. Die „Geduld" ist ein gefährliches Instrument und bei Breuer das einzige Argument gegen den Misrachi und für die „Methode" der Aguda. Auch das überzeugt nicht besonders, daß er, Breuer, sich selbst als Beispiel eines Mannes hinstellt, der sich nun schon Jahrzehnte in der Kunst der Geduld an den toratreuen Massen übt. Hierin unterscheidet sich ja der Misrachi von seinen toratreuen Brüdern außerhalb des zionistischen Lagers, daß er das Warten nicht für zulässig hält. Die vier letzten Jahrzehnte der nationalen Erhebung in der Judenheit und der Palästina-Aufbauarbeit sind kein Akt der Laune und Willkür. Die zionistische Konzeption ist legitim; sie ist politisch voll Zwangsläufigkeit und innerer Notwendigkeit. Die Ueberwindung der Galuth — uns immer aufgegeben — wurde unaufschiebbar, weil die Assimilation die Grundfesten des Judentums, auch in Osteuropa, bedrohte; von der physischen Not sei hier ganz abgesehen. Die prophylaktische Tat des Zionismus begründet seine epochale Bedeutung — keine andere Bewegung im Judentum des vergangenen Jahrhunderts und der Gegenwart kann sich irgendwie rühmen, prognostisch das Richtige getroffen zu haben. In dieser Verbindung zweier Gesichtspunkte: der Renaissance als idealer, unbedingter Forderung und der rettenden vorbeugenden Tat, geboren aus der zutreffenden Erkenntnis vom bevorstehenden geschichtlichen Verhängnis, besteht das historische Verdienst des Zionismus, und diese Rolle hat einen Teil der Toratreuen zu Gefolgsmännern der neuen Bewegung gemacht. Breuer rühmt die Schulen des Misrachi, den Kibbuz Rodges, den ha-Poel-ha-Misrachi. Uns freut diese Anerkennung aufrichtig. Dies sind wirklich die Ergebnisse unseres Schaffens, die sich als beständig erwiesen haben. Und der deutsche Misrachi hat seinen Anteil an diesen

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