Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 96 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 96 Z 10 N' Nr. 9/12 Arbeit haben und daher müssen wir nach Möglichkeit vermeiden, derartige Stellen zu besetzen. Aber niemals dürfen wir die Meinung teilen, daß solche Chawerim als ausgelernte Gärtner zu betrachten sind. Wir müssen uns schärfstens gegen die.fast zum Prinzip gewordene Durchführung der einjährigen Berufsausbildung wenden. Chawerim, die ein Jahr in einem Beruf gearbeitet haben, sind meistens nicht als Facharbeiter, sondern als Umgeschichtete zu bezeichnen, die sich nur die Grundlagen eines Berufes erworben haben. Wenn wir dies wissen, dann werden wir davon abkommen, den Wert der Arbeitsstelle nach kurzer Zeit zu beurteilen und damit den häufigen Stellenwechsel vermeiden. Besonders charakteristisch ist das eben Gesagte für die hauswirtschaftliche Ausbildung. Man kann nach einigen Monaten hauswirtschaftliche Arbeiten verrichten; aber wie sieht es in einem Beth-Chaluz aus, das von diesen Chaweroth bewirtschaftet wird, wie und welches Essen wird aufgetischt und welche Geldsummen werden verwirtschaftet. Eigentlich sollte man annehmen, daß keine wesentlichen Unterschiede bezüglich der Arbeitsdisziplin zwischen den eigenen Meschakim und sonstigen Arbeitsstellen vorhanden sind. Leider müssen wir aber feststellen, daß in den eigenen Meschakim, wenn nicht befähigte Vorarbeiter vorhanden sind, viel nachlässiger gearbeitet wird, z. T. unter dem Vorwand sozialer Momente, wobei der Achtstundentag eine große Rolle spielt. Ein sich Sicherfühlen im Beruf ist entscheidend für die Bewährung des Poel in Erez Jisrael, im Land der Klassengegensätze. Ein Arbeiter, der in seinem Beruf nicht gute Durchschnittsleistungen erzielen kann, wird bei einer Lohnsenkung seitens des Arbeitgebers am schnellsten nachgeben, da er befürchten muß, bei einem Verlassen dieser Arbeitsstätte keine neue Anstellung zu finden. Jungen und Mädchen. Eine wichtige Voraussetzung für unser Gemeinschaftsleben ist ein gesundes Verhältnis zwischen Jungens und Mädels innerhalb der Chewra. Daher ist es notwendig, auf diese Frage näher einzugehen. Wir glaubten, daß es uns durch die langjährige Erziehung innerhalb des Brith Hanoar, genau wie in allen anderen Jugendbünden, mit den Erziehungsmitteln wie frühzeitige Aufklärung, Schaffung von Koedukationsgruppen oder Zusammenfassung von Jungens- und Mädelsgruppen zu Zügen gelingen würde, ein sehr offenes und natürliches Verhältnis zu schaffen. Leider aber beweist die Praxis, daß dies nicht immer der Fall ist. Manchmal glaubt ein Junge die richtige Beziehung zum Mädel gefunden zu haben, wenn er mit ihr befreundet ist. Hierbei müssen wir aber vorausschicken, daß heute unter „Befreundetsein" man oft die Erwägung einer Heirat vor der Alija versteht. Es ist ganz klar und natürlich, daß bei einer Lebensweise wie in der Hachschara kibbuzit zwischen Jungens und Mädels Freundschaften im eigentlichen Sinn entstehen, ja sogar entstehen sollen. Jedoch nur auf Grund eines längeren und gründlichen Sichkennenlernens und nicht, wie es heute manchmal betrachtet wird, als ein von vornherein notwendiger Umstand. So äußerte letztens eine Chawera, sie habe das Empfinden, sich nicht gut in die Chewra einleben zu können, weil sie mit keinem Jungen befreundet sei. Es ist eine große Gefahr, wenn man den Versuch machen will, die Frage des Sicheinlebens in eine Gemeinschaft von der zufälligen Freundschaft mit einem der Chawerim dieser Chewra abhängig zu machen. Abgesehen davon, daß eine solche Auffassung prinzipiell dem Wesen der Chewra nicht gerecht wird, müßte die Praxis ergeben, daß z. B. in einer Chewra, in der .zehn Chawerim und zwei Chawerot sind, bestenfalls ein gutes Zusammenleben von vier Chawerim zustande kommen kann. Eine derartige Haltung ist keine ernste. Man will hier nur versuchen, die wirkliche Absicht zu vertuschen. In vielen Fällen ist es so, daß in erster Linie der Junge das Mädel sucht und umgekehrt, und dann erst den Menschen. Hier sehen wir einen großen Unterschied in der Art des Zusammenlebens der Chewrot voi zwei Jahren im Gegensatz zu heute. Wenn sich früher einzelne Chawerim auf Grund eines längeren Kennenlernens anfreundeten, so wurde dies in der Chewra durchaus nicht als störend empfunden, da die beiden Menschen sich stets v eiter bemüht haben, den Konnex mit den übrigen Chawerim in der gleichen Weise aufrecht zu erhalten wie zuvor. Im Gegenteil, die durch die Freundschaft gesteigerten Werte des Einzelnen kamen der Gemeinschaft zugute. Dagegen machen wir heute oft die Feststellung, daß die unter sich befreundeten Chawerim sich ganz außerhalb der Gemeinschaft stellen. Die Chawerim empfinden das Bedürfnis, fast ihre ganze Freizeit zusammen zu verbringen. Sie glauben, sämtlichen Anforderungen der Chewra zu genügen, wenn sie sich an den Pflicht-Sichot beteiligen. Um sich mit anderen Chawerim eingehender zu befassen, dazu hat man keine Zeit oder man hat es nicht nötig, da man ja selbst befriedigt ist. Tatsächlich ist es auch so, daß sehr häufig Chawerim, die keine persönliche Beziehung zu Einzelnen haben, sich vom Gemeinschaftsleben unbefriedigt fühlen.