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Zion · 1935-01-01 · 1-3 (1.1935) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
7 (1935)
Issue
1-3 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Seife 2 Z I O N Nr. 1*3 wird. Die Golah in Babel hat den Jischuw befruchtet — wird auch die Golah, in der wir leben, diese Kraft entwickeln können? Wir stellen diese Frage nicht an die Menschen der bewußten Assimilation. Aber wie steht es mit jenen Anderen, die glauben, das wahre Judentum zu besitzen und so stolz auf es sind? Die da meinen, nicht mit dem Volk gehen zu können, weil es beim Auszug aus seinem Mizrajim noch nicht voll des göttlichen Schwunges ist, den es wohl besitzen mußte, um die letzten^ größten Teile jüdischen Menschtums zu erreichen? Die so stolz sind, zu glauben, daß der Schicksalsgestalter Israels damit zufrieden wäre, wenn nur ihre Nachkommenschaft dem Judentum erhalten bleibt, um mit dieser die jüdische Welt neu aufzubauen. Nur einmal ist an einen Menschen diese Möglichkeit herangetragen worden, an Mosche, unseren Lehrer, — er hat es abgelehnt, der Alleinerbe Abrahams zu werden; von ihm sagt die Schrift: „Der Mann Mosche war sehr bescheiden." Mosche ging mit seinem Volk, so wie es war, mit den Guten und mit den Schlechten, mit den Frommen und mit den Gottlosen, er; sah in allen den „Sera Awraham", der gewürdigt wird, daß die Gottheit ihn direkt anspricht. Der Anruf Gottes machte aus diesem Sklavenvolk ein freies Volk, das sprechen konnte: „Wir wollen tun und dann erst hören." Nicht schlechter ist unser heutiges Volk als das Volk, das aus Aegypten zog. Es betrachtet sich, als das aus der Sklaverei ausziehende Volk, es sieht vor sich die Aufgabe, sein altes Land wieder zu erobern! und es sagt klar und deutlich: Wir werden das unsrige tun, und wenn die Tat, die befreiende, vollbracht ist, werden wir hören, was von uns verlangt wird. An den Juden, die Gesetz und Recht des Judentums kennen und sich ihnen verpflichtet halten, wird es liegen, ob die an uns neu ergehende Botschaft gehört werden kann. Sind sie inmitten des Volkes, so wird es sie hören, sind sie nicht bei ihm und es hört sie nicht, so trifft die Schuld nicht jene allein, sondern die Gesamtheit. Seitdem Mosche sich mit dem sündigen Volk solidarisch erklärt hat, gibt es keine Auserwählten mehr im jüdischen Volk, sondern nur das Arewut — die Verantwortlichkeit aller für das Ganze. „Dieser Monat soll Euch der Anfang aller Monate sein." Von diesem Tage an, beginnt für uns die Verantwortlichkeit für das Ganze. Das Volk braucht Opferbereitschaft, das Land braucht aufbauende Menschen, aus unseren Reihen muß beides kommen. Ueberlassen wir nicht jenen, die noch nicht hören, sondern nur tun können, die Arbeit und Rest des Aufbaus. Erkennen wir,. daß die Tat am Anfang stehen muß, geben wir dem Aufbau in unseren Kindern unsere besten Kräfte, rüsten wir sie aus mit dem ganzen geistigen Rüstzeug unseres Gesetzes, aber gleichermaßen mit dem körperlichen Können, das sie befähigt, den Alltag in unserem Lande zu gestalten und zu meistern. Lehren wir sie in der körperlichen Arbeit wieder ein Gottesgebot zu sehen, das unsere Alten erfüllten, die am Tage ihrer bäuerlichen Arbeit und ihrem Handwerk nachgingen, um nach vollbrachter Tagesarbeit sich in das Gesetz zu vertiefen. Lehren wir sie,-daß die. volle Erfüllung der Mizwah vom Jischuw Erez Israels verlangt, mit eigenem Einsatz an aller Arbeit und der ganzen Verantwortung des Werkes im Lande teilzunehmen. Wenn Raschi in unseren Tagen gelebt hätte, würde er gesagt haben: ivösj? mwjj it ^roN^a Sa rv»jn Zeigen wir unseren Kindern so die Aufgabe des wahren Jehudi, dann befruchtet unsere Golah den neu wachsenden Jischuw, wie die Golah Babels den Jischuw des Bajit Scheni mitgestaltet hat. Die Gesamtheitsaufgabe der am Gesetz fest haltenden Judenheit ist heute: Hachscharah und Chaluziuth. Die Tragik des Misrachi. Von Dr. Oskar Wolfsberg, Jerusalem. Die Polemik hat ihren Reiz eingebüßt. Wir, die wir seit vielen Jahren in den vorderen Reihen der jüdischen Bewegung gestanden und mit Gegnern die Klinge gekreuzt haben, sind älter geworden, und die Freude am Kampf ist kein primärer Antrieb mehr. Nur die Pflicht ruft uns von Zeit zu Zeit. — Nicht nur w i r haben uns geändert. Entscheidender noch ist die große Wendung im Objektiven. Das Schicksal hat an die Pforten unseres Volkes gepocht und alles zum Schweigen gebracht, was nicht einer tiefen Notwendigkeit entspricht und entspringt. Das bedeutet nicht, daß kein Raum für Auseinandersetzung da ist. Im Gegenteil: es ist unsere ernste Ueberzeugung, daß wir viel mehr tun müßten, um die Wahrheit des Zionismus zu lehren und zu verbreiten. Viel zu wenig haben wir die Absurdität und die tadelnswerte Verirrung der Assimilation, besonders in ihrem neuesten Gewände, dargetan. Aber davon soll heute nicht die Rede sein.

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