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Zion · 1934-10-01 · 9-12 (10.1934) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
9-12 (10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 95 (sequence 25)
Language
German
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Nr. 9/12 ZI 0 N Seite 95 noch nicht in der Hachschara sein können. Selbstverständlich können wir von uns behaupten, daß wir einen Schritt weiter sind. Aber dieses Weitersein darf doch nicht in einer Ueberheblichkeit unserersets seinen Ausdruck finden, die eine Zusammenarbeit erschwert oder gar, wie es schon vorgekommen ist, unmöglich macht Sind wir schon solche Musterchaluzim und soweit von diesen „Bürgerlichen" entfernt, weil wir ein halbes oder ein ganzes Jahr in Hachschara sind? Wieviele unserer Chawerim wären erst sehr viel später den Weg der Hachschara gegangen, wenn diese „Bonzen" es uns nicht gesagt hätten! Wir wollen keine Trennungsstriche verwischen. Wir bestreiten Jenen Chawerim das Recht, bei den praktischen Fragen unserer Arbeit mitzureden. Aber andererseits müssen wir uns die größte Mühe geben, gerade diese Chawerim in unsere Snif- und Brith Hanoar-Arbeit einzuspannen; denn häufig sind gerade diese Chawerim Träger unserer Arbeit in den Städten. Ob dieser Zustand ideal ist, darüber wollen wir jetzt nicht diskutieren. Er ist da und wir werden ihn im Moment sicherlich nicht abändern können. Wenn wir nun die Mitarbeit dieser Chawerim nicht weitgehendst unterstützen, untergraben wir unsere eigene Stellung. Gefahren der Schematisierung. Eine der größten Gefahren besteht wohl in der Schematisierung der Hachschara. Wir haben manchmal das Gefühl,, als ob einige Chawerim die Hachschara als etwas ansehen, das man für 40 Mark monatlich möglichst kurze Zeit mitmachen muß, um nach „Erez" zu kommen. Sicherlich spielt hierbei die bisherige Methode der Bezuschussung eine nicht unwesentliche Rolle. Niemand wird die Bedeutung des grandiosen Hilfswerks, das die Berufsumschichtung der jüdischen Jugend ermöglicht hat und ihr den Weg aus hoffnungsloser Verzweiflung zu neuem Aufbau geöffnet hat, verkleinern wollen. Doch darf es ruhig ausgesprochen werden, daß die Uebernahme der materiellen Sorge der Einzelnen durch die Allgemeinheit sich häufig in erzieherischer Hinsicht schlecht ausgewirkt hat; wie das immer der Fall ist, wenn Administration und Behörden die Freiheit der Lage in die Zwangsläufigkeit eines Instanzenweges umwandeln. Aber auch die Bundesleitungen sind besonders in diesem Punkte von Schuld nicht ganz freizusprechen. Durch die enorme Vergrößerung der Hachschara sind viele erzieherische Werte verloren gegangen. Der persönliche Konnex der für die Hachschara verantr wortlichen Chawerim mit den in der Hachschara stehenden ist verloren gegangen. Aber letzten Endes sind es doch wiederum die einzelnen Chawerim, die nicht in der Lage sind, der Hachschara ihr eigenes chaluzisches Gepräge zu geben. Wir begnügen uns häufig damit, feststehende Formen einzuhalten, die aber nicht erzieherisch, sondern verpflichtend wirken. Gewiß erziehen Formen, aber doch nur dann, wenn wir sie wirklich freiwillig übernehmen und somit eine ii;nerliche Beziehung zu ihnen finden. Wir verfallen hier in genau denselben Fehler wie unsere Chawerim in Polen, die die Hachschara in einer hyperkibbuzischen Form aufziehen und dadurch gerade den größten Teil ihrer Menschen vom Kibbuzleben abstoßen. Sich Formen, ohne Beziehung zu ihnen gefunden zu haben, aufdrängen zu lassen, ist auch bürgerlich! Ueberhaupt sind wir uns dessen nicht ganz bewußt, daß mit dem Eintritt in die Hachschara für uns eine ganz neue Lebensperiode beginnt, daß wir uns jetzt in einer ganz neuen und anderen Situation befinden und uns zu einer neuen Lebensart erziehen wollen. Beziehung zur Arbeit. Gerade dieses Manko ist entscheidend für die Einstellung unserer Chawerim zur Arbeit. Wir müssen den Chawerim besonders vor ihrer Hachschara klarmachen, daß sie als bewußte Arbeiter zu leben haben, die nicht nur arbeiten, weil sie leben müssen, sondern die in ihrer Arbeit ihre Aufgabe sehen. Dann würden wir nicht manchmal das Gefühl haben, als ob Chawerim zur Arbeit gehen, weil „dafür gezahlt wird". Gewiß gibt es am Anfang der Hachschara Schwierigkeiten, die nicht leicht zu überwinden sind. Aber sobald diese überwunden sind, müssen wir doch annehmen, daß wir gerne zur Arbeit gehen und müssen wissen, daß wir etwas Wichtiges versäumen, wenn wir einen Tag nicht arbeiten. Besonders dann, wenn wir erkennen, daß wir in der Hachschara einen Beruf erlernen, den wir unser ganzes Leben lang ausüben werden, und daher jetzt jede Gelegenheit wahrnehmen müssen,'um uns recht gut auszubilden. Und dies nach zwei Richtungen: erstens, um uns überhaupt an die körperliche Arbeit zu gewöhnen; zweitens, um die gelernte Arbeit später verrichten zu können. Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, kann man unmöglich den Standpunkt mancher Chawerim verstehen, die glauben, sich häufig wiederholende Arbeiten deshalb nicht machen zu müssen, weil sie sie angeblich schon beherrschen. Wir können zwar begreifen, wenn z. B. Chawerim, die ein halbes Jahr auf einer Gärtnerei-„Massen"-Stelle nichts anderes getan haben als rigolen, wenig Interesse an ihrer

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