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Zion · 1934-10-01 · 9-12 (10.1934) · p. Seite 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
9-12 (10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 97 (sequence 27)
Language
German
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Nr. 9/12 Z I O N Seite 97 Kupa meschutefet als Erziehungsfaktor. Denn auch hier haben wir uns zum Teil auf Formen festgelegt, an die zu halten man sich verpflichtet fühlt. Die Kupa meschutefet ist für uns ein sehr wesentlicher Faktor, aber doch nur dann, wenn sie auch erzieherisch wirkt. Ein Chawer, der sehr wenig von der Art des Kibbuzlebens weiß und sofort beim Eintritt in den Hachschara- Kibbuz gezwungen wird, jsich der Kupa meschutefet anzuschließen, begreift nicht, um was es hier eigentlich geht. Bisher konnte er über irgendeinen auch noch so kleinen Betrag selbständig verfügen; wenn wir ihm nun plötzlich dies Recht nehmen, so zwingen wir ihn indirekt zur Unehrlichkeit, denn er wird nicht sofort wirklich darauf verzichten können und versuchen, Privatgeld zu besitzen. Auf diese Weise ist es möglich, daß wir ihn vom Kibbuzleben abstoßen. Aber auf der anderen Seite müssen wir feststellen, daß Chawerim, die in der Lage wären, von privater Seite ein monatliches Taschengeld aufzubringen, sich nicht energisch darum bemühen, da ja ihre Privatbedürfnisse von der Gemeinschaftskasse bestritten werden. So sehen wir, daß wir durch die strikte Iimehaltung dieser Form Chawerim zu einer Einstellung bringen, die der von uns angestrebten entgegengesetzt ist, denn wir müssen damit rechnen, daß manche Menschen große Ideale kleiner Dinge wegen aufgeben können. Wäre es nicht richtiger, die Kupa meschutefet in einer nicht so stark verpflichtender Form durchzuführen, derart, daß in jedem Kibbuz eine solche Kasse besteht und sich die Chawerim freiwillig dieser . anschließen? Beziehungen der Chawerim zu einander. Viel wesentlicher ist jedoch die Frage, wie gelingt es uns, untereinander eine engere Beziehung zu bekommen. Es gelingt den Chawerim ir den Kibbuzim nicht, das persönliche Verhältnis zu finden, auf Grund dessen man mit allen Chawerim Sichot über nur Einzelne interessierende Fragen bespricht. Gerade dieses nicht ganz Inder-Gemeinschaft-Aufgehen ist es, daß den Chawerim heute mehr als früher an sein „Zuhause" bindet, was dadurch zum Ausdruck kommt, daß Chawerim nach vier- bis sechsmonatiger Hachscharazeit ein Bedürfnis verspüren, zu ihren Eltern zu fahren. Fast alle Chawerim von uns kommen aus einem Milieu, in dem das Familienleben besonders stark ausgeprägt ist. Wenn wir nicht an dessen Stelle etwas Gleichwertiges setzen können, so bleiben sie unbefriedigt. Daher kommt es, daß viele unserer Chawerim nicht das genügende Interesse für den Kibbuz als solchen, für die notwendigen Arbeiten, für die möglichst schöne und wohnliche Einrichtung haben. Allerdings spielt hier noch eine entscheidende Rolle, daß die heutigen Kibbuzim nicht genügend materielle Sorgen haben, deren Behebung von der Anstrengung des Chawerim abhängt. Daher kommt es z. B. auch, daß wir uns heute nicht mit jeder Kleinigkeit freuen, um die der Kibbuz bereichert wird. Wenn wir feststellen, daß ein Teil unserer Chawerim sich nicht in eine Kwuza in Erez Jisrael eingeordnet hat, so sind nicht allein die bisher aufgezeigten Punkte hierfür ausschlaggebend. Wir müssen auch unsere Chawerim im Kibbuz Rodges einen Vorwurf machen: Sie haben sich nicht genügend um die neuen Olim bekümmert. Wir entnehmen den Berichten einzelner Chawerim, daß sie den Kibbuz verlassen haben, weil ihnen die Chawerim nicht genügend entgegengekommen sind und sich nicht mit ihnen beschäftigt haben. Gewiß gibt es genügend Gründe, die uns das verständlich machen, aber die Einordnung neuer Olim ist nun einmal eine der Hauptaufgaben des Kibbuz. Letzten Endes ist aber wohl der wichtigste Faktor des Versagens, wenn Chawerim zurückgehen, die nicht das Vertrauen zu unserem Ziel haben. Dann versuchen sie, den Weg des leichteren Widerstandes zu gehen. Der Einzelne fühlt sich nicht gesichert genug. Er sieht nicht genügend unserer Aller Aufgabe. Er trägt nicht genügend Verantwortung für die Bewegung, um seine persönlichen Interessen im weitesten Ausmaße in den Hintergrund stellen zu können. So kommt es, daß wir in vielen Fällen nur sehr schwer Chawerim, die angeblich fest in unserer Arbeit stehen, dazu bewegen können, noch einige Zeit hierzubleiben und Bundesarbeit zu leisten. Wenn wir bis jetzt unsere Arbeit kritisiert und scharf mit uns ins Gericht gegangen sind, so haben wir dies nur getan, um gemeinsam Wege zu finden, unsere Arbeit fruchtbarer zu gestalten. Es wäre leicht, auch eine ganze Reihe Erfolge, die wir im letzten Jahr mit unserer Erziehungsarbeit erzielt haben, aufzuzeigen. Es ist aber nicht unsere Art, uns an Erfolgen zu begeistern. Gerade durch eine kritische Betrachtung unserer Arbeit wollen wir das bisher Falsche feststellen und versuchen, einen Weg zu finden, um in Zukunft besser zu arbeiten.

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