Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 1-3 (1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ZION MONATSBLÄTTER FÜR LEHRE, VOLK, LAND Herausgegeben vom Zentralbüro der Unabhäng igen Misrachi Landesorganisation Deutschlands BEZUGSPREIS RM. 1,50 PRO QUARTAL. ZU BEZIEHEN DURCH DEN HERAUSCEBER ODER DURCH DIE POST Nr. 1 /3 Berlin, Januar-März 1935. Sch'wat-Adar 5695 VII. Jahrg. Unsere Aufgabe. A1 ,e x a n d e r Adler. „Dieser Monat soll Euch der Anfang der Monate sein." Von diesem Monat geht ein ewiger Anfang aus für das jüdische Volk, ein ewig neues Ringen um Freiheit, äußere und innere. Denn nichts in unserer Geschichte ist einmalig, nichts nur gesagt und gedacht für ein Geschlecht, jedes vor tausenden von Jahren gesprochene Wort gilt nach abertausenden von Jahren, für das damalige, aber auch für alle kommenden Geschlechter: „In jedem, auch dem spätesten Geschlecht ist der jüdische Mensch verpflichtet, sich zu sehen, als wäre er selbst herausgeführt worden aus Aegypten." So sehen wir uns auch jetzt als die Herausziehenden, erleben an uns die ersten, großen Stunden aufsteigender Freiheit; und wie jenes Herausziehen seinen Sinn nur hatte durch das Ziel, das dem auf die Wanderschaft geschickten Volk vor Aujen stand, so kann auch heute nur für uns e i n Sinn in der Feier des Peßach liegen: innere Vorbereitung, geistige und körperliche Vorarbeit für die Besitzergreifung des Landes der Väter. Das Volk, das damals auszog, sich sein Land zu suchen, war nicht reif für die Aufgabe, die ihm bevorstand. In langen Jahren mühseligster Wanderung mußte es langsam und allmählich seine Aufgabe erkennen lernen. Alle Schlacken der Galuth Mizrajim hafteten ihm an: es sah nur das Heute und Gestern, und es sah nur die Widrigkeit, die das Leben jedem Einzelnen von ihm aufbürdete. Die Juden Mizrajims aber waren nur gebunden durch das Erlebnis ihrer Leiden, ohne sich dieser Gemeinschaft und ihrer Kraft bewußt zu werden, sie hatten noch nicht erkannt, daß nur das Volksganze sich das neue Los gestalten kann, daß das Einzelschicksal zurückstehen muß, wo es heißt, eine feste Basis für die Zukunft schaffen. Eine Generation mußte dahinschwinden, bis das Volk reif geworden war, sein Ziel zu erreichen. Die Alten, Bequemen, Zaghaften mußten in der Wüste sterben, damit die Jungen, die Träger der Zukunft, im Pioniergeist — Geist der Chaluziuth sagen wir heute — das Land erobern konnten. Dem Galuth Mizrajim ist ein zweites Galuth, diesem ein. drittes, unendlich länger dauerndes gefolgt, und wie das zweite, das Galuth Babel, niemals aufhörte, denn nur ein kleiner Teil des Volkes ging damals in unser Land zurück, so wird auch das dritte nicht mit der neuen Landergreifung beendet sein, denn auch jene andere Verheißung an Abraham, unserem Vater, ist in Erfüllung gegangen: Wir sind zahlreich, wie die Sandkörner am Meer, unser Land kann sie nicht fassen — auch wenn alle zurückwollten, es kann sie nicht mehr nehmen. Aber das Galuth kann seine Schrecken verlieren, es kannfruchtbar werden, wenn es einen starken Jischuw im Lande gibt, der, getragen von jüdischem Geist, echtes Judentum ausstrahlt in die Welt der Golah. Auch die Golah kann den Jischuw befruchten, wenn sie von wahrem Geist getragen