Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 90 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 90 Z I 0 N Nr. 9/12 geachtet, daß jedes Ergebnis durch Arbeitsverträge gesichert bleiben soll. Zur Wahrung dieses Abkommens verpflichteten sich Arbeiter und Unternehmer. Die Hauptaufgabe der Gewerkschaften besteht darin, jede Regelung von Arbeitsbedingungen durch große Kollektivverträge zu sichern. In Palästina hat der Arbeiter den Wert solcher Verträge nicht genügend geschätzt. Man hat sie sogar als Hindernis empfunden; denn in einem Vertrag müssen beide Partner Konzessionen machen, also Dinge anerkennen, die man freiwillig nicht auf sich übernommen hätte. Mit Unterzeichnung eines Abkommens würde man also Bedingungen anerkennen, die man im Grunde genommen nicht für richtig hält. Da tean sich den Weg für einen Anlauf zu noch besseren Bedingungen freihalten wollte, verzichtete man auf Tarifverträge und setzte nach eigenem Ermessen Löhne fest, die man als tragbar für die Wirtschaft hielt. Dadurch herrschte im Lande stets ein Zustand der sozialen Willkür. Wenngleich praktisch z. B. im Orangenbau im ganzen Lande unter denselben Bedingungen gearbeitet wurde, so war dies doch nur ein vorübergehender Zustand, der sich dann ändern mußte, sobald im Verhältnis der beiden Fronten zueinander eine Verschiebung eintrat. In diesem Zusammenhang sei noch auf die Arbeitsämter hingewiesen, die sich dadurch von den europäischen unterscheiden, daß sie allein Institutionen der Arbeiterschaft sind. In Europa sind die Arbeitsämter dagegen staatlich, d. h. allgemein anerkannte Arbeitsvermittlungsbüros. In Palästina sind sie Instrumente des Arbeiters, nicht nur um Arbeit zu vermitteln, sondern um diese auch gerecht an die Poalim des Ortes zu verteilen. Hierdurch soll vermieden werden, daß sich der Arbeitgeber bei Auswahl der Arbeiter von persönlichen Gesichtspunkten allein leiten läßt, wodurch sehr leicht Benachteiligungen entstehen können. Durch ihre Vormachtstellung gelang es nun den Arbeitern, besonders auch in den Städten und den neueren Kolonien, die Autorität der Arbeitsämter zu stärken und sie zu einem beachtlichen Faktor zu-machen. In Fragen der Lischka wie der Lohnbedingungen war es die Histadrut, die allein bestimmend mit ihrer Macht auftrat. Eine solche einseitige Herrschaft kann nicht ewig dauern. Solange man auf der Grundlage der jüdischen Arbeit steht, man also auf den jüdischen Arbeiter angewiesen ist, ist ein derartiger Zustand längere Zeit möglich. Aber diese Voraussetzung kann eines Tages wegfallen. Und wirklich, wir waren jetzt Zeugen der Schwäche dieser Grundlage, denn wenn man wie in Kfar-Saba nach dem Beispiel der alten Kolonien Araber einführt, nützt das bisher Erreichte nichts. In dieser Hinsicht lernt nun der palästinensische Arbeiter heute um. Er folgt erst heute dem Ruf des Hapoel Hamisrachi, der ihm schon vor Jahren riet, eine einheitliche Regelung auf sozialem Gebiete vorzunehmen. Manche Kämpfe, gewonnene und verlorene, hätten Vermieden werden können, wäre man seinem Rat gefolgt und in der Zeit der Stärke nicht einseitig gewesen. Aber es mußten erst wichtige Positionen, wie die Arbeit im Scharon, ins Wanken kommen, bevor die Histadrut als stärkste Gruppe den Anfang zu einer Regelung machte. In den letzten Tagen ist nun ein Abkommen zwischen verschiedenen Kolonien des Scharons und der Arbeiterschaft der Histadrut, des Hapoel Hamisrachi und der Agudat Jisrael getroffen worden. Die Ersteren verpflichten sich zur Wahrung voller jüdischer Arbeit, während die anderen in genügender Anzahl Arbeiter stellen müssen. Daneben wurden auch in Anbetracht dessen, daß nun sehr viele neue Einwanderer beschäftigt werden, die in der Arbeit noch unerfahren sind, ein Leistungsminimum und eine Mindestzeit für die Arbeit auf einem Arbeitsplatz festgesetzt. Die letztgenannten Bedingungen bedeuten insofern eine Wendung, als heute die Leitung der Arbeiterschaft hiermit ganz klar zum Ausdruck bringt, daß der Arbeiter ein bestimmtes Interesse des Unternehmers wahren muß. Durch falsch aufgefaßte und besonders für Palästina unpassende Parolen, die von jüngeren, aus Europa kommenden Arbeitern hineingetragen wurden, zeigte der Arbeiter nicht die erforderliche Einstellung zu Arbeit und Betrieb. Es ist hier nicht der Platz, festzustellen, ob die im Westen übliche Einstellung für diese Länder gerechtfertigt ist, aber keinesfalls ist sie in Palästina angebracht, weil meistenteils Kleinbetriebe vorhanden sind, in denen man ein persönliches Verhältnis zu dem Arbeitgeber hat, der ja in der heutigen Zeit durch sein Kapital Anstoß zur Ankurbelung der Wirtschaft gab. In dieser Richtung wird in Zukunft eine Erziehung einzusetzen haben, die schon in der Hachschara beginnen soll, um den Chaluz zu einem interessierten Arbeiter zu machen. Die Uebelstande, die diesbezüglich geherrscht haben, waren mehr als einmal Grund zu einer unnötigen Verschärfung gewesen. Die oben erwähnten Scharon-Verträge sind eine , neue Etappe im sozialem Leben Palästinas. Sie sind der Anfang des Ueberganges von anarchischen zu geordneten Zuständen. Obgleich es auf beiden Seiten noch genügend Menschen gibt, die