Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 89 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9/12 Z I 0 N Seite 89 durchzumachen hat, um zur wirtschaftlichen Produktivität zurückzukehren. Wenn hierbei der Mittelstand, um Löhne zu sparen, den billigeren Araber dem jüdischen Arbeiter vorzieht, so werden wir wirtschaftlich weiterhin so stehen und handeln, wie es unserer Lage in Warschau und Berlin auch entsprach. Diese Unverantwortlichkeit und Unzuverlässigkeit gegenüber der Gesamtheit des Volkes geht so weit, daß verschiedentlich jüdische Unternehmer ihre Betriebe nach Cypern oder Syrien verlegt haben, in cVjr Hoffnung, daß durch günstigere Zollabkommen oder niedrigere Löhne dort der Verdienst ein höherer sein werde. Im Gegensatz dazu steht der jüdische Poel, der die Hauptaufgaben der Nation ausführt, für ihre wirtschaftliche Fundierung sorgt. Er wacht über die Forderung jüdischer Arbeit; er ist es, der mehr als einmal seinen gut bezahlten Arbeitsplatz in der Stadt verläßt, um ihn gegen einen schlechter bezahlten auf dem Lande einzutauschen, wenn es in der Saison dort an Arbeitern mangelt und die Gefahr besteht, daß Araber genommen werden. In seiner Stellung zum jüdischen Arbeiter ist der Mittelstand nicht einheitlich. Es gibt eine Gruppe, die Waren für den Export produziert und eine, die ihre Waren zum Vertrieb im Inlande herstellt. Zur ersten GriiDDe gehören zunächst alle Orangenpflanzer und einige größere Industrielle, zur zweiten der größte Teil der neuen Industrie und die Kaufmannschaft. Da die erstgenannten ihre Erzeugnisse im Ausland absetzen, kann es ihnen vorn Standpunkt ihrer Wirtschaft gleich sein, ob ihre jüdische Umgebung stark oder schwach ist; sie sind darum auch wirtschaftlich nicht daran interessiert, gerade dem Juden Arbeit zu geben. Und tatsächlich hat sich für einen großen Teil dieser Gruppe, die in der Hitachdut Haikkarim organisiert ist, ein angesehener Sprecher, Mosche Smilanski, gefunden, dem nicht nur die arabische Arbeit wegen des niedrigen Lohnes angenehm ist, sondern der diese geradezu aus politischen Gründen bejaht. Er glaubt, daß man um des Friedens willen die benachbarte arabische arbeitslose Bevölkerung beschäftigen muß, selbst wenn dadurch eine jüdische Ali ja benachteiligt werden sollte. Diese Parole ist natürlich so treu befolgt worden, daß auf Kosten einer stärkeren jüdischen Einwanderung nicht nur palästinensische Araber Beschäftigung gefunden haben, sondern man noch aus Aegypten und dem Horan 15 000 Araber heranholen mußte. In letzter Zeit hat sich ein Flügel dieser Gruppe abgespalten, der auf diesem Weg nicht mehr mitgehen will. Es sind dies die Chaklaiim Leumiim, die meist im Scharon ihre Siedlungen haben. Diese Menschen wissen, daß sie als jüdische Bauern Verpflichtungen gegenüber ihrer Nation haben, die um jeden Preis einzuhalten sind. Sie setzen sich für jüdische Arbeit ein und sagen ihren Kollegen um Herrn Smilanski Kampf an. Sie schließen mit der Arbeiterschaft Verträge ab, die neben Wahrung der vollen jüdischen Arbeit in Zukunft auch angemessene Arbeits- und Lohnbedingungen sichern. Dagegen ist die Kleinindustrie meist auf die Kaufkraft des jüdischen Jischuws angewiesen. Sie wird aus eigenem Interesse für die Erhaltung eines starken jüdischen Arbeiterstandes sorgen müssen. > Aber teils aus Kurzsichtigkeit und teils, weil es sich um unerfahrene Industrielle mit ungenügendem Anlagekapital handelt, wird oft versucht, die Herstellungskosten der Waren durch eine Kürzung des Arbeitslohnes zu senken. Wenngleich hier fast durchv/eg nur jüdische Arbeit verwendet v\ ird, ist man noch weit davon entfernt, im Arbeiter den Volksgenossen zu sehen, für dessen Schicksal man mitverantwortlich ist. Die Aufgaben der wirtschaftlichen Fuudierung hat die Arbeiterschaft übernommen. Mit großem Bangen betrachtet sie die jetzige Konjunktur, die ungesunde Anschwellung der Städte, die freie Konkurrenz au? dem Markt, die Bodenspekulationen, die Verteuerung der Mieten, den einseitigen Orangenbau und dergleichen mehr, Aber sie hat eine ähnliche Krise mitgemacht, die „vierte Alija", und sie weiß eine Zeit wie die heutige zu bestehen. Ein großer Teil des Volksvermögens fließt in Form von Arbeitslohn durch die Hände des jüdischen Arbeiters. Bei guter Verwertung kann er hier zur Basis der neuen gesunden Volkswirtschaft werden. Es müssen daher Institutionen errichtet werden, die mit diesem Geld Siedlungen, kooperative Werkstätten und Fabriken, Kibbuzim und sonstige Genossenschaften errichten. Dieses ist der einzige Weg zur sozialen Gesundung des Volkes. Aber dieser Prozeß kann nur stattfinden, wenn die Arbeitsbedingungen den Arbeiter existenzfähig erhalten. Der jüdische Arbeiter fand bei seinem Auftreten irn Lande keine starke, organisierte kapitalistische Gesellschaft vor. Sein gesunder Instinkt verhalf ihm dazu, daß er sich durch seine eigene Initiative sehr schnell einarbeitete und dadurch in eine gewisse Vormachtstellung rückte. Diese Stellung wurde zur weiteren Festigung ziemlich gut ausgenutzt und man eroberte günstige Arbeitsbedingungen. In anderen Ländern wurde bei Festlegung von Arbeitsbedingungen daraui